Donnerstag, 17. Januar 2019

 
Dienstag, 30. Januar 2018

NORDSACHSEN

"Esel- und Ziegentöter" steht vor Gericht

Von Peter Müller

Solch ein Fall wurde mit Sicherheit noch nie vor dem Amtsgericht Torgau verhandelt. Fritz C. (Name von der Redaktion geändert) musste sich wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

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Torgau. Der Mann aus einem Ortsteil Mügelns soll am 15. Dezember 2015 mit einem Bolzenschussgerät einen Esel und eine Ziege zunächst betäubt, dann getötet, anschließend beide Tiere zerlegt und dann auf der Deponie entsorgt haben. Die Tötung der Tiere gilt nach Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes („Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund“) als Straftat. Dass der gelernte Koch Esel- und Ziege nach ihrer Tötung nicht in der Tierkörperbeseitigung abgegeben hat, kann als Ordnungswidrigkeit gewertet werden.

Erst im Amtsgericht Torgau gestand der 58-Jährige ein, dass er die Tiere nicht selbst getötet hatte. „Ich übernehme für diese Tötung die volle Verantwortung. Ich besitze aber nicht die notwendige Qualifikation für das Bedienen des Bolzenschussgerätes. Deswegen hatte ich einen Fleischer organisiert, der das fachgerecht erledigte. Und ich zerlegte auch die Tiere nicht, obgleich ich dazu in der Lage gewesen wäre, weil ich vor vielen Jahren auch selbst Hausschlachtungen erledigte.“ Den Namen dieses Fachmanns wollte der nicht vorbestrafte Angeklagte vor Gericht aber nicht nennen. Fritz C. hatte mit seiner Schlachtung und Entsorgung dem Besitzer der Tiere, ein guter Bekannter von ihm, einen Gefallen getan. Dieser Mann hatte einst Esel und Ziege für dessen Kinder als Streicheltiere angeschafft. Doch inzwischen sind seine Nachkommen groß. Und Esel und Ziege hätten sich zuletzt aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters zunehmend störrisch verhalten, erklärte der Angeklagte den Juristen.  „Das Problem wäre auch gewesen, dass sie in ein Tierheim gekommen wären, wenn der Besitzer sie abgegeben hätte. Dort hätte passieren können, dass die Tiere getrennt werden. Da sie stets zusammengewesen sind, wäre das eine Quälerei geworden für das tierische Duo“, erklärte der Angeklagte den Juristen.

Die Tiere seien nach der Schlachtung von mehreren Personen aus seinem Umfeld und dem des Besitzers fachgerecht zerlegt worden, erklärte der Angeklagte. „Das Fleisch der Tiere konnten wir nicht mehr verwenden. Das wäre unzumutbar gewesen für die Käufer, denn Esel und Ziege hatten schon ein fortgeschrittenes Alter erreicht“, sagte Fritz C. Er transportierte Felle, Gedärme und Köpfe der Kadaver auf die Deponie. Der Angeklagte erklärte zudem, dass er auch die zerlegten Fleischteile dort abgeladen hat. Die Köpfe, Gedärme und Felle fand ein Nordsachse zwei Tage später. Er wandte sich an ein Anzeigenblatt und meldete seinen heftigen Fund, damit der „Sünder“ möglicherweise durch Zeugen gefunden wird. Was letztlich auch gelang.

Die Tierreste wurden nach ihrer Entdeckung auf der Deponie nach dem Gesetz über die Beseitigung von Tierkörpern, Tierkörperteilen und tierischen Erzeugnissen in einer Anlage des Zweckverbandes für Tierkörperbeseitigung fachgerecht entsorgt. Das waren 145 Kilogramm „Schlachtabfall“. Die Kosten in Höhe von 36,50 Euro übernahm zunächst die Stadt Mügeln. Das Geld wird die Stadtverwaltung sicher vom Angeklagten einfordern.

Der Angeklagte Fritz C. hat gegen das sogenannte Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz verstoßen, was als Ordnungswidrigkeit bewertet werden kann. Zudem stand auch eine Straftat im Raum. Und zwar der Verstoß gegen Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes („Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund“).
Der Richter regte nach der Beweisaufnahme jedoch die Anwendung von Paragraph 153 a der Strafprozessordnung an. Der beinhaltet die Möglichkeit der vorläufigen Einstellung des Strafverfahrens wegen Geringfügigkeit, verbunden mit einer Geldauflage für den Angeklagten. Damit müssen neben dem Richter auch der Staatsanwalt und der Angeklagte einverstanden sein. Das war sofort der Fall. Aufgrund des Netto-Einkommens des Angeklagten von 1000 Euro wurde eine Auflage in Höhe von 400 Euro festgelegt, die Fritz C. bis zum 7. Januar 2018 an den Sozialverband Sachsen, Ortsverband Oschatz zahlen musste. Nach Begleichen dieser Auflage wird das Verfahren ohne Folgen für den Angeklagten endgültig eingestellt. Auch das Ordnungswidrigkeitsverfahren ist für den Angeklagten damit erledigt.


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