Samstag, 22. September 2018

 
Freitag, 13. April 2018

MOCKREHNA

Harte Arbeit zu Ehren der Gefallenen

Bei ihrem Einsatz in Italien mussten die Feldjäger auf einem Friedhof die Reste von Pinien kleinmachen und aufräumen.

von unserem Volontär Nick Leukhardt

Wildenhain. Die Normandie, die österreichische Steiermark und ein idyllischer Vorort der italieneischen Hauptstadt Rom. Was klingt, wie eine Liste aus dem Reisebüro ist in Wahrheit eine Aufzählung der Orte, an denen Martin Kirmse bereits auf Friedhöfen gearbeitet hat. Denn der geborene Mockrehnaer engagiert sich ehrenamtlich in dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

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Seit drei Jahren ist er mittlerweile schon Teil eines zehnköpfigen Teams, welches jährlich für zwei Wochen zu einem Arbeitseinsatz auf einen europäischen Soldatenfriedhof fährt.  Eigentlich ist Kirmse Feldjäger bei der Bundeswehr und dort in der Materialbewirtschaftung tätig. Seine neun Kameraden, mit denen er sich für die Kriegsgräberfürsorge engagiert, sind ebenfalls Mitglieder seines Regiments, dem 9./Feldjägerregiment 1 Leipzig. „2015 hat mein Kamerad Michael Rudolf dieses Engagement unseres Regiments ins Leben gerufen,“ erzählt Kirmse. „Damals allerdings noch ohne mich, ich kam erst ein Jahr später dazu.“ Doch seither ist er Feuer und Flamme für die ehrenamtlich Tätigkeit.

Der erste Einsatz, an dem Martin Kirmse teilnahm, verschlug den heute 32-Jährigen in das beschauliche Örtchen Marigny in der Normandie. Dort sollten auf einem Friedhof, auf dem rund 32 000 deutsche Soldaten aus dem 2. Weltkrieg begraben liegen, Grabplatten erneuert werden. Die alten Tonkreuze, welche in den Boden eingelassen waren, sollten entfernt, gereinigt und auf neue Betonplatten geklebt werden, welche dann an dem ursprünglichen Platz der Kreuze platziert wurden. „Ein echter Knochenjob,“ sagt Kirmse, „aber gelohnt hat es sich trotzdem.“ Zwei Wochen dauerte der Einsatz in Frankreich, 320 Gräber schafften er und seine Kameraden in dieser Zeit. „Wir haben Montag bis Donnerstag voll durchgepowert, von morgens um sieben bis abends um sechs. So hatten wir dann den Freitag und Samstag frei und konnten ein noch ein bisschen Sightseeing machen.“

Eigentlich hatte sich Kirmse der Unternehmng nur aus reiner Neugierde angeschlossen, große Erwartungen hatte er nicht. Doch bei einem ganz normalen Gang über den Friedhof verstand er dann plötzlich, was seine und die Arbeit seiner Kameraden so wichtig macht. „Ich bin vollkommen nichtsahnend in meiner Pause über den Friedhof geschlendert und habe mir die Geburtsdaten angesehen. Da lagen Männer, die waren grade halb so alt wie ich. 16-jährige Jungen, die im Krieg gefallen sind. Da wurde mir klar, wie wichtig es ist, die Leute von damals zu ehren und sich darum zu kümmern, dass sie ehrenvoll liegen.“ Von diesen Gedanken beflügelt war Kirmse dann auch bei seinem zweiten Einsatz Feuer und Flamme. Im Mai 2017 ging es für die Truppe des 9. Feldjägerregiments ins österreichische Blumau, auf einen Soldatenfriedhof vom 1. und 2. Weltkrieg.

Hier hatten die ehrenamtlichen Helfer die Aufgabe, die Büsche und Sträucher am Rand des Friedhofs zu beschneiden, um ihn wieder ansehnlicher zu gestalten. Dabei blieb es jedoch nicht, denn ganz spontan kam noch eine andere Aufgabe auf die 10 Männer zu. „Das war bei den Einsätzen bisher wirklich mein schlimmstes Erlebnis,“ beschreibt Kirmse den Tag, an dem er und seine Kameraden ein Grab für fünf Soldaten aus dem 1. Weltkrieg ausheben mussten. „Ganz zufällig stieß ich im Verwaltungsgebäude des Friedhofes auf einige Plastiksäcke. Ich fragte bei der Friedhofsverwaltung nach und die erklärte mir, was darin war.“ Es handelte sich um menschliche Überreste aus dem 1. Weltkrieg. Diese seien jetzt erst gefunden und identifiziert worden und müssten deshalb jetzt vergraben werden. So schaufelten die Feldjäger fünf Gräber, hielten eine kleine Andacht und bereiteten damit den Toten die letzte Ehre. „Während man das macht, denkt man sich eigentlich gar nichts dabei, „beschreibt Kirmse das Gefühl, welches ihn während dieses Moments durchzog. „Erst im Nachhinein realisiert man dann, was man da eigentlich gerade gemacht hat.“

Einsatz Nummer drei ist noch gar nicht so lange her. Mitte März dieses Jahres waren Kirmse und seine Kameraden in Pomezia, einem kleinen Vorort Roms, um dort auf dem ganzen Friedhof herumliegende Pinienäste aufzuräumen. „Wir haben es zeitlich gerade so geschafft, alles kleinzumachen und zu entfernen, sodass wir uns dann noch einen Tag Rom anschauen konnten. Dort haben wir eine erstaunliche Entdeckung gemacht, die uns klar machte, wie in der Geschichte doch alles miteinander zusammenhängt.“ Bereits während ihrer Arbeiten auf dem Friedhof war den Kameraden ein Grab aufgefallen, in welchem 30 Menschen mit dem gleichen Todestag lagen. Auf Nachfrage bei der Friedhofsverwaltung wurde erklärt, dass diese deutschen Soldaten in einen Hinterhalt der Italiener geraten und in dem Kampf gefallen waren. Die Reaktion der Deutschen fanden die Kameraden jedoch erst bei ihrer Stadttour durch Rom. „Durch puren Zufall stießen wir auf eine Gruft, in der 300 Italiener begraben wurde. Wir erfuhren dort, dass sie in einem Massaker von den deutschen Soldaten umgebracht wurden, als Rache für eben diesen Hinterhalt.“

Nächstes Jahr geht es für Kirmse und seine Kameraden nach Ungarn. Wo genau und was es dort zu tun gibt, weiß die Truppe jedoch noch nicht. „Wir hoffen nur in die Nähe des Balaton, das ist eine echt schöne Ecke,“ fügt er scherzhaft hinzu. Für ihn steht fest: Er möchte sich noch so lange für den Volksbund engagieren, wie es seine körperliche Verfassung möglich macht. „Auch wenn ich in 3 Jahren aus der Bundeswehr aussteige, will ich als Reservist meinen Dienst leisten und mich dann auch weiter für die Opfer unserer Kriege einsetzen. Denn diese Leute verdienen es, auch so lange nach ihrem Tod noch geehrt zu werden.“


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