Samstag, 18. August 2018

 
Dienstag, 16. Januar 2018

NORDSACHSEN

Smartphone in der Schule - Problem oder Hilfestellung?

SymbolfotoFoto: TZ/Manthey

Elisa Perz

Smartphones halten immer mehr Einzug in den Alltag von Schülern. Doch wie ist die Handynutzung in den Schulen der hiesigen Region geregelt und was halten Jugendliche sowie Schulleiter von einem generellen Handyverbot?

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Nordsachsen. Smartphones sind aus dem Alltag von Schülern nicht mehr wegzudenken. Sei es, um ein Foto bei Instagram hochzuladen, der besten Freundin per Whatsapp zu schreiben oder um sich mit dem Kumpel bei den neuesten angesagten Spielen zu messen – das Handy ist fast immer im Einsatz. Doch sobald der Unterricht beginnt, heißt es: Smartphone ausschalten und auf den Lehrer konzentrieren! Allerdings ist es damit in manchen Schulen nicht getan. In einigen Einrichtungen müssen auch die Pausen „handyfrei“ bleiben. Doch ist solch ein generelles Handyverbot sinnvoll? Die TZ hörte sich in Schulen der Region um.

„Man muss mit der Zeit gehen und darf sich der medialen Entwicklung nicht verschließen“, ist sich Peter Nowack sicher. Der Schulleiter des Johann-Walter-Gymnasiums (JWG) erachtet ein absolutes Handyverbot daher als wenig sinnvoll. „Es gibt immer positive und negative Aspekte. Natürlich können Smartphones einerseits dazu genutzt werden, um unerlaubte Fotos oder Videos ins Netz zu stellen. Trotzdem können sie andererseits im Unterricht, zum Beispiel bei der Recherche oder der Datensicherung, hilfreich sein.“

Dem stetig wachsenden medialen Trend möchte sich der Rektor nicht in den Weg stellen. Am JWG ist das Chatten, Surfen und Zocken in den Pausen deshalb erlaubt. Außerdem plant Peter Nowack, ein offenes WLAN-Netzwerk am JWG einzurichten. Doch auch dann gilt weiterhin: Während des Unterrichts gehören alle persönlichen elektronischen Geräte im ausgeschalteten Zustand in die Schultasche.
Doch sein Traum sei es, dass jedem Schüler eines Tages ein Tablet, bespielt mit einem elektronischen Wörterbuch, einem Taschenrechner oder ebenfalls mit der Pflichtlektüre jedes Jahrgangs, zur Verfügung steht. Dieses Tablet wird man zusammenrollen und platzsparend in einer kleinen Schultasche transportieren können. Somit wären Smartphones in der Schule nicht mehr notwendig. „Ich bin mir sicher, dass es solch eine Entwicklung – in welcher Form auch immer, ob als Tablet oder Smartphone – einmal geben wird.“

Auch Joelina Zass, Schülerin am JWG, spricht sich gegen ein absolutes Handyverbot aus und ist froh, dass sie ihr Smartphone außerhalb der Unterrichtszeit nutzen kann: „Es ist in unserer Klasse nicht so, dass wir in der Pause jede Minute mit dem Handy verbringen. Wir unterhalten uns eher. Aber ich finde es praktisch, beispielsweise mal schnell im Gruppenchat besprechen zu können, was ich mit Freunden, die ich in der Schule nicht sehe, am Nachmittag unternehmen möchte.“
Außerdem sieht die Zehntklässlerin auch einen Vorteil in der Einbeziehung des Smartphones in den Unterricht. „Gerade bei Gruppenarbeiten kommen wir schneller voran, wenn wir unsere Handys zur Recherche verwenden dürfen oder im Fremdsprachenunterricht lässt sich die Vokabelübersetzung mithilfe des Smartphones um einiges vereinfachen“, erklärt die Gymnasiastin. Einige Lehrer erkennen diese Vorteile bereits und integrieren die Handynutzung bei geeigneten Aufgaben in den Unterricht.

Trotzdem müssen die Schüler nach wie vor mit Strafen rechnen, wenn sie unerlaubt mit einem elektronischen Gerät erwischt werden. Doch aus Joelinas Sicht sind diese Strafen nicht mehr so streng gehalten: „Ich habe das Gefühl, dass der Umgang mit Smartphones mittlerweile mehr toleriert wird, als noch vor ein paar Jahren. Zwar wurde in diesem Schuljahr eine neue Regelung eingeführt, dass wir in manchen Fächern die Handys vor Leistungskontrollen abgeben müssen, aber wenn zum Beispiel im Unterricht einmal das Handy einer Person klingelt, verlangen die Lehrer als Strafe teilweise einfach einen Kuchen für die nächste Stunde.“

