Freitag, 20. Juli 2018

 
Freitag, 26. Mai 2017

DOMMITZSCH

"Wir hätten es allein nicht schaffen können"

Hier eine ältere Aufnahme vom Klärwerk mit Geschäftsführer Frank Geithner.Foto: TZ/Archiv/N.Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Der AZV Dommitzsch hat einen großen Teil der Betriebsführung abgegeben und ein privates Unternehmen mit umfangreichen Aufgaben betraut. Der Beschluss dazu fiel in der letzten Verbandsversammlung diese Woche einstimmig.

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Dommitzsch. Der AZV Dommitzsch hat einen großen Teil der Betriebsführung abgegeben und ein privates Unternehmen mit umfangreichen Aufgaben betraut. Der Beschluss dazu fiel in der letzten Verbandsversammlung diese Woche einstimmig. „Frank Geithner bleibt Geschäftsführer, kümmert sich aber um andere Dinge wie zum Beispiel Haushalt/Finanzplan“, betonte Bürgermeisterin Heike Karau, gleichzeitig Vorsitzende des AZV. Sie hatte den Verband personell in einer Notlage gesehen und die ungewöhnliche Variante ins Spiel gebracht.

Die OEWA Wasser und Abwasser GmbH aus Leipzig, die das Vertrauen der Verbandsräte erhielt, soll im Wesentlichen vier Schwerpunkte managen: 1. die dringende Ertüchtigung und Erweiterung der Kläranlage. Hier gibt es schon lange Sanierungsauflagen und Druck der übergeordneten Behörden. In das vor rund 20 Jahren errichtete Bauwerk sind 1,8 Millionen Euro zu investieren – unter anderem in die Anlage zur Fäkalschlammentsorgung, in neue Elektrik, Umsetzung von Arbeitsschutz- und Sicherheitsbestimmungen. Und nicht zuletzt soll die Anlage künftig statt für 3000 Einwohner dann für 4500 Einwohner ausgelegt sein.

Ursprünglich war sogar noch ein höheres Volumen angedacht. „Wir haben uns mit dem Landratsamt auf die Minimalvariante geeinigt“, so Heike Karau. Ebenso wurde die Frist von Frühjahr 2018 auf Ende 2018 verlängert. Bis dahin müssen die Arbeiten abgeschlossen sein, dennoch mit Einhaltung aller Fristen ein „sportliches“ Ziel. In den nächsten Monaten erfolgen die Planungen, zum Jahresende soll die Vergabe für den Umbau stattfinden. Zweiter Schwerpunkt: die Fertigstellung des Kanalnetzes im öffentlichen Straßenbereich laut Wasserrecht, was hätte längst passieren müssen.

Mit der Erschließung  der Grundstücke in Commende, in Mahlitzsch, dem Mittelweg und der Schmiedeberger Straße in Greudnitz stehen noch vier Straßenzüge aus. Bei zwei der vier Maßnahmen sind die Fördermittel schon verfallen. Und es droht weiteres Ungemach. Die Erschließung von Commende muss aus diesen Gründen unbedingt noch dieses Jahr geschafft werden. Für die Erschließung von Mahlitzsch vergaben die Räte am Dienstag Abend die Planungsleistungen. Dritter Schwerpunkt ist die personelle Betreuung bzw. Besetzung des Klärwerkes. „Mit nur einem Klärwärter, so wie das bisher geschah, ist der Betrieb der Anlage aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen gar nicht erlaubt“, so die Bürgermeisterin.

Auch hier springt die OEWA in die Bresche. Vierter Schwerpunkt sei die Erarbeitung von Grundlagen zur Erhebung einer Niederschlagswasser-Gebühr. Heike Karau: „Es sind so viele Aufgaben, die gerade jetzt ganz schnell erledigt werden müssen und die sich aufgestaut haben, dass wir auf Hilfe von außen zurückgreifen müssen. Gerade weil es um Sanierungsauflagen, angedrohte Strafgelder und Fördermittel geht. Der Verband ist personell zu klein, um die angestauten Probleme rasch zu lösen. Der Druck der übergeordneten Behörden zwingt uns zum Handeln.“ Man hatte erst Gespräche mit dem Trink- und Abwasserzweckverband Torgau/Westelbien geführt.

Dieser sah sich jedoch angesichts der Fülle der Aufgaben auch nicht in der Lage zu helfen. Somit kam das Leipziger Unternehmen ins Spiel. Es erhielt den Zuschlag für eine Laufzeit von 18 Monaten. Das kostet dem Verband rund 60 000 bis 80 000 Euro pro Jahr, die schon im Haushalt als außerplanmäßige Ausgabe gedeckelt wurden. „Weil wir aber ursprünglich ohnehin vor hatten, eine zusätzliche Stelle für einen kompetenten Mitarbeiter in der Verwaltung des AZV zu schaffen, waren diese Kosten größtenteils eingeplant“, so die Bürgermeisterin, die jetzt hofft, dass der Verband alsbald wieder in ruhiges Fahrwasser gesteuert werden kann. Angesichts der Terminketten ist aber erstmal reichlich Stress angesagt.


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