Donnerstag, 22. Juni 2017

 
Freitag, 19. Mai 2017

NORDSACHSEN

Lisa-Marie Deutrich vor dem Aufstieg in Liga drei

Andrea und Andreas Deutrich schauen sich mit ihrer erfolgreichen Tochter Lisa-Marie ein Album an.Foto: N. Töpfer

Von Norbert Töpfer

Fußball. Lisa-Marie Deutrich geht mit den Fußball-Frauen von RB Leipzig guten Zeiten entgegen. Die Mädels erkämpften sich vorzeitig in souveräner Manier die Sachsen-Meisterschaft und visieren nun die Dritte Liga an.

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Und das mit der erst 17-jährigen Torgauerin im Tor. Eine klasse Erfolgsstory für die Kickerin, die derzeit im Prüfungsstress für den Realschulabschluss steckt. Wenn sie mit ihren Teamkolleginnen nicht ohne Qualifikationsrunde aufsteigt und Relegationsspiele für Liga drei bestreiten muss, hat sie allerdings harte Wochen vor sich.

Dabei ist ihr Normalbetrieb schon extrem stressig. Lisa-Marie pendelt mindestens viermal pro Woche nach Leipzig, um mit ihrer Mannschaft erfolgreich zu sein. Das bedeutet neben Training oder Spiel in Leipzig Reisestress von bis zu drei Stunden täglich. Bei Auswärtspartien ist dieser Aufwand noch größer. Und das seit vier Jahren. Im Aufstiegsfall werden die Reisen für Lisas Mannschaft noch länger.
Das Mädel hat stressige Tage zu bewältigen, weil sie keinen Internatsplatz bekam. Um 7 Uhr beginnt ihr Unterricht in der Katharina-von-Bora-Oberschule Torgau, zu der sie mit dem Rad fährt. Gegen 14 oder 15 Uhr ist sie kurz zu Hause, isst etwas, packt die Tasche und erledigt Schularbeiten.

Anschließend wird sie von Vater oder Mutter zum Bahnhof gefahren, düst 16.12 Uhr mit dem Zug nach Leipzig. Von 18 bis 19.30 Uhr ist Training. 20.45 Uhr holt sie ein Elternteil mit dem Pkw wieder vom Bahnhof ab. Danach ist spätes Abendbrot angesagt. Für schulische Dinge bleibt wenig Zeit und die Lust darauf dürfte sich nach solch einem langen Tag in Grenzen halten. Sie muss oft die Zeit in der Bahn nutzen, um zu lernen.

Aber die Zehntklässlerin jammert deswegen nicht. „Ich bin schließlich stolz, für RB auflaufen zu dürfen. Und demnächst Dritte Liga zu spielen, wäre super. Aber ohne die Hilfe meiner Eltern, Großeltern und Freunde in Leipzig wäre das alles unmöglich.“ Angst vor der höheren Spielklasse hat die 1,73 große Torfrau nicht. „Ich traue uns Liga drei zu. Wir haben das Niveau dafür.“ Lisa-Marie dürfte in der höheren Spielklasse auch endlich mehr ihr respektables Talent zeigen können.

Denn in der Sachsenliga wurde sie aufgrund der Überlegenheit der RB-Mädels wenig gefordert. Die RB-Frauen bestreiten ihre Heimspiele auf der Anlage im Leipziger Gontardweg. 100 bis 150 Zuschauer sind meist Zeugen dieser Partien. Lisa-Marie hofft, dass es in der höheren Liga ein paar mehr werden. „Immerhin haben wir schon einen Fanklub“, berichtet sie lächelnd.

Für RB gesichtet wurde sie bei einem Trainingscamp in Leipzig als U15-Spielerin. Im Probetraining wusste die Torgauerin zu überzeugen und wechselte von Hartenfels zum Leipziger Klub. Beim SCH war die hiesige, inzwischen verstorbene Fußball-Legende Herbert Kamchen ihr erster Übungsleiter. Vor allem Dieter Kretzschmann, Peter Nowack, Frank Steller und Torwart-Trainer Gerald Busse formten die junge Fußballerin soweit, dass sie den Sprung zu RB schaffte.

