Freitag, 20. Juli 2018

 
Dienstag, 19. Dezember 2017

BELGERN-SCHILDAU

Trotz Spende keine Feierlaune bei Räten

Eine Plane schützt derzeit Teile des Oschatzer Tores vor der Witterung. Für die im Zuge der Sanierung zusätzlich anfallenden Zimmererkosten schob der Stadtrat einen Beschluss erst einmal auf die lange Bank. Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. 10 000 Euro als Spende für die Sanierung des Oschatzer Tores? Warum die Belgern-Schildauer Stadträte trotzdem nicht in Feierlaune waren gibt es hier zu lesen.

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Keine Kostenschätzung, kein Beschluss: Der Stadtrat Belgern-Schildau hat den absehbaren finanziellen Nachschlag für zusätzlich anfallende Zimmererarbeiten bei der Sanierung des Daches des Oschatzer Tores noch einmal verschieben müssen. Dabei nahm der Tagesordnungspunkt Oschatzer Tor zur letzten Zusammenkunft der Räte im Jahre 2017 einen unerwarteten und sogar freudigen Anfang: Grund war ein dickes Geschenk aus dem oberfränkischen Ludwigsstadt. Das Ehepaar Neumann unterstützt das Sanierungsvorhaben mit 10 000 Euro. „Die größte Einzelspende bislang, an die ich mich erinnern kann“, sagte Bürgermeisterin Eike Petzold.

Dass dem Oschatzer Tor ausgerechnet aus dem Oberfränkischen eine derart große Unterstützung zuteil wurde, hat folgenden Hintergrund: Wie Petzold erläuterte, sei Joachim Neumann in Belgern einst zur Schule gegangen. Erst im September habe er an einem Klassentreffen in der Rolandstadt teilgenommen und dort von dem Bauvorhaben erfahren. Sofort signalisierte er seine Unterstützung. Wenige Tage später sei der zugesagte Betrag bereits auf dem Stadtkonto gelandet. Dem noch nicht genug hatte Neumann jene Summe dann auch noch auf 10 000 Euro aufgestockt, nachdem er im Gespräch mit der Bürgermeisterin von den Mehrkosten erfuhr.

„Alles schön und gut“, holte Stadtrat Thomas Eifler (Grüne) seine Kollegen dann plötzlich aus dem vorweihnachtlichen Träumen, um in Richtung Bauamt Kritik anzubringen. So hätte man sich bereits im Vorfeld der Sanierung des schlechten Zustands des Daches gewahr sein müssen. Es folgte ein Erklärungsversuch von Bauamtschefin Ute Simon: „Man hätte dann aber im Inneren alles aufnehmen müssen.“ So aber habe die Hoffnung geherrscht, dass nur die Balkenköpfe kaputt wären.

Grund genug für Ingolf Gläser (FDP), vom offenen Tor in die sprichwörtlich offene Wunde zu wechseln und dort noch einmal herumzupolken: „Ich bitte darum, künftig ein bisschen genauer hinzuschauen und mit den Haushaltsmitteln besser hauszuhalten“, mahnte er. Jochen Werner (Freunde der Feuerwehr) schloss sich dieser Sichtweise an. „Ein bisschen ordentlicher prüfen und dann den konkreten Finanzierungsplan darlegen“, empfahl der Belgeraner der Verwaltung.
Letztlich votierte der Stadtrat mehrheitlich in einem ersten Beschluss für die Vergabe des ersten Nachtrags zur Dachsanierung an die Firma Hans Hobeck und Söhne Dachbau GmbH aus Belgern.

Die Nachtragssumme (brutto) beträgt 8989,19 Euro. Der Gesamtauftrag erhöhte sich damit von 30 986,53 Euro auf 39 975,72 Euro. Problem war aber: Darin noch nicht enthalten sind eben jene zusätzlichen Zimmererarbeiten, für die es zu jenem Zeitpunkt nur eine Pi-mal-Daumen-Schätzung in Höhe von 20 000 Euro gab, was Ingolf Gläser erneut auf die Palme brachte: „Wir sollen hier eine Entscheidung treffen und haben noch nicht einmal genaue Zahlen vorliegen ...“ Das eigentlich nun folgende Fragezeichen musste laut Tonfall einem Ausrufezeichen Platz machen. Erst recht, weil Gläser danach so richtig loslegte. „Warum machen wir immer den selben Fehler? Warum bekommen wir Räte es von der Verwaltung nicht genau aufgearbeitet?“

Matthias Schulze (Grüne) pflichtete dem bei. „Wenn Entscheidungen getroffen werden, müssen ein paar Eckwerte vorliegen. Das sollte selbstverständlich sein“, sagte der Schildauer. Auf Antrag von Vize-Bürgermeister Matthias Griem (Freie Wähler) wurde jener Tagesordnungspunkt schließlich einstimmig auf die Januar-Sitzung geschoben. „Vor Weihnachten passiert hier doch sowieso nichts“, begründete der Probsthainer den Antrag, mit dem Bürgermeisterin Petzold angeblich gut leben konnte.


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