Freitag, 19. Januar 2018

 
Donnerstag, 4. Januar 2018

TORGAU

Missverständnis nach Auto-Berührung

Von Peter Müller

Torgau. Martina Z. (Name von der Redaktion geändert) war die Aufregung sichtlich anzumerken. Die Oschatzerin hatte wahrscheinlich zum ersten Mal den Verhandlungssaal eines Amtsgerichts von innen gesehen.

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Die 60-Jährige musste sich wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verantworten. Gegen den dafür ausgestellten Strafbefehl in Höhe von 35 Tagessätzen zu je 60 Euro, gleichbedeutend mit einem Betrag von 2100 Euro, ging die Heimerzieherin in Einspruch, sodass es zur Hauptverhandlung kam.
„Meine Mandantin ist so aufgeregt, dass sie hier gar nicht sprechen kann“, erklärte zunächst Rechtsanwalt Andreas Michl aus Oschatz. Der Frau, verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, wurde vorgeworfen, am 8. März vorigen Jahres gegen 16 Uhr in einer Parktasche der Parkstraße gegenüber der Collm Klinik Oschatz mit ihrem Hyundai beim Ausparken einen vor ihr stehenden Mini berührt und dabei beschädigt zu haben. Anschließend soll sich die Erzieherin laut Anklage unerlaubt vom Unfallort entfernt haben.

Rechtsanwalt Michl gab den Fehler seiner Mandantin zu. Er hegte jedoch Zweifel an der Werkstatt- Rechnung von 944 Euro. Die vorliegende Rechnung und Fotos des beschädigten Minis würden absolut nicht zu der mutmaßlichen Berührung in der Parktasche passen. Klar war, dass seine Mandantin mit ihrem Hyundai beim Ausparken das linke Heckteil des Minis beschädigte. Das sei auch vorn rechts an den Lackschäden des Hyundais der Angeklagten zu sehen. „Die Mitarbeiter der Werkstatt haben mehr repariert und lackiert als notwendig war“, war sich der Rechtsanwalt sicher. Die Haftpflichtversicherung der Angeklagten hat den Schaden bereits bezahlt.

Mit der hohen Geldstrafe (2100 Euro) wegen unerlaubter Entfernung vom Unfallort wollte sich Martina Z. jedoch nicht abfinden, sodass sie in Einspruch gegen den Strafbefehl ging. Die Angeklagte erinnerte sich genau an die Geschehnisse: Sie sei noch aufgeregt gewesen, als sie wieder in ihr Auto stieg, weil sie zuvor ihre Tochter in die Notaufnahme der Collm Klinik gebracht hatte. Im Pkw habe Martina Z. sofort das Radio eingeschaltet und gesehen, dass der vor ihr parkende Mini der Geschädigten relativ weit von der Bordsteinkante weg stand.

Als die Oschatzerin losfuhr, habe sie jedoch keine Berührung bemerkt. Nur, dass ihr eine auf der anderen Seite der Straße stehende unbeteiligte Zeugin mit einem Kind auf dem Arm in ihre Richtung gestikuliert hatte. „Ich habe es nicht so verstanden, dass diese Frau mich auf einen Unfall hinweisen wollte. Ich fasste ihr Zeichen so auf, dass es ganz schön knapp war mit dem Herausfahren aus der Parktasche. Bei einer Berührung hätte doch die Zeugin ganz anders reagiert“, erklärte der Anwalt für seine Mandantin. Deswegen sei Martina Z. ohne schlechtes Gewissen weggefahren, weil sie sich keiner Schuld bewusst war.

Erst bei ihrer Ankunft im Kindergarten, wo sie ihren Enkel abholen wollte, stellte sie Kratzer an der rechten Vorderseite ihres Hyundais fest und da erst sei ihr der Gedanke gekommen, dass es möglicherweise einen Kontakt gab. „Da war vielleicht doch eine Berührung“, habe sie sich überlegt und fuhr sofort zum vermeintlichen Unfallort zurück, wo die Polizei bereits die Frau mit dem Kind vernahm, die die Berührung gesehen hatte. „Das war höchstens ein halbe Stunde nach dem möglichen Zusammenstoß“, sagte der Rechtsanwalt. Der Polizei gegenüber räumte Martina Z. nach ihrer Rückkehr sofort ein: „Ja, das könnte ich gewesen sein.“ Sie gestand ihren Fehler auch vor Gericht, fügte aber an: „Ich habe nichts gehört und gesehen beim Ausparken. Mein Auto hat auch nicht gewackelt.

Ich hätte doch sofort die Polizei gerufen oder hätte in der Collm Klinik den Besitzer des Minis ausrufen lassen. Aber die Polizisten waren eben sehr schnell an der Unfallstelle.“ Das war ihr „Pech“. Normalerweise sind die Ordnungshüter nicht so schnell vor Ort. Den oder die Besitzerin des Minis bekam die Angeklagte nie zu Gesicht. Der Rechtsanwalt regte in seinem Plädoyer an, das Strafverfahren wegen Geringfügigkeit in Verbindung mit einer Auflage (Paragraph 153a, StPO) einzustellen.

„Meine Mandantin ist nicht vorbestraft, hat keine Punkte in Flensburg und kehrte nach der Berührung der Pkws, die sie erst später bemerkte, freiwillig an den Unfallort zurück“, begründete er seinen Antrag. Der Vorsitzende Richter und die Staatsanwältin erklärten sich damit ohne zu zögern einverstanden.

Der Richter fasste den Beschluss, das Strafverfahren gegen die Angeklagte mit der Zahlung einer Auflage in Höhe von 1000 Euro vorläufig einzustellen. In Übereinstimmung mit Martina Z. wird dieser Betrag von ihr bis 4. Januar 2018 an den Deutschen Kinderschutzbund, Ortsverband Oschatz, überwiesen. Mit diesem Beschluss gilt die Angeklagte weder als vorbestraft noch erhält sie Punkte in Flensburg. Die Angeklagte wirkte nach der Verhandlung dermaßen erleichtert, dass sie ihren Anwalt spontan umarmte.


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