Samstag, 18. August 2018

 
Mittwoch, 10. Januar 2018

NORDSACHSEN

Was wünscht sich die Jugend?

Im August 2017 veranstaltete das Jugendteam erstmals das auch von der TZ-Mediengruppe unterstützte „Pipe Fest – Roll´n To!“ auf dem Torgauer Skaterplatz, das zahlreiche Jugendliche anlockte. Foto: TZ/Archiv

Elisa Perz

Torgau/Nordsachsen. „Wenn die Jugend in einer Region kaum eine Rolle spielt, wird die Region in Zukunft kaum eine Rolle spielen.“ Davon ist Christina Gaudlitz, die Vorstandsvorsitzende des Torgauer Jugendteams überzeugt. Doch was muss sich ändern, um Jugendliche auch zukünftig in der hiesigen Region zu halten?

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Mögliche Ideen dafür liefern die Ergebnisse der Studie „Jugend im Blick – Regionale Bewältigung demografischer Entwicklungen“ des Deutschen Jugendinstitutes (DIJ). Die im Auftrag von Iris Gleicke, der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, durchgeführte Studie ging der Frage auf den Grund, welche Faktoren neben Bildungsentscheidungen oder Arbeitsplätzen noch ausschlaggebend für den Zu- und Wegzug junger Menschen sind. Dies geschah mittels Expertenbefragungen und sowie durch Gruppendiskussionen mit Jugendlichen. Eine Zusammenfassung der daraus gewonnenen Erkenntnisse stellte Matthias Müller beim Demografie-Projekttag Nordsachsen im vergangenen November auf Schloss Hartenfels vor.

„Beschäftigungsperspektiven sind ein wichtiger Faktor, aber bei weitem nicht der einzige!“, erklärte der Landeskoordinator für Thüringen der Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement (TransMit). „Ebenso spielen die Mobilität, die digitale Erreichbarkeit, das politische Mitspracherecht und Angebote zur Freizeitgestaltung eine bedeutende Rolle.“

Vor allem letzteres ist ein entscheidender Aspekt, wie sich bei den Mitgliedern des Torgauer Jugendteams zeigt. „Aus meiner Sicht hat Torgau für junge Menschen in meinem Alter nicht viel zu bieten“, meint Jaqueline Lenz. Die 16-Jährige kommt ursprünglich aus München und ist daher an ein Großstadtleben gewöhnt. Doch auch die zwölfjährige Emely Gulde, die seit ihrer Geburt in der Elbestadt lebt, stimmt ihr in diesem Punkt zu: „Torgau hat nicht allzu viele Angebote für meine Altersgruppe. Es gibt eben zum Beispiel die Skaterbahn,  das KAP und das Jugendteam.“

Wie können aber nun neue Anreize für Jugendliche, besonders in ländlichen Regionen, geschaffen werden? Die Studie des DIJ zeigt hierfür Handlungsempfehlungen auf. Maßnahmen in puncto Freizeitgestaltung wären beispielsweise die Einrichtung von Hotspots in Schulbussen, um einen besseren Zugang zum mobilen Internet zu ermöglichen, oder den jungen Menschen bereits vorhandene Räumlichkeiten wie Schulen bereit zu stellen. An Ideen mangelt es den Jugendlichen nämlich nicht, nur an Plätzen, wo sie diese umsetzen können, wie die 15-jährige Elina Fiukowski erklärt: „Wir als Jugendliche könnten selber Dinge organisieren und wenn man in Torgau mehr Raummöglichkeiten zur Nutzung für die Organisation hätte, wäre das super!“

Außerdem wünscht sie sich mehr Discos und Partys für Jugendliche. „Meist finden nur Ü-30- Partys statt. Daher wären solche Veranstaltungen für Leute meiner Altersgruppe nicht schlecht“, argumentiert die Torgauerin. Ein anderer Vorschlag kommt von Jaqueline: „Ich fände es gut, wenn mehr Freizeitmöglichkeiten geschaffen werden. Mehr Läden wären toll, sodass die Menschen mehr raus gehen.“

Allerdings gibt es nicht nur bei den Angeboten zur Freizeitgestaltung Verbesserungsbedarf, sondern auch in Bezug auf Bildungsmöglichkeiten in der hiesigen Region. „Im Rahmen der Tätigkeiten als Vorsitzende des Jugendteams und durch den ständigen Austausch mit Kids und Jugendlichen stelle ich oft fest, dass ihnen trotz der jungen, modernen Kommunikationswege zu wenige Möglichkeiten aufgezeigt werden, sei es die Ausbildung oder auch das schwierige Thema Praktikumsplätze betreffend“, berichtet Christina Gaudlitz. Diese Ansicht teilt der 15-jährige Paul Elshamali vom Torgauer Jugendteam: „Es gibt kaum Auswahl an Praktikums- oder Ausbildungsplätzen. Wäre davon ein größeres Angebot vorhanden, würde ich auch nach der Schulzeit gerne hier bleiben.

