Donnerstag, 22. Februar 2018

 
Dienstag, 30. Januar 2018

NORDSACHSEN

"Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend!"

Elisa Perz

Beim Landkreis-Ranking von Focus Money liegt Nordsachsen nach wie vor relativ weit hinten. Was muss sich ändern, um die Wirtschaftskraft weiter anzukurbeln?

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Nordsachsen. Um 21 Plätze hat sich Nordsachsen beim Landkreis-Ranking 2018 des Magazins Focus Money nach vorne gekämpft. Bei dem Test wurde die Wirtschaftskraft der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland verglichen. Statt des 364. Rangs vom Vorjahr belegte der Landkreis Platz 343 von insgesamt 381 (TZ berichtete).

Somit landete Nordsachsen bei der 15. Auflage des Rankings vor dem benachbarten Elbe-Elster-Kreis (Brandenburg) auf Platz 365, dem Landkreis Wittenberg auf Platz 347, dem Erzgebirgskreis auf Platz 366, dem Landkreis Mittelsachsen mit Platz 375 und dem Landkreis Altenburg (Thüringen) auf Platz 378. Die kreisfreie Stadt Leipzig lag hingegen weiter vorn auf Rang 156.

Baden-Württemberg holt sich den Sieg

Unter den Top Zehn der erfolgreichsten Regionen finden sich vor allem Landkreise und Städte aus Bayern und Baden-Württemberg. Letzteres Bundesland mischte bei dem Ranking zwar immer an der Spitze mit und in keinem anderen Bundesland ist die Wirtschaftskraft der Landkreise sowie der kreisfreien Städte im Durchschnitt so hoch, doch den ersten Platz konnte sich bis 2017 trotzdem kein baden-württembergischer Landkreis sichern. Das hat sich in diesem Jahr geändert: Gewonnen hat der Landkreis Böblingen in der Nähe von Stuttgart. Auf dem zweiten und dritten Rang folgen zwei bayerische Konkurrenten: die kreisfreie Stadt Ingolstadt und der Vorjahressieger Landkreis Ebersberg.

Was muss sich hier ändern?

TZ fragt nun: Was kann beziehungsweise muss unternommen werden, um die Wirtschaftskraft in der Region zu erhöhen und den Aufwärtstrend des Landkreis-Rankings weiter zu stärken?

Susanna Karawanskij

Susanna Karawanskij (Kreisvorsitzende Die Linke):
„Betrachtet man die Ergebnisse des Landkreis-Rankings der letzten Jahre, sieht man, dass Nordsachsen immer ein paar Plätze nach vorne gerückt ist. Den Sprung von 2017 zu 2018 sehe ich in der konjunkturellen Lage begründet. Die Menschen sind fleißig und wollen arbeiten. Das spiegelt sich in der Entwicklung wider. Außerdem profitiert Nordsachsen sicherlich auch von der Nähe zu Leipzig sowie den guten Verkehrsanbindungen.

Doch das reicht nicht aus, um die strukturellen Nachteile der Region zu kompensieren. Der Landkreis ist sehr ländlich geprägt, bietet teilweise bezogen auf die Arbeitsplätze wenig Zukunftsperspektiven. Es gibt zwar einzelne Landstriche, auf denen Gewerbe betrieben wird, doch die  dortige Arbeit wird durch eine hohe Gewerbesteuer erschwert. Man sollte die Gewerbesteuer zu einer Kommunalsteuer weiterentwickeln, sodass die Gemeinden auch mit einer festen Summe planen können.

Außerdem finde ich einen solidarischen Ausgleich wichtig, sodass auch strukturell benachteiligte Gebiete gefördert werden können. Das wurde früher durch den Länderfinanzausgleich geregelt. Heute sehe ich eine mögliche Lösung in der Weiterentwicklung des Solidarpaktes III.“

Marian Wendt

Marian Wendt (Kreisvorsitzender CDU):

„Erst einmal finde ich es wichtig, daraufhin zu weisen, dass sich Nordsachsen im Vergleich zu 2017 um 21 Plätze verbessert hat. Das zeigt, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen im Landkreis wirken. Trotzdem ist das Ergebnis auch ein Ansporn, besonders in den Bereichen Infrastruktur, Straße und Breitbandausbau noch mehr zu unternehmen. Wenn uns das gelingt, sehe ich gute Chancen, die Wirtschaftskraft weiter zu erhöhen.“ 

 

 

 

Detlev Spangenberg

Detlev Spangenberg (AfD-Bundestagsabgeordneter):

„Ich würde die Platzierung Nordsachsens durchaus positiv bewerten. Trotz der starken ländlichen Prägung und der Probleme mit der Infrastruktur des Landkreises ist eine Verbesserung von 21 Plätzen eingetreten. Das ist erstaunlich.

