Sonntag, 23. September 2018

 
Donnerstag, 13. September 2018

TORGAU

Eine zerbrochene Puppe und ein Brand

Familie Kießler ca. 1938. Foto: privat

Von Dr. Bernd-Wilfried Kießler

Kindheit und Jugend in Torgau um 1900: Was in Erinnerung bleibt

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Einführung: Zehn Jahre nach dem Tod meiner Tante Waltraud Hilcher, geborene Kießler, fand ich in ihrem Nachlass zwischen einem Stapel Fotoalben zufällig ein in Pergament gebundenes Schriftstück mit dem Titel „Die Geschichte der Familie Kießler“. Darin porträtiert sie im Alter von 14 Jahren sich selbst und ihre Eltern, ihre Großeltern und ihre Schwester, handschriftlich und mit Fotos illustriert. Die Aufzeichnungen stammen aus dem Jahre 1943 und handeln diesmal von der Mutter, meiner Großmutter. 

Torgau. Am Gründungstag des zweiten deutschen Reiches, am 18. Januar 1896, erblickte unsere Mutter Martha Elisabeth Bein als fünftes Kind und erstes Mädel des Klempnermeisters Friedrich Wilhelm Bein und seiner Ehefrau Bertha Bein in Torgau das Licht der Welt. Am 31. Mai desselben Jahres erhielt sie die Taufe in der St. Marienkirche.

Die ersten Lebensjahre verbrachte sie in der Königstraße, später zog sie mit ihren Eltern in die Nonnenstraße. Oft saß sie mit ihrer Puppe am Fenster. Doch eines Tages purzelte das Puppenkind aus dem ersten Stock zum Fenster hinunter. Traurig hob sie das zerbrochene Püppchen mit Porzellankopf auf. Mit fünf Jahren erlebte sie einen Brand in ihrer Straße. Ihre Mutter rettete ein Kind aus dem brennenden Haus.

Als sie das sechste Lebensjahr erreicht hatte, marschierte sie in die Schule. Eines Nachmittags freute sie sich, dass alle Kinder in die Schule mussten. Sie hatte aber vergessen, dass sie selbst auch schon zur Schule ging. In letzter Minute sauste sie los und erreichte gerade noch pünktlich ihren Platz.
Schon im ersten Schuljahr strickte die Klasse unserer Mutter einen kleinen Beutel. Unsere Mutter strickte mit heller Begeisterung an ihrem weißen Beutelchen. Zur Belohnung, weil sie es so schön gemacht hatte, bekam sie eine 1. Darauf ist sie noch heute sehr stolz. Die acht Jahre Schulzeit vergingen schnell, und 1910 wurde sie dann konfirmiert. In einem Textilgeschäft trat sie die Lehrstelle einer Verkäuferin an. Nach zwei Jahren war die Lehrzeit beendet.

Als der Weltkrieg ausbrach, zog sie mit ihren Eltern in die Reichsmessestadt Leipzig. Dort war sie bis zur Verheiratung in einem kriegswichtigen Betrieb tätig. Da unsere Mutter sehr gut sehen konnte, arbeitete sie mit ganz feinen Drähtchen.
Nach der Hochzeit errichteten meine Eltern ihr neues Heim in Torgau. Nach vierjähriger Ehe kam unsere Elisabeth zur Welt, genau viereinhalb Jahr später wurde ich geboren. Unsere Eltern hatten nun neben vielen anderen Aufgaben die Pflicht, uns zur Tüchtigkeit heranzubilden.

Nachsatz: Manchmal ist auch das wichtig, was verschwiegen wird. So hatte das Geschäft, in dem meine Großmutter ihre Lehre absolvierte, jüdische Inhaber. Das erwähnte man im Jahre 1943 besser nicht. Elisabeth Kießler verließ Torgau 1959 im Alter von 63 Jahren Richtung Westen, lebte bis Ende 1978 in Homburg/Saar und starb am 4. April 1979 im Altenheim in Stuttgart-Bad Cannstatt. Ihre Heimat Torgau hat sie noch mehrmals wiedergesehen, da sie schon im Rentenalter war und deshalb nicht als republikflüchtig verfolgt wurde.


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