Donnerstag, 22. Februar 2018

 
Donnerstag, 1. Februar 2018

NORDSACHSEN

Mit der Axt auf den Friedhof

Wenn Udo Golde derzeit den Belgeraner Friedhof besucht, sind statt einer Harke Axt und Kettensäge seine Begleiter. Sturmtief Friederike hat auf dem Areal mächtig gewütet. Golde hilft sich nun selbst, nachdem die Friedhofsverwaltung noch immer auf einen Gutachter wartet.Foto: TZ/C. Wendt

von C. Wendt, N. Wendt und S. Lindner

Belgern. Wenn Udo Golde derzeit den Belgeraner Friedhof besucht, sind statt einer Harke Axt und Kettensäge seine Begleiter. Sturmtief Friederike hat auf dem Areal mächtig gewütet. Golde hilft sich nun selbst.

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Belgern. Dass er einmal als Holzfäller vor das Familiengrab auf dem Belgeraner Friedhof treten würde, hätte sich Udo Golde auch nicht zu träumen gewagt. Zu Wochenbeginn hat der fast 70-Jährige den Kampf mit einer riesigen Tanne aufgenommen, die unlängst Sturmtief Friederike zum Opfer fiel. Das gleiche Schicksal teilen übrigens etwa 50 weitere Bäume, die auch gestern noch wie Mikadostäbchen auf dem Areal an der B 182 herumlagen und nun auf den Abtransport warten. Dem noch nicht genug, werden die „Umfaller“ von zahlreichen „Hängern“ und Bäumen flankiert, deren Wurzelwerke durch dem Sturm gelockert und die Erdoberfläche aufgebrochen haben.

Noch ist das Betreten des Belgeraner Friedhofs nur auf eigene Gefahr erlaubt. Zu groß ist die Gefahr, dass weitere von Friederike angeschobene Bäume auf die Gräber krachen. Golde schätzt, dass Dutzende Gräber in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Eine Annahme, die Susann Klopfleisch von der Belgeraner Friedhofsverwaltung kurz darauf noch nicht bestätigen konnte. „Wie viele es genau sind, können wir erst sagen, wenn das gesamte Astwerk entfernt und somit ein Blick auf die Anlagen möglich ist“, sagte Klopfleisch, die im Gespräch mit der Torgauer Zeitung noch einmal aus Sicherheitsgründen eindringlich davor warnte, dass Bürger selbst zu Kettensäge und Axt greifen. Golde freilich weiß um sein persönliches Risiko, sagt aber auch, dass es so, wie es jetzt ist, nicht bleiben kann. Wann Fachleute sämtliche Bäume vom Friedhofsareal entfernen, ist jedoch noch ungewiss. Zuerst muss ein Gutachter her, der die Schadenslage in Augenschein nimmt.

Dem gelernten Ofensetzer und Fliesenleger Udo Golde dauert das alles jedoch zu lange. Er kämpfte sich gestern Vormittag bei regnerischem Wetter und unterstützt von Sohn Uwe durch den riesigen Wurzelteller, der beim Hochklappen die Umrandung des Familiengrabs stark beschädigt hatte. Emotionen verspürte der Belgeraner dabei kaum, obgleich die Tanne, die er soeben zu Kleinholz verarbeitet, einst von seiner Oma für seinen bereits im Kindesalter verstorbenen Bruder gepflanzt worden sei. Golde hält inne und blickt auf den umgeworfenen Grabstein. Der versunkene Blick in die Vergangenheit dauert jedoch nur einen Augenblick. In wenigen Wochen solle am Grab nichts mehr an die Folgen des Sturms erinnern. Als Handwerker sei das für Golde Ehrensache.

Sturmschäden nach Bürgerkritik sofort beseitigt

Beilrode. Das leerstehende Wohnhaus neben der ehemaligen Gaststätte Büttner (Ernst-Thälmann-Straße), hat beim Sturm heftig was abbekommen. Bis Dienstag lagen Gesteins-Trümmer vom Schornstein auf dem Dach, spannte sich Dachpappe wie ein Segel um die beiden Antennenmasten, die der Sturm ebenfalls in Schieflage gebracht hatte. Es sah aus wie im Krieg, was von Rainer Klapproth und Regina Büttner bei der letzten Bürgerfragestunde kritisch angesprochen wurde. Eine echte Gefahrenquelle, wenn die Trümmer auf die Straße fliegen.


Bereits gestern Mittag konnten beide Beilroder „Vollzug“ melden. Die Gemeinde hatte die Gefahr umgehend beseitigen lassen. „Wir hatten schon in den Tagen zuvor eine Dachdeckerfirma beauftragt und die Arbeiten jetzt, nach dem Hinweis, vorgezogen“, so Bürgermeister René Vetter. Für das Grundstück sei die Sächsische Immobilienverwaltung zuständig.

Arbeiten im Schloß und an der Elbe

Torgau. Noch immer laufen die Aufräumarbeiten infolge des Sturmtiefs Friederike, das am 18. Januar über Nordsachsen hinweg gezogen ist. Auf Schloss Hartenfels laufen aktuell Dachdecker-Arbeiten. Aus dem Landratsamt war zu hören, dass zunächst kleinere schadhafte Stellen, an denen vereinzelte Ziegel fehlen, repariert wurden. „Der großflächige Schaden am Flügel D ist bisher erst provisorisch ausgebessert“, so Peter Stracke aus dem Pressebüro. „Für alles weitere brauchen wir einen größeren Kran. Der kommt nächste Woche.“ Noch höher hinaus müssen die Arbeiter, um die Wetterfahne am Hausmannsturms wieder zu richten. Dafür sei dann ein noch größerer Kran notwendig. Stand jetzt soll das Mitte Februar passieren.


Unterdessen waren am Elberadweg Mitarbeiter der Stadtwerke zu Gange, um letzte umgefallene Bäume zu zerkleinern und entfernen. Am elbseitigen Ende des Glacis’ ist es dadurch sehr licht geworden, dort fielen viele Gehölze dem Sturm zum Opfer.


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