Mittwoch, 18. Oktober 2017

 
Mittwoch, 9. August 2017

TORGAU

Das schrieb Luther ins Poesiealbum

Das wertvollste Exponat, mit dem das Stadt- und Kulturgeschichtliche Museum Torgau seine zweite Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum eröffnet hatFoto: Stadtmuseum Torgau

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Das gibt es nur in Torgau zu bestaunen: Diese Original-Lutherhandschrift aus dem Jahr 1543 ist weltweit eine Rarität. Dass es sich um eine solche handelt, haben mittlerweile namhafte Experten bestätigt.

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Torgau. Muss es denn noch eine weitere Ausstellung zum Reformationsjubiläum geben? Ja, diese auf jeden Fall! „Worte & Musik – Die Reformation in Bibeln und Instrumenten“. so ist die zweite Sonderausstellung des Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museums überschrieben.  Seit wenigen Tagen wird sie im Gebäude Wintergrüne 5 präsentiert.

Die ausgestellten Nachbildungen historischer Instrumente sind Leihgaben von Gesine Friedrich. Sie ist Gründungsmitglied der Wittenberger Hofkapelle und vermag solche Instrumente auch zu spielen. Das brachte sie zur Freude der Gäste während der feierlichen Vernissage auf Gamba und Dudelsack meisterhaft zu Gehör.

Das bedeutsamste Exponat ist jedoch wahrlich ein echter, einzigartiger Schatz, dessen hoher Wert allerdings erst erkannt wurde, nachdem „er“ in Torgau eingetroffen war. Es handelt sich um eine Original-Handschrift Martin Luthers aus dem Jahr 1543 (siehe Foto).
Dieses überaus wertvolle vergilbte Blatt und weitere Schriftdokumente zählen zur privaten Sammlung des Kunsthistorikers Peter Zimmermann aus Hamburg. Er steht dem Torgauer Geschichtsverein unter Leitung von Dr. Jürgen Herzog (Museumsträger) schon seit 2008 als überaus geschätzter Partner zur Seite. Wie wichtig ihm die Zusammenarbeit ist, bekundete er mit seiner Anwesenheit bei der Vernissage, die er mit einem ebenso spannenden wie kurzweiligen Vortrag bereicherte. Dass er seine Familiengeschichte dafür als „roten Faden“ vor dem Publikum „entwirrte“, ist der Tatsache geschuldet, dass er ein Nachfahre der Familie von Johannes Selfisch ist, ein Buchhändler und Weggefährte Luthers.

Wie aber kommt dieses Originaldokument nach nahezu fünf Jahrhunderten in die Hände von Peter Zimmermann? Das, was er zu berichten weiß, lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Stammvater der Familie, so hat Zimmermann nach intensiven Recherchen herausgefunden, ist ein Mann namens Laurentius. Er  lebte um 1500 als weltlicher Mönch im Erfurter Augustinerkloster und war als „Buchfürer“ zuständig für den Aufbau und die Erweiterung der Bibliothek. Dessen Sohn Johannes hat beim Vater die Buchhändlerei gelernt und sich in Erfurt selbstständig gemacht. Ab etwa 1520 habe er angefangen, lutherische Schriften als „Bückware“ zu vertreiben. Das wurde ihm höchst übel genommen. Er kam für einige Jahre ins Gefängnis und  beschloss nach seiner Freilassung, mit der Familie nach Wittenberg zu ziehen. Immerhin kannte er Luther, der oftmals beim Vater gewesen war, persönlich. Nachweisbar ist, dass Johannes spätestens 1537 als Buchhändler in der Elbestadt agierte. Dessen Sohn Samuel hatte schon als Knabe viel mit Büchern zu tun und trat beruflich in die Fußstapfen des Vaters. Allerdings hat er ihn noch weit übertroffen. Peter Zimmermann: „Man würde aus heutiger Sicht sagen, Samuel Selfisch hat einen Verlagskonzern aufgebaut. Er besaß drei Druckereien, eine Buchbinderei und in Deutschland verteilt mehrere Buchläden, außerdem auch eine Papiermühle. Damit wurde er zum größten Buch- und Papierhändler, zugleich auch zum größen Verleger Sachsens.“

Samuels Tochter Maria heiratete Augustin Cranach. Insofern gab es sehr enge Beziehungen zwischen den Familien Selfisch und Cranach. „Samuel kam daher an sämtliche Holzschnitte Cranachs heran und konnte deshalb alle seine Bibeln illustrieren – teilweise mit bis zu 200 Grafiken“, weiß Peter Zimmermann.
Zur Existenz der nun in Torgau ausgestellten Originalhandschrift hat Peter Zimmermann folgende Erklärung: „Aus Dankbarkeit gegenüber der Familie Sefisch hat Martin Luther sich im deren „Album amicorum“ (Vorgänger des Poesiealbums) verewigt. Irgendwann muss jemand das Blatt herausgerissen und in die Bibel von 1543 gesteckt haben. Dort fand ich das vergilbte Papier und dachte zunächst, dass es sich um eine Abschrift handelt. Erst nachdem das Torgauer Museum Experten zur Prüfung hinzugezogen hatte, gab es die große Überraschung: Die Zeilen sind tatsächlich von Martin Luther mit Tusche geschrieben worden.“
Besagte Bibel hat Zimmermann ebenfalls dem Torgauer Museum überlassen. Sie wird jetzt im Spalatin-Haus ausgestellt.

„Wir sind überglücklich, solche Schätze zeigen zu können“, bekundet Kathrin Niese. Museumsleiterin Cornelia König dankt ihr und den anderen Mitarbeitern – insbesondere auch den beiden Leihgebern – für die Zusammenstellung der Exposition. Zu sehen sind in den nächsten 14 Wochen neben den Nachbauten historischer Instrumente Bibeln aus fünf Jahrhunderten, darunter auch die Volx-Bibel: „Der Besucher kann darin blättern und lesen, sich colorierte Holzschnitte, Grafiken und Luther-Bilder anschauen - und ebenso Klängen lauschen, wie sie Luther einst gehört hat.“


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