Freitag, 19. Januar 2018

 
Donnerstag, 4. Januar 2018

TORGAU

Torgauer Kulturhaus am Scheideweg

Foto: TZ/Zahn

von unserer Redakteurin Gabi Zahn

Torgau. Die Fassade mutet noch einigermaßen passabel an, aber nur von vorn. Das Haus, dessen Kultur-Tradition mehr als 300 Jahre zurück reicht, ist stark sanierungsbedürftig und bedarf einer Erweiterung – oder es wird ein Neubau notwendig. Die Diskussion darüber ist nach dem Interview (TZ-Silvesterausgabe) mit Kulturhaus-Chefin Heidi Peterson neu entflammt.

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Das TZ-Interview mit Kulturhaus-Chefin Heidi Peterson, veröffentlicht in der Silvesterausgabe (S. 15), hat über den Jahreswechsel für zahlreiche Reaktionen gesorgt, vor allem in Hinsicht auf die Zukunft der Einrichtung. Heidi Peterson hatte moniert, dass ihr Team trotz geleisteter Zuarbeiten bisher von der der Stadtverwaltung nicht in den kulturpolitischen Planungskontext einbezogen wurde. Überlegungen, eine Mehrzweckhalle auf dem ehemaligen Gelände des Faber-Schlachthofes zu errichten, erteilt sie eine Abfuhr: „Angesichts von drei derartigen Einrichtungen im Umkreis von 20 Kilometern, brauchen wir nicht noch eine vierte derartige Halle, die dann ebenso wie die anderen kaum ausgelastet ist. Das Ambiente passende Ambiente ist wichtig.

Ein Akustiksaal mit Parkettboden und angrenzender Gastronomie muss sein, damit wir weiterhin hochwertige Konzerte und Bälle veranstalten können“, unterstreicht sie nochmals. „Ich hatte nach Veröffentlichung des Interviews unheimlich viele Reaktionen von Bürgern, die mich bekräftigt haben, an diesem Standpunkt festzuhalten“, sagte sie gestern.

Die TZ hat sich dazu unter den Torgauer Stadträten umgehört:
Konrad Theobald, CDU: „Tja, was ist die die dauerhaft bessere Lösung? Wir haben dazu noch keinerlei Beschlüsse gefasst.  Es gibt noch keine Vorlage dazu. Aber wir wissen, dass wir das Thema anpacken müssen, auch in Hinblick auf die Landesgartenschau 2022. Ich bin sicher, dass dann auch die Menschen, die beruflich damit zu tun haben, einbezogen werden in die Diskussion. Nach meiner Meinung wäre die Sanierung des Kulturhauses in der jetzigen Form mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.“

Dr. Frank Henjes, SPD: „Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass das Kulturhaus am jetzigen Standort bleiben soll, auch wenn bei einem Neubau oder einem Vergrößerungsbau der Denkmalschutz gewisse Forderungen hätte, beispielsweise die Fassade zu erhalten. Das Grundstück ist groß genug, um den Bau deutlich zu vergrößern, auch wenn im Schlachthofbereich räumlich noch mehr Platz wäre. Diese Variante würde ich persönlich nicht so günstig sehen. Es gibt da sicher andere Ansichten, aber es muss etwas in absehbarer Zeit passieren. Ich bin für neue Gedanken jederzeit offen. Nur: Wenn etwas Neues an anderer Stelle entsteht, dann haben wir das alte Gebäude immer noch.

