Freitag, 20. April 2018

 
Samstag, 6. Januar 2018

OSTELBIEN

Leipziger Kneiper-Ehepaar ein Glückstreffer für Triestewitz

Von Norbert Töpfer

Triestewitz. In Sachsen mussten in den vergangenen Jahren zahlreiche Landgasthöfe schließen, weil die Gäste ausblieben und auch in vielen Fällen keine Nachfolger für in Pension gehende Wirte gefunden wurden.

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In Triestewitz, 360-Einwohner-Ortsteil der Gemeinde Arzberg (1937 Einwohner), läuft die Gaststätte mit Kegelbahn dagegen bestens. Und das im dünn besiedelten Ostelbien. Zudem gibt es eine Besonderheit: Die Wirtsleute Eisenschmidt wohnen in Leipzig-Eutritzsch und betreiben die 70 Kilometer (!) von ihrem Wohnort entfernte Landgaststätte jeweils von Freitag bis Sonntag.

Ende der 90er Jahre wurde es vor allem für die Kegler kritisch, als die damaligen Betreiber plötzlich aufhörten und so schnell kein Nachfolger gefunden wurde. „Der Zufall half uns“, erinnert sich Erika Ullrich, stellvertretende Vorsitzende und Finanzchefin des KSV Triestewitz. „Wir haben mit mehreren Bewerbern gesprochen. Aber es passte bei keinem der Gastronomen. Auch weil wir für unsere Gaststätte einen Wirt mit Koch gesucht haben. Durch einen guten Bekannten meiner Tochter, die in Leipzig lebt, kam der Kontakt mit Eisenschmidts zustande. Ich bin mir sicher, dass wir als Verein damit einen Glücksgriff getätigt haben. Seit dieses Ehepaar unsere Gaststätte 2000 gepachtet hat, läuft das Lokal gut“, zieht die 77-Jährige positive Bilanz.

Erika Ullrich denkt dabei nicht nur an die 16 aktiven Kegler und die achtköpfige Frauensportgruppe des KSV Triestewitz. „Unsere Kegelbahn nutzen auch Leute, die bei uns aus verschiedensten Anlässen zu Gast sind. Es haben so viele Lokale in unserer Region geschlossen und hier können die Gäste sogar Familienfeste feiern, weil der Gastraum immerhin 40 Leuten Platz bietet. Und was ganz wichtig ist: Die Eisenschmidts bieten gutes Essen und Getränke zu fairen Preisen an. So etwas spricht sich schnell herum.“ Nach 17 Jahren ist Erika Ullrich noch immer froh über den Glückstreffer. „Das ist ein Gastwirt, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Er ist stets freundlich und bereit, alles für seine Gäste zu tun.“

Gaststättenchef Udo Eisenschmidt ist sichtbar gerührt, als er mit dem Lob der Erika Ullrich konfrontiert wird. „Ich kann das gute Verhältnis nur bestätigen. Wir als Großstädter werden hier inzwischen wie Einheimische behandelt“, sagt der 61-Jährige. Gattin Margit, Köchin von Beruf, nickt zustimmend. „Als wir 2000 das erste Mal hier waren, habe ich auf dem Rückweg in Graditz angehalten und zu meiner Frau gesagt: Das machen wir.“ erinnert sich Eisenschmidt. Und fügt eine weitere Episode an, die zeigt, wie stark die Bindung der Leipziger nicht nur zu den KSV-Keglern, sondern auch zu den Triestewitzer Einwohnern ist. „Als meine Frau schwer krank war, haben mich die Leute erst gefragt, wie es meiner Margit geht. Das war wichtiger, als guten Tag zu sagen.“

Ehefrau Margit drückt es anders aus: „Die Kegler und die Dorfbewohner sind für uns wie eine Ersatzfamilie. Wir haben es trotz der relativ großen Entfernung nie bereut, hier das Lokal zu betreiben.“ An den Öffnungstagen schlafen die Eisenschmidts in ihrem Dorflokal. „Wir haben oft Feiern, die bis nach Mitternacht gehen. Auch unsere Stammtischgäste sitzen gern mal länger. Da lohnt es sich nicht, danach noch nach Leipzig zu fahren, zumal wir ja am nächsten Tag ab 9 Uhr wieder hier sein müssen, um uns auf die Gäste vorzubereiten“, erklärt Udo, der als gelernter Gastronom bereits in DDR-Zeiten und seit der Wende durchgehend als selbstständiger Gaststättenbetreiber in dieser Branche tätig war.

Die ersten Jahre der Eisenschmidts in Ostelbien waren allerdings nicht ganz problemfrei. „Wir hatten zunächst einige Jahre sechs Tage geöffnet. Das hat sich nicht gerechnet, auch weil es noch eine zweite Gaststätte im Ort gab. Jetzt sind es zehn Jahre, in denen wir von Freitagabend bis einschließlich sonntags aufhaben. Das läuft insgesamt ordentlich“, erzählt Udo Eisenschmidt. Die Vierbahn-Kegelanlage, in Nordsachsen noch die einzige mit Asphaltbahnen, gehört zur Gaststätte. Sie ist räumlich abgetrennt von Gastraum. Aber hinter der Bahn stehen drei Tische mit zwölf Stühlen, sodass sich die Kegler dort ein Bierchen oder Essen zur Belohnung nach schwerer sportlicher Anstrengung gönnen können.

Allerdings reichen die Einnahmen für das Ehepaar dennoch nicht, um davon leben zu können. „Ich arbeite auch stundenweise in einer Zahnarztpraxis“, verrät Margit und ihr Udo ergänzt: „Ich wasche gelegentlich noch in einer Firma Autos.“ Dennoch treten die Eisenschmidts freitags stets frohen Mutes die Reise von der Weltstadt Leipzig ins ruhige Ostelbien an. „Weil es uns Spaß macht und wir uns hier inzwischen wie zu Hause fühlen“, verrät Margit Eisenschmidt.

„Unsere Gemeinde hat eine erfolgreiche Geschichte der Gastronomie. Deshalb ist es schade, dass nur noch drei Dorfgaststätten ihre Dienste anbieten. Jede von ihnen aber ist besonders – die Triestewitzer verbindet den Kegelsport mit Geselligkeit und guter, preiswerter Hausmannskost. Toll, dass sich Udo Eisenschmidt mit seinen Angeboten auch schon 17 Jahre beim Ostelbischen Bauernmarkt Pülswerda einbringt“, erklärt Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth.


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