Ich denke, das könnte daran liegen, dass die Attraktivität des ländlichen Raumes mittlerweile gestiegen ist und sich auch die Bedingungen für Berufsausbildungen gebessert haben. Ich hatte schon seit langer Zeit angeregt, dass auch Unternehmen Anreize für ihre Auszubildenden schaffen müssen. Diese Bemühungen haben anscheinend erste Früchte getragen.

Doch das ist nur ein erster Schritt. Um Nordsachsen weiter nach vorne zu bringen bedarf es einer Überarbeitung der Förderrichtlinie, sodass auch auf die einzelnen Bedingungen der Landkreise mehr Rücksicht genommen wird und auch Nordsachsen mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.“

Kai Emanuel

Kai Emanuel (Landrat/parteilos):

„Es freut mich natürlich, dass Nordsachsen eine bessere Platzierung erreicht hat. Trotzdem können wir uns auf dem Ergebnis nicht ausruhen, sondern müssen verstärkt Anstrengungen in den Bereichen Breitbandversorgung und Verkehrsanbindung unternehmen. Allerdings sind solche Rankings meiner Meinung nach immer subjektiv zu bewerten und spiegeln nicht immer die Realität wider.“ 

 

 

 

 

Stefan Schieritz

Stefan Schieritz (Kreisvorsitzender FDP):

„Trotz der Rangverbesserung ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Die Schwächen und Probleme von Nordsachsen liegen deutlich auf der Hand: Verkehrsinfrastruktur, Breitbandausbau und Landflucht.

Generell muss es unser Anspruch sein, durch kluge Investitionen die Attraktivität des Landkreises Nordsachsen für seine Bewohner und Unternehmen zu erhören. Unser einheimischer Mittelstand und unser Handwerk müssen die Chance erhalten, schneller aus eigener Kraft zu wachsen. Dafür brauchen wir eine bessere verkehrliche Erreichbarkeit, vor allem auf der Straße und per ÖPNV, flächendeckendes schnelles Internet und die Beseitigung von Funklöchern, serviceorientiertes Verwaltungshandeln, Erhalt und Modernisierung von Schulstandorten sowie niedrigere Gebühren und Kommunalsteuern. Es kommt jetzt darauf an, für Nordsachsen Entwicklungsperspektiven zu formulieren und die nötigen Investitionen in die Infrastruktur auf den Weg zu bringen.

Ich sehe seit einiger Zeit Anstrengungen im Bereich des Ausbaus der Internetversorgung. Die langwierigen Planungsstrukturen schaden dort erheblich. Gerade der Ausbau der Breitbandversorgung ist für die Bürger, aber auch für Mittelstand und Handwerk im ländlichen Raum von großer Bedeutung. Es ist schon jetzt erkennbar, dass der jetzt beschlossene Ausbau nicht dem absehbaren Bedarf und Datenvolumen entspricht und in zehn Jahren veraltet sein wird.

Die gemeinsame Torgauer Erklärung von Landräten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg kann ein wichtiger Schritt sein, um gemeinsame Probleme und Interessen anzugehen. Man sollte aber aufpassen, dass nicht wieder Tunnelblicke entstehen und auch Gemeinden mit ihren Bürgervertretern mit einbezogen werden.

Markus Krausewitz

Markus Krausewitz (Geschäftsführer Vandemoortele, Dommitzsch):

„Die bessere Platzierung Nordsachsens mag auf den schnellen Blick positiv stimmen. Doch der Landkreis zählt weiterhin zu den abgeschlagenen zehn Prozent und ich kann diesen „Vorwärtssprung“ in der tatsächlichen Entwicklung nur schwer erkennen.

