Freitag, 27. April 2018

 
Samstag, 7. April 2018

DOMMITZSCH

"Das ergibt für mich keinen Sinn"

Bürgermeister Karlheinz Herrmann hat noch einige „Baustellen“ zu beackern. Foto: TZ/Archiv (N. Wendt)

von unserem Redakteur Nico Wendt

Im großen TZ-Jahresinterview spricht Elsnigs Bürgermeister Karlheinz Herrmann über die Elblandbahn, Radwege, Trossiner Ansichten, Bevölkerungszahlen und Hochwasserschutz.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Elsnig. Im großen TZ-Jahresinterview spricht Elsnigs Bürgermeister Karlheinz Herrmann über die Elblandbahn, Radwege, Trossiner Ansichten, Bevölkerungszahlen und Hochwasserschutz.

TZ: Die Trossiner haben Angst, ihren Bauhof nach Dommitzsch abgeben zu müssen, weil es im Kooperationskonzept steht. Haben die Elsniger diesbezüglich keine Sorge?
K. Herrmann:
Das Papier wurde von einem Ingenieurbüro erarbeitet und wir haben vor gut einem Jahr zusammengesessen. Dommitzsch soll Grundzentrum bleiben und wir wollen eine vernünftige Arbeit in der Verwaltungsgemeinschaft. Der Fördermittelgeber wollte, dass die Gemeinden dem Konzept zustimmen.

Und die Elsniger Räte haben ordnungsgemäß die Hände gehoben?
Einigen Dingen konnten wir ebenfalls nicht folgen. Auch wir sind gegen einen zentralen Bauhof. Das würde ja keinen Sinn ergeben: Ehe unser Mitarbeiter in Falkenberg ankommt, ist der halbe Tag rum. Außerdem ist der Bauhof-Angestellte der einzige hier in der Gemeinde, der schnell handeln kann, wenn es nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister gibt. Auch eine Formulierung, die die Feuerwehren betrifft, wurde längst gestrichen. Ich war enttäuscht, wie schlecht die Trossiner Kandidaten informiert waren und hab mich über die Zurückhaltung von Bürgermeister Otto gewundert.

In dem Konzept, das er den Einwohnern vorgestellt hat, standen aber die Formulierungen noch drin!
Dann war es eine alte Fassung. Wir haben es geändert. Dommitzsch baut einen eigenen Bauhof und wir wollten uns bei der Anschaffung von Technik untereinander abstimmen, dass nicht jeder das Gleiche hat und wir auch mal Leistungen innerhalb der Gemeinden austauschen können. Wie das finanziell verrechnet wird, soweit sind wir gar nicht mehr gekommen. In der Sitzung, wo das Konzept beschlossen wurde, hat Trossin nicht mit abgestimmt. Dabei bezahlt Dommitzsch die Projekte, die die Stadt betreffen, alle selbst. Die Gemeinden müssen sich nicht beteiligen. Trossin könnte sogar selber von einer Förderung profitieren, wenn zum Beispiel die Trossiner Turnhalle zu renovieren wäre.

Themawechsel: Sie haben sich in der Vergangenheit oft kritisch zur Elblandbahn geäußert!
Ich bin kein Gegner der Bahn, aber es macht für mich keinen Sinn. Ich habe hier einen dicken Ordner – eine Radwegekonzeption, die bestimmt 30 000 bis 40 000 Euro gekostet hat. Erarbeitet vom Freistaat. Da steht drin, dass ein Radweg nicht mehr straßenbegleitend an der B 182 angedacht ist, sondern ab Neiden bis Torgau auf der alten Bahnstrecke. Auch in einigen anderen Abschnitten. Wir mussten uns 2015 offiziell im Gemeinderat damit beschäftigen und eine Stellungnahme abgeben. Dann hieß es plötzlich: April, April, wir eröffnen eine Bahnstrecke.

Ist doch nicht schlecht oder?
Allein beim Ausbau der Commendestraße entsteht ein sechsstelliger Betrag an Mehrkosten durch die Bahnquerung. Da sind noch nicht einmal alle Forderungen des Herrn Hesse (Vorsitzender des Vereins Elblandbahn d.Red.) berücksichtigt. Bis heute liegt das geforderte Konzept nicht vor. Dann wären die Mitglieder mal gezwungen, die Ökonomie nachzuweisen. Es ist bis heute unklar, wie die Bahn vom Verein genutzt werden soll. Zuletzt hieß es, man wolle die Strecke für den Güterverkehr bereitstellen. Es macht doch einen riesigen Unterschied, ob man eine Anschlussbahn, Tourismusverkehr oder Güterverkehr haben will.
Sie sehen keine Verbesserung der Infrastruktur?
Ich bitte Sie. Nicht beim Zustand der Strecke. Es fährt doch niemand vier Stunden bis Wittenberg, um dann in den ICE nach Berlin einzusteigen. Hier werden Gelder verbrannt.

Aber nicht das der Gemeinde Elsnig!
Ach ja? Das Ministerium meinte, die Baulastträger der Straßen müssten aufkommen. Wer ist das denn? Das sind wir. Da schlägt jeder kleine Übergang in den Dörfern locker mit 5000 Euro zu Buche. 14 Verkehrsschilder pro Übergang. Die einzelnen Baken, die Warntafeln, dass es sich um einen unbeschrankten Übergang handelt. Das summiert sich.

