Donnerstag, 18. Oktober 2018

 
Dienstag, 19. Dezember 2017

BELGERN-SCHILDAU

Für den besten Freund und das ganze Dorf

Mit Björn Kanitz (rechts), dem Nachbarn-mit-Herz-Preisträger aus Probsthain, freuten sich Silvana Fischer, Monika Friedrich, Elke Hädrich (v.l.) und Michael FriedrichFoto: TZ/S. Lindner

von unserem Multimedia-Redakteur Sebastian Lindner

Probsthain. Viel ist nicht mehr los in Probsthain, Freitagabend, kurz vor
18 Uhr, als ich durch den Ort fahre. Ein junger Mann läuft gemütlichen Schrittes Richtung Dorfmitte durch den dunklen Ort, eine Radfahrerin ist unterwegs. Wie sich herausstellt, haben wir das gleiche Ziel.

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Ich kombiniere: Das muss Elke Hädrich sein. Wir haben uns bei Familie Friedrich eingeladen, um dort einen Nachbarn mit Herz auszuzeichnen. „Ich habe Björn schon laufen sehen. Er müsste auch gleich kommen.“ Wir müssen uns also beeilen. Zum Glück kommt mit dem nächsten vorbeifahrenden Auto auch gleich noch unsere Unterstützung: Silvana Fischer von der Sparkasse Leipzig, wohnhaft im benachbarten Schildau. Und, wie sich später herausstellt, auch gut bekannt mit allen beteiligten Akteuren.

Wir klingeln also an der Haustür und Monika Friedrich lässt uns herein. Wir setzen uns ins Wohnzimmer. Sie ist eingeweiht und weiß, dass gleich der beste Freund ihres Sohnes Michael ausgezeichnet werden soll. Michael Friedrich ist schon seit Jahren an den Rollstuhl gefesselt und auf Hilfe im Alltag angewiesen. Die beiden, 38 Jahre alt, kennen sich schon seit der Schule. „Björn ist fast immer da für ihn, wenn er etwas braucht“, sagt sie. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander. „Sie unternehmen viel zusammen in der Freizeit.“

Wenn Michael mal raus will, dann fragt er einfach bei seinem Kumpel an. Und der hat meistens Zeit. Da geht es dann schon mal auf die Leipziger Messe. „Ich fahre die beiden nach Mockrehna zum Bahnhof und ab dann übernimmt Björn“, sagt Monika Friedrich und ist begeistert von der Hilfe, die der Freund ihres Jungen zweifelsohne ist. Und wenn keine Bahn zur Verfügung steht? Dann wird eben geschoben.  Drei Kilometer mit dem Rolli ins benachbarte Langen-
reichenbach zum nächsten Dorffest – und wieder zurück. Einfach so, aus Nächstenliebe.

Wie man sowas überhaupt würdigen soll, fragt sich Monika Friedrich. Der Nachbarn-mit-Herz-Pokal ist da schon mal ein Anfang. Schließlich bleibt es nicht bei der freizeitlichen Unterstützung. „Sie gehen auch beide gemeinsam auf Arbeit“, sagt Monika Friedrich. Bei der Lebenshilfe in Torgau. Ja – auch Björn ist gehandicapt. Elke Hädrich erzählt mir, dass er damals auf einer Abschlussfahrt an der Mittelschule Schildau einen schweren Unfall erlitt und unter ein Auto geraten war, bis heute mit den Folgen zu kämpfen hat.

Das bestürzte Schweigen, dass einen Moment herrscht, beendet Elke Hädrich, indem sie weiter von Björn dem Helfer erzählt. „Er ist ja nicht nur für Michael da. Er hilft überall, wo er gebraucht wird.“ Bei sämtlichen Feierlichkeiten im Ort ist er nicht nur Gast, sondern auch Helfer. Selbst beim Schulfest in Schildau steht er immer zur Verfügung, hilft beim Auf- und Abbau. „Meistens steht er aber hinter dem Grill und übernimmt die Versorgung.“

Nicht nur der Frauensportverein in Probsthain, auch der Kultur- und Freizeitverein des Ortes kennt ihn als engagierten Helfer. Matthias Griem, Vereinsvorsitzender, der bei der Vermittlung des Treffens geholfen hat, sagt: „Björni ist ein ganz wertvolles Mitglied unserer Gemeinschaft. Er ist auch jeden Donnerstag bei unseren Treffen dabei.“ Dann klingelt es an der Tür. Hereingestapft kommt Björn Kanitz, ob der vollen Couch leicht irritiert. „Dich kenne ich, dich kenne ich“, sagt er an Silvana Fischer und Elke Hädrich gewandt, „euch sowieso“, an Monika und Michael Friedrich. „Aber Sie nicht“, sagt er zu dem TZ-Redakteur, der sich da auf dem Sofa mit einem großen Korb breit gemacht hat. Ich stelle mich also vor, in der Zeitung hat er meinen Namen schon gelesen.

Was ich hier mache, das will ihm noch nicht einleuchten. Überraschung geglückt also, keiner hat etwas verraten. Die Aufklärung übernimmt dann die Sparkasse. „Wir sind heute hier alle zusammengekommen, um dir eine kleine Auszeichnung zu übergeben“, beginnt Silvana Fischer .“Du wirst heute als Nachbar mit Herz ausgezeichnet. Wofür, haben wir gerade schon zehn Minuten lang am Tisch besprochen“, witzelt sie und überreicht den Präsentkorb samt des gläsernen Pokals.

Björn freut sich sichtlich über den Pokal und überlegt gleich, wo er das gute Stück denn zuhause unterbringen könnte. Für den Präsentkorb reichen die Überlegungen nicht so weit in die Zukunft. „Über den machen wir uns nachher gleich her, simmts, Michael?“ Alle lachen und freuen sich mit, sind zudem einhellig der Überzeugung, dass der Pokal einmal mehr genau den richtigen Eigentümer findet.
Dann erzählt Björn noch etwas aus seinem Leben, seinem Alltag. Über die Lebenshilfe arbeitet er aktuell beim Autohaus Kühne. „Ich reinige dort Gebrauchtwagen, die hinterher wieder wie neu aussehen müssen.“ Vier Fahrzeuge schafft er an einem Tag, die dann innen und außen in makellosen Zustand sind.

Zuvor hat er diesen Job schon ein Autohaus weiter bei Maluche gemacht. Wenn möglich, würde er diese Tätigkeit gerne fortsetzen, denn  sie liegt ihm. Geschickt ist er ja. „Das habe ich mir alles angeeignet, wenn ich in der Freizeit irgendwo helfe.“ Also doch alles gar nicht so uneigennützig, will er uns auf seine liebenswerte und humorvolle Art damit verklickern. Schließlich hilft er gerne. Dabei fällt ihm ein: „Nächste Woche muss ich wieder nach Leipzig, einem Arbeitskollegen in der Wohnung helfen ...“


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