Was machen wir damit? Im Moment sehe ich den Stadthaushalt nicht so stark, dass wir  uns große Sprünge erlauben könnten.  Wenn es tatsächlich so bleibt, dass die Umlagen vom Land erheblich reduziert werden, kriegen wir nur etwa ein Drittel des Geldes. Und das in Zeiten, wo alle davon reden, dass die Kommunen mehr unterstützt werden müssen! Ich werde in den nächsten Tagen das Gespräch mit Heidi Peterson suchen, um mich noch einmal zu informieren.“

Eberhard Sehrt, Linke: „Das Kulturhaus-Thema ist leider eine endlose Geschichte, die schon länger als zehn Jahre dauert. Wir sind bemüht um eine gute Lösung, aber es gibt große Schwierigkeiten zu lösen – von der Sanierung bis zum Neubau ist alles möglich, es kommt auf die Situation an. Wir brauchen eine machbare Variante, eine vernünftige Lösung.“

Edwin Bendrin, Grüne: „Ich bin schon 15 Jahre im Stadtrat. Als noch nicht so auf  Emission geachtet wurde und laute Musik niemanden gestört hat, wäre eine Erhaltung am jetzigen Standort möglich gewesen. Ich hätte das auch gern. Aber jetzt ist das Kreisi bautechnisch völlig veraltet. Eine Rekonstruktion oder ein Umbau würde garantiert teurer werden als ein Neubau, zumal tragende Teile herausgenommen werden müssten. Außerdem ist der Platz zu knapp bemessen. Wir haben das vor Jahren im Stadtrat durchdiskutiert. Und – siehe Jugendherberge – man weiß nie, was bei der Sanierung eines alten Gemäuers noch zusätzlich an Kosten hinzu kommt. Ich wäre tatsächlich für einen Neubau, in den jedoch alle positiven Gedanken und Erfahrungen aus ähnlichen Objekten mit einfließen sollten. Es darf jedoch nicht passieren, dass sich ein Schlauer ein Denkmal setzt, entgegen besserer Erfahrungen. Es darf auch nicht so sein, dass die einen gegen eine Variante agieren, weil anderen dafür sind.“

Dr. Ingo Baldauf, parteilos: „Das Kulturhaus ist ein weiteres Beispiel der derzeitigen Missstände. Wahlversprechen, wie eben die Sanierung des Kreisi oder auch Bürgernähe und Transparenz, fallen dann unter den Tisch, wenn es konkret wird.
Da wird lieber ein möglicher Standort für den Hotelneubau umgenutzt, anstatt die vorhandenen Kulturangebote förderunterstützt zu optimieren und zu nutzen.  Seit Jahren gibt es kein Kulturkonzept für Torgau. Die Leute vor Ort haben doch die nötige Kompetenz und das Engagement!

Dritte sollen Konzepte vorstellen, eigene Konzepte gibt es ganz offensichtlich nicht. Solange Interessen einzelner Privatleute im Rathaus wohl wichtiger sind als die der Allgemeinheit wird es immer wieder solch fragwürdige Entscheidungen geben. Leider!“ Axel Klobe, Freie Wählergemeinschaft: „Zu allererst möchte ich dem Team des Kulturhauses danke sagen für ihr Engagment. Sie leisten Großartiges. Ihnen haben wir trotz der veralteten Bedingungen einen großen Teil dessen zu verdanken, was die kulturelle Vielfalt ausmacht, die weit über Torgaus Grenzen hinaus Werbung für unsere Stadt ist.

Wir als Freie Wählergemeinschaft sehen es als überaus notwendig an, dass wir dieses Engagement mit einer adäquaten baulichen Hülle untersetzen, die den heutigen Anforderungen an Sicherheit und Lärmschutz Rechnng trägt, zugleich ein wirkliches Kulturhaus ist, und keine Mehrzweckhalle. Ich befürchte, dass ein Neubau am alten Standort nicht möglich ist. Doch der Alternativbau sollte auch ein wirkliches Kulturhaus werden. Das wird eine finanzielle Herausforderung an die Stadt, ich kann es mir noch nicht richtig vorstelen, wie wir das stemmen wollen. Das müssen künftige Beratungen gergeben. Da müssen die kompetenten Kulturarbeiter, die an der Basis tätig sind, unbedingt einbezogen werden.“


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