Doch so werde ich eher in Richtung Leipzig ziehen, da es dort mehr Betriebe gibt und der tägliche Weg dorthin zu lang wäre.“ Das Jugendteam werde jedoch bald eine Liste mit allen Ausbildungsbetrieben erstellen. „Vielleicht ist da etwas für mich dabei.“ Den Gedanken an einen Umzug nach der Schule teilen ebenso Jaqueline und Elina. Doch beide können sich das Leben in einer größeren Stadt nicht für immer vorstellen. Während Jaqueline noch nicht weiß, wo genau sie später leben möchte, sondern nur, dass sie gerne zurück aufs Land ziehen würde, steht für Elina fest, nach dem geplanten Studium wieder nach Torgau zurückzukehren. Die zwölfjährige Emely möchte hingegen auch im Anschluss an die Schule in der Elbestadt bleiben: „Ich liebe diese Stadt einfach, auch wenn es manchmal etwas langweilig ist.

Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Meine Familie sowie meine Freunde wohnen hier und mithilfe des Jugendteams habe ich das Gefühl, dass junge Menschen auch etwas bewirken können.“ So langsam werde Rücksicht auf die Jugendlichen genommen und man nimmt sie ernster. Dies zeige sich aus Sicht der Torgauerin beispielsweise daran, dass gerade über die Gründung eines Jugendstadtrates gesprochen wird. „Auf diese Weise könnte der Jugend mehr Mitspracherecht zu Teil werden.“

Aber bereits das Jugendteam versucht, der jungen Generation Gehör zu verschaffen. „Zaubern kann niemand, aber jeder kann einen Teil dazu beitragen, um eine lebenswerte Region zu gestalten. Ideen einbringen ist schon mal ein Anfang. Wenn wir dann noch darauf schauen, welche Stärken jeder besitzt, können wir wirklich viel bewirken“, zeigt sich Christina Gaudlitz optimistisch.

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Auch in der Politik spielt die Jugend eine Rolle. So hatten Marian Wendt (CDU) und Detlev Spangenberg (AfD) innerhalb der TZ-Themenwoche „Jugend“ vor der Bundestagswahl Ideen geäußert, wie junge Menschen besser gefördert werden können. Marian Wendt legte den Fokus einerseits auf junge Familien: „Mit dem Baukindergeld will ich eine sinnvolle Unterstützung für junge Familien durchsetzen. Wer erstmals eine Immobilie kauft, soll zehn Jahre lang pro Kind und Jahr einen Zuschuss von 1200 Euro bekommen.“

Aber auch der Aspekt Mobilität war dem CDU-Politiker wichtig. So plante er, mit den Bundesländern über einen verbilligten Zugang für Schüler, Azubis und Studenten zum öffentlichen Nah- und Regionalverkehr zu sprechen.
Außerdem hatte er auch die Mehrfamilienhäuser im Blick, die jeweils 30 000 Euro vom Bund erhalten sollen.

Detlev Spangenberg konzentrierte sich besonders auf die Bildung junger Menschen: „An einer qualitativ hohen Schulausbildung kann und darf im Interesse der Jugend und des Staates nicht gerüttelt werden. Es muss vermittelt werden, dass Schule, Lehre oder Studium unabdingbar sind.“ Auf diese Weise und mithilfe von Praktika bereits während der Schulzeit können Jugendliche auf das Leben vorbereitet werden.

Doch das war seiner Ansicht nach nicht die einzige Maßnahme für die Vorbereitung der Jugend auf die Zukunft. So sollen sich Schulen an den wachsenden Trend der Digitalisierung anpassen: „Der Lehrstoff ist so zu gestalten, dass auch die heutige Wirklichkeit in den Lehranstalten vermittelt wird. Die Kombination aus Lernen, Sport und Freizeit muss mit Interesse an der Politik gekoppelt werden.“


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