Samstag, 18. August 2018

 
Freitag, 23. Juni 2017

OSTELBIEN

Hinter den Kulissen des "größten illegalen Festivals"

Feiern, Feiern, Feiern. Das ist es, worum es bei den Teknivals hauptsächlich geht. Auch in diesem Jahr trafen sich zahlreiche Tekno-Freunde mitten im Wald, um gemeinsam ordentlich Party zu machen. Zu den Beats der Soundsysteme wird so lange vor den Boxenwänden getanzt, bis man nicht mehr kann. Einfach frei sein und gemeinsam Spaß haben lautet hier die Devise. Und die findet offenbar ordentlichen Anklang, fanden doch zahlreiche Besucher ihren Weg nach Züllsdorf. Da die Veranstaltung weder angemeldet noch genehmigt war, bekamen die Teknival-Besucher am Samstagnachmittag Besuch von der Polizei.

Von Nick Leukhardt

Züllsdorf. Ein Besucher schilderte der TZ, wie das German East Tek, das größte illegale Festival Deutschland funktioniert. Dieses Jahr fand es in der Nähe des brandenburgischen Züllsdorf statt:

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„Einsatz wegen illegalen Technofestivals.“ Mit dieser Überschrift vermeldete die Torgauer Zeitung am 12. Juni die Auflösung eines Musikevents der besonderen Art. Was zu dieser Zeit jedoch noch niemand wusste. Las man die spärlich veröffentlichten Informationen, welche die Polizei zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht hatte, dachte man eher an eine kleine private Feier, durch die sich ein Bauer ein wenig gestört fühlte und deshalb die Polizei gerufen hatte. Jedoch weit gefehlt: bei der Veranstaltung handelte es sich um das angeblich größte illegale Festival Deutschlands. Um einmal einen Einblick zu gewinnen, wie man sich so etwas denn vorzustellen hat, traf sich die Torgauer Zeitung mit Rocko S. (Name von der Redaktion geändert) und sprach mit ihm über Soundsysteme, den politischen Hintergrund des Festivals und die Motivation, tagelang mitten im Wald durchzufeiern.

„Seit 16 Jahren bin ich nun schon jedes Jahr bei den German East Teknivals (East Tek) mit dabei“, erzählt der 32-jährige Rocko. „Mit 16 bin ich in diese Szene irgendwie reingerutscht und seitdem ist es einfach jedes Jahr nur geil.“ Teknival, das setzt sich zusammen aus Tekno und Festival. Tekno (oder auch Freetekno) bezeichnet dabei nicht nur ein musikalisches Subgenre, sondern steht auch für eine Subkultur, welche sich als Gegenbewegung der Rave- und Techno-Szene sieht. So geht es beim Freetekno, bei den Teknivals und somit auch bei dem Festival, welches dieses Jahr bei Züllsdorf stattfand, darum, völlig frei von gesellschaftlichen und kommerziellen Zwängen zu sein. „Wir wollen einfach nur feiern“, erklärt es Rocko ganz simpel. „Und der Staat behindert uns dabei, Deshalb machen wir das Ganze illegal.“ Eine politische Botschaft stecke nicht dahinter, versichert er. Es gehe einzig und allein um das Gefühl, frei zu sein.

Doch noch einmal zur grundlegenden Erklärung, was genau ein solches Teknival eigentlich ist: bei einer solchen Veranstaltung treffen sich mehrere Soundsysteme, um dann mit den feierwütigen Besuchern gemeinsam Party zu machen. Eintritt gibt es keinen und auch Stände, an denen man Essen, Getränke oder andere Dinge kaufen kann, existieren nicht. Es kann lediglich sein, dass die Soundsysteme selbst eine Art Getränkestand oder dergleichen organisieren, an welchem allerdings kein Geld verlangt wird.

