Donnerstag, 19. Juli 2018

 
Dienstag, 12. Dezember 2017

MOCKREHNA

Eine Kämpferin mit Herz

Marina Keil (r.) freut sich sehr über die Auszeichnung und den Präsentkorb, den sie von Julia Tiedke überreicht bekommt.Foto: TZ/Perz

Elisa Perz

Audenhain. Auf diesen Besuch ist Marina Keil nicht vorbereitet. Eigentlich hat sie sich nur mit ihrer Freundin Stefanie Lippold verabredet. Bei einer Tasse Tee sitzen die beiden zusammen und sind mitten in ein Gespräch vertieft, als es plötzlich an der Tür klingelt.

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„Wer kann das wohl sein?“ wundert sich die 34-jährige. Auf herzliche Weise, aber dennoch mit einem Fragezeichen im Gesicht, empfängt sie Julia Tiedke, stellvertretende TZ-Chefredakteurin, und mich, Volontärin der TZ. Mit einem Präsentkorb voller Leckereien und einem kleinen Pokal ausgestattet stehen wir vor ihr, denn die Audenhainerin zählt zu unseren Nachbarn mit Herz. „Die Überraschung ist euch wirklich gelungen. Ich habe nichts geahnt und auch von der Aktion noch nie etwas gehört“, gibt Marina Keil zu. Doch ihre Freundin kann sich keine Person vorstellen, die als Auserwählte für „Nachbarn mit Herz“ geeigneter wäre: „Sie ist einfach immer für mich da und unterstützt jeden, wo sie nur kann“, schwärmt Stefanie Lippold.

Aber diese Hilfsbereitschaft ist nicht selbstverständlich. Schon in jungen Jahren meinte es das Schicksal nicht gut mit ihr. Nach ihrem Realschulabschluss zog die damals 16-jährige nach Würzburg, um ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. „Bereits zu dieser Zeit fühlte ich mich krank. Ich war häufig niedergeschlagen und hatte wenig Energie.“  

Trotzdem fing sie anschließend die Ausbildung zur Krankenschwester an. Allerdings für keine allzu lange Zeit: „Noch vor Beendigung des zweiten Lehrjahrs musste ich die Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Die Ursache für mein schlechtes Befinden kannte ich damals noch nicht. Heute weiß ich, dass Tumore in der Lunge dafür verantwortlich waren.“ Doch das blieb nicht der einzige Rückschlag für die Zweifachmama. Mittlerweile leidet sie seit fast zehn Jahren an Morbus Crohn. Bei der Krankheit handelt es sich um eine bisher unheilbare, chronische Entzündung des Verdauungstrakts, die meist schubweise verläuft und sich bei jedem Betroffenen durch andere Symptome äußern kann. Bei Marina Keil machen sich die Beschwerden vor allem durch Schmerzen in den Gelenken bemerkbar: „Außerdem verlangen mir auch die einfachsten Situationen, welche andere mit Bravour meistern, viel Energie und Kraft ab.“

Aber unterkriegen lassen hat sie sich zu keiner Zeit. „2003 bin ich nach Audenhain zurückgekehrt und wusste lange nicht, wie mein Leben weiter verlaufen soll. Doch mit 23 Jahren habe ich meinen Führerschein nachgeholt. Ich war einfach an einem Punkt, an dem ich eine neue Perspektive brauchte und wieder unabhängiger werden wollte“, begründet sie diesen Schritt. Danach lernte sie ihren Mann Andreas kennen: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Mittlerweile sind die beiden verheiratet und stolze Eltern des fünfjährigen Matthis sowie der zweijährigen Lisbeth.

Ihre Tochter erwacht während unseres Besuches gerade aus dem Mittagsschlaf   und wird von ihrem Papa liebevoll ins Zimmer getragen. „Normalerweise kümmert sich Marina tagsüber um die Kinder und holt sie nachmittags von der Kita ab. Ich gehe in der Zwischenzeit, neben meinem Fernstudium im Fach Maschinenbau, arbeiten. Doch die Erkältung der Kleinen hat uns heute dazwischengefunkt“, erklärt Andi, wie er von seiner Familie und seinen Freunden genannt wird. Der 27-jährige ist auch sichtlich stolz auf die Auszeichnung seiner Frau: „Sie hat es verdient. Marina denkt immer zunächst an andere anstatt an sich selbst – auch, wenn es ihr gerade nicht so gut geht.“

So versucht die Audenhainerin stets, ihrem Ehemann den Rücken freizuhalten. „Ich organisiere das meiste, wenn die Kinder in der Kita sind. Das heißt, ich koche, gehe einkaufen, putze und erledige eben die Dinge, die im Haushalt anfallen. Nachmittags geht es dann mit den Kleinen auf den Spielplatz“, beschreibt sie ihren Alltag. Trotz ihrer Krankheit greift die 34-Jährige nebenher zusätzlich noch Freunden und Nachbarn unter die Arme: „Wenn mich beispielsweise andere Eltern fragen, ob deren Kinder nach der Kita für ein paar Stunden mit zu uns kommen können, weil sie einen Termin haben oder Stefanie bittet mich, ihr vom Einkaufen etwas mitzubringen, ist das für mich eine Selbstverständlichkeit.“ 

Genau diese Einstellung ist es, die Familie und Freunde besonders an ihr schätzen. „Wie sie mit ihrem Schicksal umgeht, ist bemerkenswert. Umso glücklicher bin ich, dass ihr Engagement mithilfe der Aktion ,Nachbarn mit Herz‘ nun auch gewürdigt wird und wir ihr zeigen können, welch wichtige Rolle sie in unserem Leben spielt“, freut sich Stefanie Lippold zum Schluss unseres Besuchs.

 

Unsere Nachbarn haben Herz

Torgau. Die Beiträge zur Aktion Nachbarn mit Herz begleiten die Leser der Heimatzeitung auch in diesem Jahr durch die Adventszeit. Zahlreiche Vorschläge, wer diese Auszeichung verdient hat, sind in den zurückliegenden Wochen in der Redaktion eingegangen. Ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Region. Leider konnten nicht alle Vorschläge berücksichtigt werden, denn nach zehn Beiträgen ist die Adventszeit vorbei. Doch sei an dieser Stelle all denen der größte Respekt ausgesprochen, die sich im Ehrenamt oder ganz privat um andere kümmern, für andere da sind und dafür sorgen, dass die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt. Ein Dank sei an dieser Stelle auch den Unterstützern der Aktion gesagt. Von Beginn an unterstützt die Sparkasse Leipzig Nachbarn mit Herz großzügig, so wie sie bei vielen anderen wohltätigen Aktionen Herz zeigt. Im Kreis der Unterstützer sind 2017 auch die Kaffeerösterei Arabica, die Schildauer Fleisch- und Wurstwaren sowie die Stadtwerke Torgau.
Sebastian Stöber, TZ-Chefredakteur


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