Sonntag, 22. April 2018

 
Freitag, 29. Dezember 2017

TORGAU

Von der Straße zurück ins Leben

Kl. Bild: Über die bisherigen Spenden hat sich der Torgauer sehr gefreut. Gr. Bild: Auf dieser Bank hat Thomas B. in diesem Jahr öfter gesessen und ein Buch gelesen. Foto: TZ/Perz

Elisa Perz

Torgau. Die Geschichte von Thomas B. erinnert an ein Weihnachtswunder. Während es für die meisten Menschen selbstverständlich ist, ein Dach über dem Kopf zu haben, hat der Obdachlose bis vor wenigen Tagen keine einzige Nacht in diesem Jahr in einem Bett verbracht.

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Stattdessen schlief er in einem Schlafsack im Glacies. Eine Situation, die sich nun aber geändert hat. „Es war für mich ein Schock, als ich erfahren habe, dass jemand in Torgau unter solchen Bedingungen leben muss: ohne Wohnung, ohne feste Mahlzeiten, ohne angemessene Kleidung“, erklärt Diana Krause. Einer ihrer Mandaten berichtete der Rechtsanwältin kurz vor Heiligabend von Thomas B. Sofort stand für sie fest: Dem Mann muss geholfen werden. Innerhalb kurzer Zeit organisierte sie für ihn eine Wohnung, sodass er bereits Weihnachten in seinen eigenen vier Wänden verbringen konnte.

„Die Vermieter waren sehr entgegenkommend und zu dritt haben sie die Wohnung schnell ein wenig auf Vordermann gebracht. Die Bezahlung der Kosten der Unterkunft regelt sich mithilfe des Jobcenters. Die hierfür nötigen Anträge sowie jene für die Erstausstattung und für das Arbeitslosengeld laufen bereits.“ Außerdem wurde der Torgauer bei der Krankenversicherung angemeldet und von der Kleiderkammer mit ein paar Kleidungsstücken ausgestattet. Essen bekomme er momentan bei der Elblandtafel.

Doch warum geriet Thomas B. überhaupt in die Obdachlosigkeit? „Vor zwei Jahren habe ich bei OBI in Torgau als Verkäufer gearbeitet. Zu der Zeit hatte ich hier auch eine Wohnung, Freunde und habe mich wirklich wohlgefühlt. Aber dann wurde ich nach Wurzen versetzt“, schildert der 46-Jährige. Dort erhielt er lediglich einen besfristeten Vertrag. Nach dessen Ablauf folgte die Entlassung und von jetzt auf gleich wurde das Leben des Torgauers komplett auf den Kopf gestellt: „Ich habe mich geschämt und wollte nicht zum Arbeitsamt gehen, sondern die Situation selbst in die Hand nehmen.

Allerdings blieb die Jobsuche erfolglos und durch mein fehlendes Einkommen verlor ich auch die Wohnung in Wurzen.“ Plötzlich stand er auf der Straße – ohne ein Dach über dem Kopf, ohne Geld und ohne Perspektive. „Freunde hatte ich in Wurzen nicht und der eigenen Familie wollte ich nicht zur Last fallen. Meine Eltern sind bereits verstorben. Ich habe zwar Geschwister in Torgau, doch wir haben keinen Kontakt. Daher wollte ich nicht plötzlich angekrochen kommen und um Hilfe bitten.“

Trotzdem lief er die rund 30 Kilometer von Wurzen nach Torgau zu Fuß zurück. In der Elbestadt, in der Thomas B. geboren wurde, hoffte er, schneller Anschluss zu finden. Auch dieser Plan ging nicht auf. Um dennoch über die Runden zu kommen, fing er an, Flaschen zu sammeln. Von der Kleiderkammer bekam er außerdem einen Schlafsack, Kleidung und öfters sogar ein Buch. „Das Lesen gibt mir Kraft. Dadurch gelingt es mir, in eine andere Welt und der Einsamkeit zu entfliehen“, beschreibt der bis vor kurzem Obdachlose. Das Alleinsein sei das Schlimmste für ihn gewesen. Nicht der Regen oder die Kälte.

Das habe er schon gar nicht mehr gespürt. „Meine Erfahrungen aus der Zeit als Soldat haben mir geholfen, die Nächte draußen gut zu überstehen. Ich hatte nicht einmal einen Schnupfen geschweige denn eine richtige Erkältung.“Ohne tägliche Mahlzeiten wäre das allerdings nicht möglich gewesen. Das Geld, dass der ehemalige Verkäufer durch das Flaschenpfand verdiente, hätte dafür kaum ausgereicht. Glücklicherweise fand er zwei Imbisstuben, bei denen er hin und wieder etwas abbekam.

„Als ich zum ersten Mal in einem der Läden mit einem Euro ankam und nach einem Kinderdöner fragte, hat mir der Betreiber einfach einen großen Döner geschenkt. Ich weiß gar nicht, wie ich mich dafür jemals in angemessener Form revanchieren kann.“ Vor seiner Zeit als Obdachloser hätte er diese Geste nicht derart zu schätzen gewusst. Nicht nur in dieser Hinsicht hat sich seine Sicht auf das Leben gewandelt: „Ich empfinde viel mehr Dankbarkeit als früher und weiß mittlerweile, dass nichts selbstverständlich ist. Mein ganzer, jetziger Besitz passt in zwei Taschen.“

Um nun aber zumindest das Notwendigste für den Alltag zusammenzubekommen, bittet Thomas B. um Spenden, die bei der Rechtsanwaltskanzlei Krause abgegeben werden können. „Ich kann alles gebrauchen, von Kleidung über Geschirr bishin zu Hygieneartikeln.“

Letzte Woche, einen Tag vor Heiligabend, erhielt er sogar bereits einige Spenden, darunter ein Essenspaket sowie ein kleiner Tannenbaum. „Diese Großzügigkeit ist unglaublich. Dank der Hilfe so vieler Menschen konnte ich doch noch ein schönes Weihnachtsfest erleben.“ Sein nächstes Ziel fürs kommende Jahr sei, eine neue Arbeitsstelle zu finden.


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