Sonntag, 17. Dezember 2017

 
Samstag, 12. August 2017

TORGAU

"Neid, Hass und Angst beeinflussen uns am meisten"

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Hendrik Vangerow über das „Männerprojekt“ in der Unterkunft am Stadtpark und Integrationshindernisse

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Torgau/Elsterberg. Seit Juni läuft in der Gemeinschaftsunterkunft am Torgauer Stadtpark  ein weiteres Vorhaben, dass es sich zum Ziel gesetzt hat, Flüchtlinge weiter in die Gesellschaft zu integrieren. Es trägt den schlichten Namen „Männerprojekt“ und wird in Kooperation mit dem Zusammenkommen e.V. Belgern durchgeführt. Um die einzelnen Maßnahmen kümmert sich Hendrik Vangerow. Mit dem 47-Jährigen sprach die Torgauer Zeitung über die Hintergründe des Projektes.

TZ: Herr Vangerow, Sie kommen ja eigentlich eher aus der Musikbranche. Wie sind Sie denn in der Flüchtlingsarbeit gelandet?
H. Vangerow: Ich habe vor Jahren mal ein Studium in sozialer Arbeit begonnen. Viel später habe ich dann ein Praktikum im Torgauer Stadtteiltreff gemacht. Dabei hab ich dann Stefanie Kasubke kennengelernt. Sie leitet ja jetzt die Unterkunft am Stadtpark. Darüber kam der Kontakt.

Aber das erklärt ja noch nicht, warum Sie sich für die Flüchtlinge einsetzen.
Ich stamme ursprünglich aus dem Ruhrgebiet. Dort bin ich groß geworden mit Multikulti. Damit kenne ich mich in der ganzen Problemlage – dem Umgang zwischen Einheimischen und Zugewanderten – ganz gut aus, denke ich, und kann so ein bisschen helfen. Ich habe dann gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, etwas zu tun.

Und die gab es dann offensichtlich. Sie kümmern sich jetzt also um das „Männerprojekt“. Was tun Sie da genau?
Im Prinzip haben wir eine Reihe von Ausflügen geplant, um die Freizeit der Geflüchteten vernünftig zu gestalten. Dabei soll es aber auch immer etwas lehrreiches geben. Unsere ersten Treffen drehten sich zum Beispiel um Baderegeln und  anschließend gab es einen gemeinsamen Badeausflug zum Kiebitzsee bei Falkenberg mit dem Rad. Weiterhin geplant sind auch Ausflüge zum Brückenkopf oder aber auch eine Infoveranstaltung für Sexualpädagogik.

Sehr breit gefächert.
Ja, aber in meinen Augen ist das auch gut. Es funktioniert bei uns so: Ich mache mir Gedanken über mögliche Projekte. Die werden dann allen vorgestellt und wenn meine Ideen so passen, dann geht es an die Organisation. Wir denken derweil so zum Beispiel auch über eine Fahrradwerkstatt nach.

Jetzt nennt sich das Ganze „Männerprojekt“. Wir sprechen aber über Integration,  schließen aber alleine mit dem Namen schon wieder einen Teil der Zugewanderten aus.
Das wird von den Medien vielleicht so interpretiert. Aber wir müssen doch auch mal der Realität ins Auge schauen. Wir sprechen hier über die Freizeitgestaltung von Geflüchteten, die in einer Gemeinschaftsunterkunft leben. Mal davon abgesehen, dass sich die Freizeit von Familien mit kleinen Kindern ohnehin fast von selbst organisiert, haben wir in der Unterkunft nur Männer. Der Großteil der hier leben Flüchtlinge sind nun mal Männer, davor brauchen wir die Augen nicht verschließen. Sie sind unsere Zielgruppe, und damit ist das in Ordnung.

Aus Richtung der Ämter und Behörden hört man immer, Integration gelinge primär über die Arbeit, neben der Sprache natürlich. Ihr Ansatz scheint da ein anderer zu sein.Sicherlich hilft Arbeit genauso gut. Doch schauen wir uns mal um: Wieviele  von den Geflüchteten haben denn einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle?  Die kann man doch fast noch an den Fingern abzählen. Freizeit, Sport, Musik – das hat aber jeder. Und das kann man zumindest zum Teil organisieren. Das ist dann allemal besser, als wenn jeder sein eigenes Ding macht oder unbeobachtet Mist baut. Allerdings darf die Erwartungshaltung auch nicht zu groß sein.

Wie meinen Sie das?
Integration ist ein Prozess, der von zwei Seiten betrieben werden muss. Einerseits müssen sich die Geflüchteten kümmern, andererseits müssen aber auch wir offen sein. Die ganze Gesellschaft ist bei diesem Thema vorbelastet.

Sie meinen mit Vorurteilen?
Genau. Selbst Leute, die sich selbst für offen halten, haben oft noch welche. Das bezieht sich aber jetzt wiederum nicht nur auf die Einheimischen. Der Mensch an sich, egal woher, ist grundsätzlich immer erstmal skeptisch.  So, wie wir die Muslime und den Islam   grundsätzlich erst mal mit Terror in Verbindung bringen – und das tun wir, ob wir es nun zugeben oder nicht –, sehen die Menschen, die hier her kommen, in vielen Europäern Kreuzfahrer.  Das kommt durch die große, gesteuerte Angstmache mit der Religion. Neid, Hass, Angst, das sind die Dinge, die uns am meisten beeinflussen. Stichwort soziale Medien, Facebook, Filterblase.

Wie lässt sich das verhindern?
Gar nicht. Und deswegen müssen wir mit kleineren Schritten zufrieden sein. Es ist schon ein Erfolg, wenn Einheimische und Flüchtlinge zusammen Volleyball spielen. Das zeigt den ganzen Verbohrten, was alles möglich ist.  Es ist ein Anfang.

Und wie sieht das Ende aus?
Das ist schwer zu sagen. Dafür müssen wir erstmal abwarten, wie sich die ganze Situation mit Flüchtlingen, die nach Europa kommen, weiter entwickelt.


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