Doch was ist denn eigentlich ein Soundsystem, wird sich nun der geneigte TZ-Leser fragen, der nicht bis über beide Ohren mit der Techno- (oder Tekno-)Szene vertraut ist. „Ein Soundsystem ist im Grunde genommen wie eine Band, nur eben im Technobereich“, erklärt Teknivalbesucher Rocko. „Also im Grunde ein Zusammenschluss mehrer DJs, in unserem Falle vor allem aus dem Underground-Bereich, die mit ihren Boxenwänden zu Teknivals fahren und dort auflegen.“

Zuerst einmal ist bei der Organisation eines solchen illegalen, also nicht angemeldeten Festivals eine Sache wichtig: die Geheimhaltung. Zwar existieren Flyer, diese werden allerdings weder öffentlich verteilt noch ins Internet gestellt. Nur wer in der Szene aktiv ist und dementsprechend auch die passenden Kontakte hat, bekommt die Chance, bei einem solchen Teknival dabeizusein. Organisiert wird es meistens von den Soundsystemen selbst. Diese suchen sich einen geeigneten Platz für die Veranstaltung und kommunizieren diesen dann, sobald das Festival beginnt. „Das läuft dann folgendermaßen ab: Man bekommt den Flyer von einem Freund zugesandt, auf dem steht eine Nummer.

Diese Nummer ruft man dann an dem Abend, an dem das Festival stattfindet an und dann bekommt man die Koordinaten übermittelt.“ Nur ein Problem bei der ganzen Sache gibt es: die Teknivals können in ganz Deutschland stattfinden. Wer also ein echter Fan ist, nimmt dann gut und gerne mal ein paar Stunden Fahrt in Kauf. Dieses Jahr hatte Rocko Glück, fand das East Tek doch mit Züllsdorf fast direkt vor seiner Haustür statt. „Und gerade dann wird das Festival abgebrochen, kurz nachdem ich angekommen bin.“ In diesem Zusammenhang erzählt der Tekno-Fan auch von den sogenannten Teknomaden. Diese würden mit ihrem Auto oder Wohnmobil von Teknival zu Teknival reisen und in ihrem Vehikel wohnen. „Wie Nomaden eben, nur mit Tekno.“

„Free Party is no crime.“ Das ist das große Motto, welchem die Teknivals in Deutschland, Tschechien, Frankreich oder sonst überall in Europa unterstellt sind. Man will frei von Zwang und Kommerz Party machen und meldet deshalb solche Veranstaltungen auch nicht an. Leider entspricht es nicht unbedingt der deutschen Gesetzgebung, mit über hundert Leuten irgendwo mitten in den Wald zu fahren, sich tagelang mit Massen an Elektronik dort niederzulassen und durchzufeiern. Und so kam es für die Teknivalbesucher auch nicht überraschend, als am Samstagnachmittag plötzlich die Polizei auf ihrem „Festivalgelände“ auftauchte und höflich darum bat, die Musik abzustellen.

„Haben wir natürlich nicht direkt gemacht“, erzählt Rocko. Erst als die Polizisten dann ein paar deutlichere Worte an die Soundsysteme und die Besucher richtete, kamen diese auch der Bitte nach und räumten nach und nach den Platz. „Das war aber wirklich noch einer der friedlicheren Räumungen“, erzählt Rocko. „Ich war auch schon bei Teknivals dabei, wo uns die Boxenwände kaputtgeschlagen wurde und dergleichen.“ Ärgerlich war der Einsatz für alle Anwesenden natürlich trotzdem, fand er bereits am zweiten Tag statt. Wie lange das Festival regulär gegangen wäre, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sagen.

„Denn bei solchen Teknivals gibt es immer nur einen Starttermin. Es geht dann so lange bis keiner mehr kann, meistens ungefähr eine Woche.“ Und nicht nur die Länge des East Tek wird durch solche Polizeieinsätze, wie sie nun schon ein paar mal vorkamen, beeinträchtigt, erzählte Rocko S.. Auch der Umfang, welchen die illegalen Festivals haben, würde immer weiter schrumpfen. Waren es so vor 16 Jahren noch 16 Soundsysteme, waren es im letzten Jahr nur noch 8 und dieses Jahr sogar nur noch 6. „Ich glaube, die Leute trauen sich einfach nicht mehr, mit und bei uns zu feiern und so schrumpfen die Teknivals immer weiter. Wirklich schade. Aber das Feiern, das lassen wir uns auch in Zukunft nicht verbieten.“


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