Der Verein hat Schilder. Oder nicht?
Manchmal frage ich mich ernsthaft...! Da bringt Herr Hesse uralte Verkehrsschilder vorbei, die die Bahn vor 20 Jahren entsorgt hat und wir sollen sie aufstellen. Es gibt doch längst neue Verordnungen. Die Schilder müssen reflektieren und so weiter und so weiter. Wenn was passiert, ist der Bürgermeister dran. Ich habe mir übrigens die Regierungserklärung von Ministerpräsident Kretschmer genau durchgelesen. Ich bin gespannt, ob er den kleinen Kommunen tatsächlich helfen kann. Bis jetzt ist die Bürokratie immer mehr gewachsen.

Haben Sie ein Beispiel?
Es kann nicht sein, dass wir immer noch  auf 200 000 Euro warten und diese Summe im Haushalt durchschleppen, obwohl sie uns zusteht. Dabei handelt es sich um 100 Prozent Fördermittel aus der Hochwasserschadensbeseitigung. Wir haben damit die Weinskebrücke in Döbern neu gebaut, die bei der Flut 2013 stark beschädigt wurde. Jetzt hat man festgestellt, dass sich ein Widerlager auf der Gemarkung Torgau befindet. Das ist durch Grenzverschiebung zustande gekommen.Torgau kannte es gar nicht. Jedenfalls sollen wir erstmal eine Vereinbarung mit der Stadt treffen, Grundstücke zuordnen und so weiter. Das kann man ja alles im Nachhinein regeln. Aber wir brauchen das Geld, das die Gemeinde vorgeschossen hat. Beim Elberadweg sind wir auch auf uns allein gestellt.

Wo ist da das Problem?
Wir haben die Strecke nicht gebaut. Das war der Landkreis, der uns den Weg später geschenkt hat. Allerdings ohne Kooperationsvereinbarung. Die ganzen Grundstücksfragen sind nicht geklärt. Es gibt viele Privateigentümer. Die Fahrbahn wurde einfach drüber gebaut. Wir müssen das im Zuge der Flurneuordnung im Bereich Döbern, Mockritz und Neiden klären. Im Bereich Elsnig gibt es das Verfahren nicht.

Sie haben vorhin die Commendestraße erwähnt. Der Bau der Erschließungsstraße ist die größte Investition der Gemeinde dieses Jahr –  richtig?
Ja, wir wollen im Juni/Juli mit der Strecke fertig werden. Ich hoffe, dass wir die Vereinbarung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LaSuV) auch noch in den Griff bekommen, dass wir die Kreuzung bei Drebligar noch dieses Jahr bauen können. Ursprünglich war der Kreuzungsausbau erst 2019 vorgesehen.

Wird die Strecke auch ohne ausgebaute Kreuzung dieses Jahr freigegeben?
Nein, sie ist nur befahrbar, wenn der Knotenpunkt kommt. Da sind auch noch Leitungen für Trinkwasser, Telekom und Energie umzuverlegen.

Viele Gemeinden im ländlichen Raum klagen über Bevölkerungsschwund. Wie ist die Lage in Elsnig?
Nicht so prekär wie in Dommitzsch oder Trossin. Wir hatten sogar zwischendurch einen leichten Anstieg, sind nun aber wieder ein bisschen unter die 1500- Einwohner-Marke gerutscht. Wir liegen günstig zwischen Torgau und Dommitzsch, haben mit der Kita Neiden – die wir stark unterstützen – ein gutes Argument für junge Familien. Auch der Eigenheimstandort in Vogelgesang füllt sich. Die Nachfrage nimmt zu.

Welche Fortschritte macht der Hochwasserschutz?
Dieses Jahr wird der neue Weinskedeich bei Mockritz gebaut. Die Arbeiten laufen gerade an. Der Elberadweg wird derweil auf den Deichverteidigungsweg bis zur Überfahrt Großtrebener Spitze verlegt. Dort ist auch noch das letzte Stück Damm bis zum Ringdeich Polbitz zu ertüchtigen. Ansonsten wurde alles geschafft. Der Deich zwischen Mockritz und Döbern ist fertig und der Elberadweg wieder frei.


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

26. Aktionstag Lehrstellen
05.05.2018, 10:00 Uhr - 14:00 Uhr
Hochwasserschutz: Risiken eingedämmt?
15.05.2018, 13:00 Uhr - 16:00 Uhr
Gründerabend
16.05.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gastgeber = Reiseveranstalter ?
23.05.2018, 10:00 Uhr - 15:00 Uhr
Seminarveranstaltung "Update Wohnraummietrecht"
24.05.2018, 16:00 Uhr - 19:00 Uhr
3D Druck für mein Unternehmen
31.05.2018, 17:00 Uhr - 20:00 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
31.05.2018, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Qualität: Messen gibt Sicherheit!
05.06.2018, 15:30 Uhr - 18:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
06.06.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
07.06.2018, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Gründerabend
20.06.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
04.07.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Gründerabend
18.07.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
08.08.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Gründerabend
15.08.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
05.09.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Gründerabend
12.09.2018, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gewerbetag Elektromobilität
15.09.2018, 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
10.10.2018, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 
-->

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

ePaper-Abo

INFOS & EMPFEHLUNGEN


torgau druck online

Wohnungsmarkt