Freitag, 20. Juli 2018

 
Samstag, 6. Januar 2018

MOCKREHNA

Puffer für den Hertzschlag

Tino Marx (o.) erläuterte vor Ortschaftsräten und Bürgern das Bauvorhaben.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Langenreichenbach. Geht mit der Baugenehmigung alles klar, wird die Großbatterieanlage auf dem Gelände des Langenreichenbacher Umspannwerks vermutlich schon in der zweiten Jahreshälfte ihren Probebetrieb aufnehmen.

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Das sagte Tino Marx von der Upside Invest GmbH & Co. KG aus Dülmen am Donnerstagabend vor etwa 20 Zuhörern im Heidelbachsaal.
Der Ortschaftsrat hatte zu der Informationsveranstaltung geladen. Dieser wollte sich mithilfe der Präsentation ein genaues Bild von dem auf nunmehr 5 Millionen Euro geschätzten Vorhaben machen.

Und ein sichtlich zufriedener Ortsvorsteher Detlef Bölke deutete am Ende an, dass das Votum das Ortschaftsrats wohl positiv ausfallen werde. Mit 16 Batterie-Containern plus zwei in Reserve will die Upside Group in Langen-
reichenbach zum Gelingen der Energiewende beitragen. Wie das geschafft werden soll, stellte Tino Marx in seinem etwa einstündigen Vortrag vor.

Demnach dienen die Batterien in einem ersten Schritt vorrangig als Puffer, um Frequenzspitzen im Stromnetz ausgleichen zu können. Dieses hat einen „Pulsschlag“ von 50 Hertz. Doch vor allem durch den steigenden Anteil regenerativer Energien, die gesetzliche Vorfahrt im Stromnetz genießen, werde es nach Ansicht von Marx immer schwerer, Ausschläge nach oben oder unten zu kompensieren. Zur Erläuterung zog Marx folgenden Vergleich: Waren im Zeitraum von 1998 bis 2002 noch 8 bis 13 korrigierende Eingriffe auf Grund von Schwankungen notwendig, liege die Anzahl heutzutage bereits bei 177 Eingriffen pro Tag.

Grob gesagt bedeutet dies, dass bei Problemen Reserveeinheiten hochgefahren werden müssen oder Strom vom Netz genommen werden muss, um mitunter nach Sekunden ins Gegenteil zu schwenken. Und hier liege nach Ansicht von Marx das Problem: Jene Reserve sind derzeit zumeist noch Kraftwerke, die Energie mit Hilfe von Turbinen erzeugen. So etwas jedoch sekundenscharf zu schalten, sei auf Grund riesiger rotierender Massen innerhalb der Turbinen unmöglich. Der Einsatz von Batterien kann hier für Abhilfe sorgen.

Noch Ende des vergangenen Jahres machte eine Meldung in der Medienlandschaft die Runde, wonach in Australien eine Mega-Batterie mit einer Leistung von 100 Megawatt der Firma Tesla in Berieb genommen wurde, die im Notfall bis zu 30 000 Haushalte über einen Zeitraum von 1 Stunde mit Strom versorgen kann. Wie Marx in Langenreichenbach nun erklärte, solle die hier geplante Batterie-Anlage mit einer Leistung von 10 MW dazu beitragen, Schieflagen im Stromnetz über einen Zeitraum von maximal 30 Minuten zu stabilisieren. Das gebe einer zweiten Verteidigungslinie genügend Zeit, auf Ausfälle zu reagieren.

Das Projekt in dem Mockrehnaer Ortsteil wäre das dritte der Unternehmensgruppe, nachdem vor drei Jahren bereits in Neuhardenberg und in Alt Daber zwei Anlagen in Betrieb genommen wurden. Für den Standort Langenreichenbach habe man sich gemeinsam mit der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH entschieden, weil dieser als systemkritisch eingestuft werde. Klingt bedenklich, impliziert aber auch, dass von hier aus sehr schnell auf Schwankungen reagiert werden kann.

Jeder der 16 Container beinhaltet 288 Batteriezellen, die bei einer Temperatur von 60 Grad Celsius automatisch vom Netz genommen werden, um sie vor Überhitzung zu schützen. Normalerweise würden jene Zellen bei maximal 35 Grad Celsius ihren Dienst verrichten. Die zur Anwendung kommenden Blei-Carbon-Zellen könnten im Brandfall sogar mit Wasser gelöscht werden, sofern diese stromlos geschaltet würden, sagte Marx auf eine Bürgeranfrage. Und aus aus den Besucherreihen gab es auch noch die Frage nach möglichen Gesundheitsgefahren auf Grund von Strahlung. Auch hier beruhigte Marx: So arbeite der Speicher bis maximal 1000 Volt. Das dabei entstehende elektrische Feld sei 100 Mal kleiner als jenes des Umspannwerks.

Der vom Bundesamt für Strahlenschutz festgelegte Grenzwert liege bei 1 Milli-Tesla, also 1000 Mikro-Tesla für 6 Stunden/Tag. Ein Umspannwerk komme auf ein elektromagnetisches Wechselfeld von maximal 95 Mikro-Tesla innerhalb der Anlage und etwa 37 Mikro-Tesla außerhalb der Anlage. Bereits bei 50 bis 100 Meter Abstand blieben davon 0,2 bis 0,3 Mikro-Tesla übrig. Im Vergleich dazu erzeuge ein Fön oder ein Staubsauer zum Teil Felder von mehreren Milli-Tesla.

„Bei dem Betrieb einer solchen Anlage gibt es außer unserem unternehmerischen Risiko keine weiteren Risiken“, sagte Marx. Sämtliche Batterie-Zellen seien gekapselt. Im Ernstfall könne so nichts austreten. Der Container selbst sei nach vorgegebenen Standards geschützt. Und auch die Entsorgung der Batterien werde vom Hersteller übernommen. Gesteuert werden soll die Anlage aus der Ferne. Hinsichtlich möglicher Gewerbesteuerzahlungen stellte Marx diese nach einem Abschreibungszeitraum von 8 Jahren in Aussicht.

Info

Der Batterie-Speicher läuft nach Angabe der Upside Group zu 99 Prozent mit lediglich 5 bis 10 Prozent Last. Eine höhere Leistung sei in den vergangenen 10 Jahren nicht erforderlich gewesen.


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