Dienstag, 17. Juli 2018

 
Donnerstag, 31. August 2017

DOMMITZSCH

"Wie ein Schlachtfeld im Grünen"

Eines der gerissenen Schafe.Foto: Gabi Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Nahe Döbern hat vermutlich ein Wolf zum ersten Mal Schafe gerissen / einige Tiere ertranken bei der Flucht in der Weinske.

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Döbern. Der Tatort ist blutig: Niedergestreckte Schafe mit zerbissenen Kehlen liegen im Gras. Einige Leiber sind wie ausgeweidet, die Rippen abgenagt. Im Umfeld liegen verstreut Fetzen vom Fell, auch Pansen und Gedärm. „Hier hat der Wolf gejagt“, dessen ist sich Armin Tauchnitz sicher. Er ist Jäger in Döbern und schildert aus seiner Sicht, wie sich das vorausgehende Szenario zugetragen haben mag: „Das ist hier wie ein Schlachtfeld im Grünen: In der Nacht zum Donnerstag wurden an dieser Stelle nahe Döbern fünf Schafe vom Wolf gerissen. Vier weitere Tiere sind in die Weinske getrieben worden und dort im dicken Schlamm jämmerlich ertrunken.“
Silke Schimmel, sie ist die Lebensgefährtin von Schäfer Frank Steinert aus Neiden, hatte Tauchnitz hinzugerufen. Sie hatte zuerst die gerissenen Tiere entdeckt:
Es ist für die junge Frau ein ganz normaler Morgen, der letzte im August, als sie von der Wohnung in Neiden aus nach Döbern fährt. Sie will - wie sonst auch - nach den Schafen schauen. 30 Tiere hat ihr Verlobter in der Nähe des Weinske-Ufers auf der weitläufigen Koppel stehen. Am Abend zuvor gegen 20 Uhr hatte sie den Tieren Wasser gegeben. Da war noch alles normal.
Am Morgen danach nicht mehr. Schon nach wenigen Schritten stockt Silke Schimmel, bleibt wie angewurzelt stehen: Vor ihr ausgestreckt liegt ein großes Mutterschaf: „Ich sah den Biss in der Kehle und ahnte was passiert ist“, berichtet sie. Ein Blick nach vorn lässt Schlimmeres befürchten: Dort liegt, völlig aufgerissen und zerfleischt, der nächste Kadaver.
Einen Steinwurf weit entfernt liegen Innereien. Und es geht noch weiter: In den nächsten Minuten findet sie insgesamt neun tote Tiere: „Fünf davon wurden auf der Weide gerissen. Eines der vier ertrunkenen Schafe hat einen Wadenbiss. Es ist dem Wolf auf der Flucht entkommen und dann mit seinen Artgenossen im Schlammwasser ertrunken“, resümiert Frank Steinert. Der 46-Jährige war bereits zur Arbeitsstelle gefahren, als ihn seine Verlobte dort per Telefon informiert hat. So schnell er kann, kehrt er zurück und ist nun fassungslos. Am Boden knieend, über den Kopf eines der erlegten Schafe streichelnd, erzählt er: „Ich habe die Schäferei gelernt. Seit 1987 habe ich Tiere, und noch nie wurden sie vom Wolf gerissen. Ich dachte immer, wenigstens dieser Kelch geht an mir vorbei.“
Rückblende: Vor einem Jahr, im Juli 2016, berichtete die TZ schon einmal über den Schäfer Frank Steinert. Damals hatten Unbekannte insgesamt 93 Tiere seiner damals noch großen Herde von einer Dammwiese in der Nähe des Wasserwerkes im wahrsten Sinne des Wortes gestohlen. Aufgeklärt wurde der Viehdiebstahl bis heute nicht.
Diesmal ist der Tatbestand ein völlig anderer. Diesen aufzuklären hat Giso Damer, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde Nordsachsens und zuständig für das Wolfsmonotoring, drei Mitarbeiter nach Döbern geschickt. Das Ergebnis dessen, was sie später schildern, formuliert Giso Damer im Gespräch mit der Torgauer Zeitung wie folgt: „Wenn sich der Verdacht nach Untersuchung der Gewebsproben bewahrheitet, ist das der erste Fall in Nordsachen, wo ein Wolf Haustiere gerissen hat. Nach allem, was ich erfahren habe, ist dies tatsächlich nicht auszuschließen.“
Bisher, so verdeutlicht er, seien nur Wildtierrisse bekannt geworden, die vermutlich ein Wolf verursacht hat. Zudem stellt Giso Damer behördlicherseits klar: „Wölfe leben seit 17 Jahren im Freistaat Sachsen. Seitdem haben wir etwa zehn bis 15 gerissene Schafe pro Jahr zu verzeichnen.“ In Landkreis Nordsachsen wäre dies möglicherweise erstmals der Fall. Voraussetzung, dass der Schäfer dafür entschädigt wird, sei die Einhaltung des Mindestherdenschutzes, eine entsprechende Einzäunung.


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