Anders sieht es hingegen an der Oberschule in Mockrehna aus. „Eine bessere Entscheidung, als das Handyverbot ebenfalls auf die Pausen auszuweiten, hätten wir nicht treffen können“, zeigt sich Schulleiterin Rosemarie Krieglsteiner froh. Seit dem Schuljahr 2015/2016 wird diese Regelung an der Oberschule umgesetzt. „Es ergaben sich im Vorfeld durch die erlaubte Handynutzung in den Pausen einige Probleme. So wurden Kinder ungewollt gefilmt. Außerdem wurden schulinterne Dokumente abfotografiert und nach außen getragen. Generell haben sich die Schüler kaum noch unterhalten und sogleich zu Beginn der Pause ihre Smartphones aus der Tasche geholt“, berichtet die Rektorin.

Letztendlich gab es Beschwerden – nicht nur seitens der Eltern, sondern sogar von Schülern selbst. Seit der Durchsetzung des generellen Handyverbotes habe sich die Situation aber wieder verbessert. „Die Schüler reden wieder viel mehr miteinander und sagen selber, dass sie sich wohler fühlen. Schließlich ist die Pause auch zur Erholung gedacht. Die Augen sollen sich entspannen können anstatt angestrengt auf einen kleinen Bildschirm zu starren.“
Bei Bedarf werde das Handy dennoch in den Unterricht integriert. In diesem Fall bekommen die Schüler von den Lehrern die Erlaubnis, ihr Smartphone aus dem Schließfach oder dem Ranzen zu nehmen.

Die gleiche Regelung zur Handynutzung gilt seit 2015 an der Torgauer Oberschule Nordwest. Die beiden Brüder Philipp und Anton Nesterov waren bereits vor der Einführung des generellen Handyverbotes an der Schule. „Alle haben damals gleich zum Pausenbeginn das Smartphone aus der Tasche geholt und Clash of Clans gespielt, ohne sich richtig miteinander zu unterhalten“, berichtet Anton, der momentan die neunte Klasse besucht. Sein Bruder fügt hinzu: „Außerdem wurden häufig Fotos und Videos während des Unterrichts aufgenommen. Das geschieht heute nicht mehr, sodass es einem leichter fällt, sich auf den Unterricht zu konzentrieren.“

Beide haben keine Probleme, während des gesamten Schultages auf ihr Handy zu verzichten. Mittlerweile lassen sie es sogar zu Hause. „Es gibt zwar immer wieder Momente, in denen man kurz auf sein Smartphone schauen würde. Aber das kommt nur noch selten vor.“
Durch das Verbot ergeben sich jedoch auch Nachteile, wie Philipp erklärt: „Wir können unsere Eltern beispielsweise nicht einfach schnell mit dem Handy anrufen, wenn eine Stunde ausfällt, sondern müssen immer das Telefon im Sekretariat nutzen.“ Dennoch sehen beide die heutige Situation mit dem generellen Handyverbot als entspannter an.

So ist die Handynutzung an den Schulen in der Region geregelt:

Johann-Walter-Gymnasium, Torgau: Handynutzung in Pausen erlaubt, aber im Unterricht (außer bei Erlaubnis des Lehrers) untersagt. Teilweise Handyabgabe vor Leistungskontrollen.

Katharina-von-Bora-Oberschule, Torgau: Handynutzung in Pausen erlaubt, aber im Unterricht (außer bei Erlaubnis des Lehrers) untersagt. Fotos und Videos sind generell verboten.

Oberschule Nordwest, Torgau: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht (außer bei Erlaubnis des Lehrers) untersagt.
Oberschule Beilrode: Handynutzung sowohl in kleinen Pausen als auch im Unterricht (außer bei Erlaubnis des Lehrers) untersagt, aber in großen Pausen erlaubt.

Oberschule Mockrehna: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht (außer bei Erlaubnis des Lehrers) untersagt.

Berufsschulzentrum Torgau: Handynutzung in Pausen erlaubt, aber im Unterricht (außer bei Erlaubnis des Lehrers) untersagt.

Pro Montessori – Freie Grund- und Mittelschule: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht untersagt.

Grundschule am Rodelberg, Torgau: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht untersagt.

Grundschule Nordwest, Torgau: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht untersagt.

Grundschule Weßnig: Schüler dürfen Handys nicht mit in die Schule bringen.

Grundschule Weidenhain: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht untersagt.  

Grundschule Belgern: Bisher keine feste Regelung notwendig. Falls Probleme auftreten, wird Handynutzung sowohl im Unterricht als auch in Pausen untersagt.

Grundschule Dommitzsch: Handynutzung sowohl in Pausen als auch im Unterricht untersagt.

 


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