Sonntag, 21. Januar 2018

 
Freitag, 12. Januar 2018

DOMMITZSCH

"Steine waren genug aus dem Weg zu räumen"

Helmut Jasniak vor dem Schloss mit Glockenturm.Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Mit 65 lässt man es normalerweise ruhiger angehen. Rente, Hobbys, Erholung, Urlaub. Nicht so Helmut Jasniak. Der Trossiner übernahm das Schloss und damit eine Lebensaufgabe.

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Trossin. Das ist jetzt 20 Jahre her. Heute ist Jasniak knapp 85. Und er hat seine Entscheidung nicht eine Sekunde bereut. Für ihn war es eine Herzensangelegenheit, das historische Gemäuer in seinem Heimatdorf vor dem Verfall zu retten. Natürlich wurde vieles komplizierter und aufwendiger als erwartet. Der Leerstand im Schloss hatte Spuren hinterlassen. Alle Dächer mussten saniert werden, die Zimmer, die Heizung. „Nach zwei Jahren wuchsen noch immer Pilze in den Fußböden“, so der Unternehmer, der durch die Produktion von Mittelwänden und Imkereibedarf bekannt wurde. Wie viel Geld er aufbringen musste, kann Jasniak gar nicht mehr sagen. Unsummen! Dafür sei der Zustand des Trossiner Wahrzeichens heute passabel. Es gelang sogar, den Glockenturm zu erhalten. Was fehlt, ist eine rentable Nutzung.

Das Schloss wird seit längerer Zeit als Pension mit 50 Betten ausgewiesen. „Aber wir liegen zu weit abseits“, nennt der Trossiner Gründe für die spärliche Auslastung. Um finanziell überleben zu können, entschied sich der Rentner mitten in der Flüchtlingskrise im März 2016 für die Unterbringung von „umA“ – unbegleitete minderjährige Ausländer. Ein Entschluss, den er rückblickend doch gemischt sieht. 22 Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 18 wurden im Bürohaus, nicht im Schloss, untergebracht. Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Bangladesch. Am 4. August 2017 packten die letzten die Taschen, der Vertrag mit dem Landratsamt lief aus. „Trotz meines hohen Alters habe ich auch in den letzten eineinhalb Jahren noch viel gelernt, vor allem im Umgang mit Menschen. Es gab eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden insbesondere mit Sozialdezernentin Heike Schmidt. Ich habe mein bestes gegeben mit dem Wunsch, den Kindern zu helfen. Sie waren darüber sehr dankbar“, versucht Jasniak alles genau und fair einzuordnen und die richtigen Worte zu wählen. Aber da gab es eben auch die andere Seite. Vor allem wenn die Jugendlichen ihren Willen nicht bekamen. Dann wurde randaliert, wurden Wände und Möbel zerschlagen. Nach eineinhalb Jahren Nutzung ist die Unterkunft grundlegend reparaturbedürftig und in dieser Form nicht mehr als Pension anzubieten.

Fußböden, Türen, Fenster, Scheiben, Gardinen. „Alles Schrott“, formuliert Jasniak erst, um sich dann schnell zu korrigieren. „Sagen wir mal: zum Teil kaputt oder abgewohnt. Vieles haben die Betreuer versucht zu reparieren und sie gaben sich mit dem Saubermachen Mühe.“ Der Trossiner würde es sich jedoch beim nächsten Mal reichlich überlegen, gibt er sich zurückhaltend. „Sogar Gipskartonwände und massive Möbel wurden kaputt geschlagen. Kondome verstopften das Abwassersystem. Aber das hätte mit deutschen Jugendlichen auch passieren können. Ich habe mit ein/zwei Kindern gesprochen, die selber im Krieg kämpfen mussten, die Narben auf der Seele zurück behielten. Hier hat sich bestätigt, dass meine Hilfe, die ich angeboten hab, nicht umsonst war“, zeigt sich Helmut Jasniak gefühlsmäßig hin und her gerissen. Dem JES-Verein oblag die Betreuung, zwei Erzieher waren immer vor Ort, gearbeitet wurde im 4-Schicht-System, elf Zimmer standen zur Verfügung.


Wie es mit dem Schloss selbst weitergeht, da wirkt der Besitzer unentschlossen. „Wir haben noch nicht das Richtige gefunden“, überlegt er. Kinderheim? Kirchliche Einrichtung? Warum nicht. Aus dem Grundstück, 52 000 Quadratmeter groß, ließe sich etwas machen. Sogar das Abwasserproblem ist nunmehr geklärt. Im Rahmen der Flüchtlings-Unterbringung wurde eine biologische Kleinkläranlage neu errichtet, die jedoch aktuell nach Abzug der „umA´s“ nur halb ausgelastet ist. Der Anschluss an ein öffentliches Abwassernetz, wie vom Dommitzscher AZV lange gefordert (und die Beitragsberechnung je Grundstücksfläche) hätte für Jasniak die sichere Pleite bedeutet.  Die alte Klärgrube brachte dem Schlossherrn aber gerade einen Rüffel der Umweltbehörde und des Ordnungsamtes ein, weil sie nicht ordnungsgemäß verfüllt ist. Dorfbewohner hatten die Gefahr gemeldet.

„Ich bin der Bevölkerung dankbar, dass sie sich Gedanken um die Sicherheit macht. Derjenige hätte sich auch direkt mit mir in Verbindung setzen können“, so der Rentner ein bisschen enttäuscht. Er hat inzwischen ein Absperrband ziehen lassen und bemüht sich, die Baumaßnahme bald abzuschließen. „Steine waren genug aus dem Weg zu räumen“, meint der Schlossherr sinnbildlich mit Blick auf die letzten 20 Jahre. Vielleicht war es aber auch gerade diese Arbeit und diese Lebensaufgabe, die den 84-Jährigen – der 2016 den Tod seiner Frau verkraften musste – hat so vital und fit bleiben lassen.


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