Wir profitieren weiterhin von Leuchtturmprojekten, welche wiederum einen Nutzen aus der Metropolentwicklung um Leipzig ziehen. Sowohl Bevölkerungswachstum und Industriedichte als auch Expansionsentwicklungen schneiden unterdurchschnittlich ab, daran gilt es unerlässlich zu arbeiten. Den strategischen Fokus hierzu auf Neuansiedlungen potentieller Unternehmen zu setzen, ist womöglich nicht das effizienteste Werkzeug. Eine strukturelle und zielgerichtete Förderung der Bestandsunternehmungen, Netzwerkarbeit und Begleitung derer auf lokaler und kommunaler Ebene würde wirtschaftlich zukünftige Basisstabilität mit sich bringen, auf welcher weiterführende Expansionen folgen würden.

Außerdem wachsen die Metropolregionen auf Kosten des ländlichen Raumes und lassen gerade für Nordsachsen Industrie schwierig werden. Sowohl Infrastruktur als auch Mut, mit und in dem ländlichen Raum zu arbeiten, fehlen und beschränken sich zunehmend. Der stetige Blick und Ausrichtungsgedanke der Förderung auf bereits entwickelte Gebiete bringt keine nachhaltige Entwicklung mit sich. 

Um entsprechend weitere positive Entwicklung zu sehen, sollten wir zukünftig mit dem hiesigen Bestand an wirtschaftlicher und industrieller Kraft Potentiale heben, den ländlichen Raum aufleben statt fallen lassen und die Folgegeneration neben der Metropole, statt für die Metropole entwickeln.

Eckhard Knöchelmann

Eckhard Knöchelmann (Geschäftsführer Torgauer Maschinenbau GmbH):

„Um eine Region erfolgreich zu gestalten, braucht man möglichst viele, über Jahre gewachsene und erfolgreiche Unternehmen sowie Unternehmer mit Ideen und Kapital. Schon aus historischen Gründen verfügt unsere hiesige Region dabei nicht über ausreichend Potential.

Ohne Geld geht nichts. Doch für einen ausreichenden Vermögensaufbau war die Zeit hier einfach zu kurz. Vielleicht kann man mit verbesserten Rahmenbedingungen für Investitionen, wie zum Beispiel mit Fördermitteln und Steuervorteilen, noch etwas erreichen. So etwas muss aber unbürokratisch und signifikant sein. Da reichen keine einstelligen Prozentzahlen.
Außerdem wirkt sich auch die mangelnde Infrastruktur generell, insbesondere im Raum Torgau, nicht wirtschaftsfördernd aus. Die Erreichbarkeit über Straßen und das Internet genügen nicht den Anforderungen. Es fehlt an angemessenen Verkehrsanbindungen und einer leistungsfähigen Infrastruktur.

Ein sehr wesentlicher Faktor sind die qualifizierten Arbeitskräfte. Diese zu finden, wird immer schwieriger. Wir brauchen daher vielseitige Angebote außerhalb der Arbeitswelt für junge Menschen und Familien mit Kindern, die in der Region bleiben oder zu uns kommen wollen.

Eines darf man aber nicht vergessen, dass unsere Region ein ländlich geprägter Raum ist. Wir werden nicht mit den etablierten High-Tech- und Boom-Regionen konkurrieren können. Trotzdem finde ich, dass unser Landkreis bei diesem Ranking etwas zu schlecht weggekommen ist. Ein paar Punkte mehr sollten möglich sein.“

 

So funktioniert der Focus-Money-Test:

Bei der Bewertung der Wirtschaftskraft spielten folgende Kriterien eine Rolle:

  • Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt, bezogen auf alle Erwerbspersonen
  • Wachstum des Bruttoinlandprodukts in jeweiligen Preisen zum Vorjahr
  • Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen je Erwerbstätigen
  • Verfügbares Einkommen privater Haushalte je Einwohner
  • Veränderung der Erwerbstätigenzahl zum Vorjahr
  • Investitionen im verarbeitenden Gewerbe je Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe
  • Veränderung der Bevölkerungszahl zum Vorjahr.  

    Für jedes Kriterium gab es zudem drei Kennziffern, mit deren Hilfe die Punkte für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt ermittelt wurden. Die Daten für die jeweiligen Kennziffern stammten von den Statistischen Landesämtern und der Bundesagentur für Arbeit. Gesamtsieger ist der Kreis mit der geringsten Punktzahl, wie in diesem Jahr Böblingen mit 389,1 Punkten. Im Vergleich dazu erhielt Nordsachsen ganze 1810,9 Punkte. 

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