Sie glaubt, dass sich auch das Trainingspensum bei einem Aufstieg erhöhen wird. „Aber vormittags wird es keine Übungseinheiten geben, denn wir sind alles Amateure. Die Mädels gehen arbeiten, studieren oder absolvieren eine Ausbildung“, berichtet die Torgauerin. Aufwandsentschädigungen bekommen die Spielrinnen nicht von RB. Für die Deutrichs bedeutet das Engagement der Tochter beim Vorzeigeklub beachtlichen finanziellen Aufwand, vor allem durch die Fahrten zwischen Torgau und Leipzig.

„Aber das nehmen wir für unsere Tochter gerne in Kauf. Wir sind stolz auf sie.“, sagt Mutter Andrea (43), die als Einzelhandelskauffrau in einem Torgauer Supermarkt arbeitet und in ihrer Freizeit regelmäßig schwimmt. Vater Andreas (45), Schichtarbeiter bei Avancis, früher ein respektabler Torwart im Nachwuchs von Chemie Leipzig sowie später bei den Männern von Chemie Torgau und Eintracht Weßnig, ergänzt: „Manchmal ist es schon stressig. Wir versuchen, Lisa vieles abzunehmen und stehen voll hinter ihrem Fußball bei RB.

Wir wollen ihr die Chance bieten, damit sie eine erfolgreiche Spielerin wird. Und die Dritte Liga könnte ja auch eine Art Schaufenster sein, in denen sich unsere Tochter für höhere Aufgaben anbieten kann.“ Das Ziel hat Lisa-Marie. „Ich hoffe, dass wir in der nächsten Saison Dritte Liga spielen. Dort hätte ich als Torfrau mehr Beschäftigung und könnte zeigen, was ich kann. Vielleicht werde ich dort auch mal gesichtet von höherklassigen Klubs. Am besten wäre es natürlich, mit RB höhere Ziele anzugehen, denn hier fühle ich mich wohl.“

Andrea und Andreas haben noch einen zweiten Fußballer im schmucken Haus im Eigenheimstandort vor den Toren Torgaus. Der 19-Jährige Sohn Marcel muss derzeit als Angreifer schwere Zeiten beim abstiegsgefährdeten Landesklassenvertreter Hartenfels Torgau durchleben. Klar, dass die Eheleute auch bei seinen Matches mal zuschauen.

Aufgrund ihrer Jobs ist es schwierig, die Spiele der Kinder zu verfolgen. „Wir müssen jede Woche genau durchplanen. Vor allem, was Lisa-Marie angeht. Schließlich muss sie aufgrund ihrer knappen Zeit zum Bahnhof gefahren und abends auch von dort abgeholt werden. Bei uns dreht sich fast alles um den Fußball“, erklärt Andreas. Die Zeit sei oft eng bemessen und Haus und Grundstück müssen durch das Paar schließlich auch in Ordnung gehalten werden. „Deswegen schaffen wir es nicht mehr so oft, Lisa bei ihren Spielen zu sehen“, sagt Andrea.

Die Pendelei wird ab September für Lisa-Marie zu Ende sein. Sie wechselt nach erfolgreichem Realschulabschluss nach Leipzig, um dort nach zwei Jahren das Fachabitur abzulegen, damit sie anschießend eine Ausbildung im Bereich Sozialwesen beginnen kann. Derzeit suchen die Deutrichs für diese sicher auch wieder harte Zeit ihrer Tochter eine Wohnung in Leipzig.

Denn für Lisa-Marie stehe trotz des extrem hohen Engagements im Fußball ein vernünftiger Beruf an erster Stelle: „Auch wenn sie den Sprung in höhere Ligen schaffen sollte, könnte sie als Profi-Spielerin nicht davon leben. Das ist in Deutschland nun mal so“, spricht Vater Andreas Klartext. Lisa-Maries Ehrgeiz wird dadurch nicht geringer: „Ich würde mich auf eine Herausforderung in einer höheren Spielklasse freuen“, sagt die junge Torfrau, die gern in einer höheren Spielklasse ihr beachtliches Können vor einer größeren Öffentlichkeit präsentieren möchte. Was für die sportbegeisterten Eltern sicher der schönste Lohn für ihre großen Mühen sein würde.    
 


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