Donnerstag, 15. November 2018

 
Freitag, 14. September 2018

MOCKREHNA

Ab sofort wird international gepuffert

Die Container-Anlage im rechten Bildteil hat enorme Ausmaße.Foto: Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH

von unserem Redakteur Christian Wendt

Langenreichenbach. In Langenreichenbach ist am Freitagvormittag eine Großbatterieanlage auf dem Gelände des Umspannwerks in Betrieb genommen. Es ist Europs bislang größter Speicher. Die Batterien stammen aus China.

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Nein, dieser Menschenauflauf in Langenreichenbach hatte nun wirklich nichts mit irgendeinem Dorfwettbewerb zu tun... Oder doch? Ortsvorsteher Detlef Bölke notierte und knipste fleißig für die nächste Jury-Runden. „Wer weiß. Aber so etwas können wir immer gebrauchen.“

Bölke, dessen Stellvertreterin Kathrin Hasenbein und Mockrehnas Bürgermeister Peter Klepel lauschten im großen Zelt den Ausführungen der Dolmetscher. Diese bedienten sich des Deutschen, des Englischen und vor allem des Chinesischen.

Gut 70 internationale Gäste zog es zur feierlichen Inbetriebnahme einer auf dem Areal des Langenreichenbacher Umspannwerks errichteten Großbatterieanlage. Die Upside Group hat hier nach eigener Angabe einen der größten Batterie-Speicher Europas in Betrieb genommen und will damit ihre Wachstumsstrategie fortsetzen.

950 Tonnen

Der riesige Blei-Carbon-Speicher hat eine Kapazität von 25 MWh und dient – wie die anderen bereits im Anlagenportfolio der Upside befindlichen Systeme – der Bereitstellung sogenannter netzdienlicher Leistungen. Soll heißen: Hier werden mit Hilfe der Batterien Frequenzschwankungen im Stromnetz durch Puffern geglättet.

Die Batteriecontainer haben ein Gesamtgewicht von 1000 Mittelklassewagen. Allein die hier verbauten Batteriezellen kommen auf 950 Tonnen und könnten theoretisch 80000 Verbraucher einen Monat lang mit Strom versorgen.

Doch dies sei nicht die Idee, die hinter der Anlage stecke, erläuterte Tino Marx von der Upside gegenüber der Torgauer Zeitung (Marx hatte das Projekt bereits Anfang des Jahres den Langenreichenbacher Einwohnern während eines Infoabends vorgestellt). Aufgrund eines Überangebots von Strom im deutschen Stromnetz und einer wetterbedingten Schwankung bei der Einspeisung regenerativer Energien müsse das Netz sehr flexibel reagieren. Die Speicheranlage in dem Mockrehnaer Ortsteil biete dazu die Grundlage, indem diese bei einem Überangebot Strom aufnimmt und diesen bei Knappheit wieder ins Netz abgibt – alles im Millisekundenbereich und zigfach pro Tag.

Für die Umwandlung des Wechselstroms aus dem Netz in speicherbaren Gleichstrom sind extrem leistungsstarke Wechselrichter verantwortlich, welche vom Kasseler Weltmarktführer SMA stammen. Die jeweils 90 Kilogramm schweren Batteriezellen des chinesischen Joint-Venture Partners Narada Inc. aus der 10-Millionen-Metropole Hangzhou wurden aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungsparameter sowie der Wartungsfreiheit ausgewählt.

Seit dem Baustart der Anlage Ende März wurden mehr als 10500 dieser Batteriezellen in 18 riesigen Stahlcontainern verbaut. Die Umsetzung des Projekts und der zukünftige Betrieb erfolg(t)en in einer gemeinsam mit Narada gegründeten Projektgesellschaft.

Der Batteriespeicher stellt sogenannte Regelleistung bereit, welche die Frequenz im Stromnetz stabilisiert und damit eine Grundvoraussetzung für die zuverlässige Energieversorgung schafft. „Die Installation direkt auf dem Gelände des Umspannwerks und der damit einhergehende Anschluss quasi am Herzen des Verteilnetzes der MITNETZ STROM ermöglicht neben der Regelleistung auch die Erbringung weiterer netzdienlicher Leistungen. Die MITNETZ STROM hat dies erkannt. Wir haben mit ihr einen wichtigen Partner für unseren Beitrag zur Energiewende gefunden“, erklärte Marc Reimer, Geschäftsführer der Upside Invest GmbH & Co. KG.

Überwachung

Im laufenden Betrieb wird die seit Juli im Testmodus laufende Anlage bis auf jede einzelne Zelle hinunter überwacht. So werden geringste Abweichungen bereits erkannt, bevor eine Zelle auszufallen droht. Die mit dem Großspeicher einhergehende Einsparung des Treibhausgases Kohlendioxid beträgt jährlich 70000 Tonnen, was etwa jener Einsparung entspricht, die 50000 Elektrofahrzeuge erzeugen, wenn sie mit Strom aus regenerativen Energien „betankt“ werden.

Das Projekt in Langenreichenbach dient der Upside als Muster für mindestens vier weitere Projekte dieser Art, welche in den kommenden Monaten realisiert werden sollen. Mit dem Bau eines zweiten, baugleichen 16 MW Großspeichers wird zeitnah in Bennewitz bei Wurzen begonnen. Dessen Inbetriebnahme ist ebenfalls für 2018 geplant.

Die Internationalität brachten gestern Gäste aus China sowie deren Geschäftspartner ins beschauliche Langenreichenbach. Narada-Vorstand Chen Bo stellte sein seit 24 Jahren auf dem Markt von Speicherlösungen im Telekomunikationsmarkt agierendes Unternehmen vor. Hier sei man bereits Weltmarktführer und pflege Beziehungen zu 150 Ländern weltweit. Vor acht Jahren habe Narada damit begonnen, sein originäres Geschäftsfeld zu erweitern. Der Langenreichenbacher Großspeicher sei auch für Narada ein Modellprojekt in Übersee, in das große Hoffnungen gesteckt würden.

Zusammenarbeit

Wang Weidong, Gesandter-Botschaftsrat und Leiter der chinesischen Wirtschafts- und Handelsabteilung in Deutschland, hob das Projekt als sehr gutes Beispiel einer deutsch-chinesischen Zusammenarbeit hervor. Beide Länder müssten angesichts immer größer werdenden Herausforderungen auf dem Weltmarkt noch enger zusammenarbeiten.

„Das ist heute ein wichtiger Meilenstein für uns“, sagte schließlich Dr. Adolf Schweer, Technischer Geschäftsführer der MITNETZ STROM. Neben der Unterstützung des Großspeichers in Langenreichenbach arbeitet MITNETZ STROM bereits an weiteren Projekten – unter anderem jenen in Bennewitz.

 

HINTERGRUND

Schwankungen im Stromnetz entstehen unter anderem durch die unregelmäßige Einspeisung von erneuerbaren Energien. Beispielsweise ist bei starkem Wind die Einspeisung aus Windenergie extrem hoch. MITNETZ STROM muss in diesem Moment unter Umständen überschüssigen Strom in das Übertragungsnetz zurückspeisen. Die Frequenz im Verteilnetz steigt dabei. Bei einer Windflaute fehlt dieser eingespeiste Strom. Die Frequenz im Netz muss wiederum ausgeglichen werden. Dieses Phänomen lässt sich durch Pufferung mittels Energiespeichern bewältigen.

 


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