Donnerstag, 15. November 2018

 
Freitag, 14. September 2018

TORGAU

Was tun gegen Fahrraddiebstahl?

Der Fahrradständer am Torgauer Bahnhof. Hier werden des Öfteren Fahrräder entwendet. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Volontär Nick Leukhardt

Torgau.  Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Torgau steigt immer weiter an und es wird nach Lösungen verlangt. Ein Bürger, die Rad AG und die Torgauer Polizei haben verschiedene Ansätze parat.

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„SO KANN ES DOCH NICHT WEITERGEHEN …! Fast jeden Tag werden in Torgau Fahrräder gestohlen, aber irgendwie scheint niemand dagegen etwas unternehmen zu wollen.“ So beginnt Alexander Schur seinen Post in der größten Torgauer Facebook-Gruppe, mit welchem er auf eine Problematik aufmerksam machen möchte, die scheinbar sehr vielen Torgauern unter den Nägeln brennt.

289 zu 5 Stimmen dafür

Fast jeden Tag, so die Aussage des Torgauers, bekomme man in den sozialen Medien mit, wie Menschen ihre Fahrräder vermisst melden. Auch er hätte damit schon Bekanntschaft gemacht, das Rad seiner Tochter wurde vor einiger Zeit ebenfalls entwendet. Meist finde dies immer an den gleichen Orten statt, wie zum Beispiel dem Fahrradständer am Bahnhof. Seine Forderung: Überwachungskameras an genau diesen Orten.

Im Zuge dessen startete er eine Umfrage auf Facebook und erhielt ein ganz klares Ergebnis: 289 Personen stimmten für eine Kameraüberwachung an Diebstahlschwerpunkten, 5 dagegen. „Zwar ist diese Abstimmung nicht repräsentativ, aber das Ergebnis doch eindeutig“, sagt Schur. Er möchte so schnell wie möglich etwas gegen den, zumindest von ihm und scheinbar auch einem Großteil der Torgauer Netzgemeinde so wahrgenommenen, massiven Fahrraddiebstahl in Torgau unternehmen.

Peter Labitzke

So einfach geht das nicht

Aber einfach nur am Bahnhof eine Videokamera aufstellen und in Zukunft damit alle Fahrraddiebe überführen, so leicht ist es natürlich nicht. Das teilte Torgaus neuer Revierleiter, Peter Labitzke, im Gespräch mit der TZ mit. „Zuerst einmal braucht man valide Zahlen, die den Ort, in unserem Fall den Torgauer Bahnhof, zu einem Kriminalitätsschwerpunkt machen. Liegen diese Zahlen vor, dann kann unter richterlichem Vorbehalt eine Kamera von der Polizei installiert werden.“
In Torgau komme dies jedoch, zumindest von Seiten der Polizei, nicht in Frage. „Bei uns in Torgau werden überall Fahrräder entwendet, nicht nur am Bahnhof. Die Zahlen der Räder, die vom Bahnhof verschwinden, ist nichtmal im Ansatz hoch genug um dort, an einem öffentlichen Platz, eine Videoüberwachung zu rechtfertigen.“

Zwar gab es vor Jahren dort bereits eine  Überwachungskamera mit deren Hilfe man auch mehrere Täter identifizieren konnte, doch die wurde dann nach einiger Zeit wieder abgenommen. „So etwas ist nämlich immer zeitlich begrenzt“, weiß Labitzke.

Ein Brief an alle Fraktionen

Doch auch wenn der Polizei in Sachen Videoüberwachung rechtlich die Hände gebunden sind, gibt sich Alexander Schur noch nicht geschlagen. Er möchte mithilfe der Torgauer Stadtverwaltung und vor allem auch dem Stadtrat eine Lösung für das Problem finden. Denn tatsächlich, wie die Polizei bestätigte, steigt die Zahl der Fahrraddiebstähle sukzessiv an.

Also wendet sich Schur nun an sämtliche Fraktionen im Stadtrat, mit der Bitte, sich dieser Problematik anzunehmen. „Angesichts der aktuellen Entwicklung erscheint mir ein schnelles Handeln erforderlich“, schreibt er in seinem Brief, den er an sämtliche Fraktionvorsitzende geschickt hat. In diesem Brief fordert er vom Stadtrat, „die Verwaltung zu beauftragen, eine Kameraüberwachung besonders betroffener Bereiche wie den Bahnhof zu organisieren oder –wenn dies durch die Stadt nicht selbst machbar ist- dies bei den entsprechenden Stellen zu veranlassen“ und „nach Absprache mit der Polizei weitere geeignete Maßnahmen zur Eindämmung der Fahrraddiebstähle zu ergreifen.“ Der Brief wurde am vergangenen Freitag bei der Stadtverwaltung zur Weitergabe an die Fraktionsvorsitzenden, ein Statement steht aktuell noch aus.

Rahmennummer, Foto, Schloss

Auch wenn die Torgauer Polizei aktuell keine Videoüberwachung am Bahnhof, dem gefühlten Kriminalitässchwerpunkt, einleiten kann, unternimmt sie natürlich trotzdem alles Mögliche, um Fahrraddiebe festzunehmen und das Rad seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzubringen.

Doch das gestaltet sich manchmal deutlich schwieriger als nötig, erklärt Jürgen Bülau, der Leiter des Kriminaldienstes im Torgauer Polizeirevier: „Das Problem ist, dass viele Leute weder ihre Rahmennummer kennen noch ein Foto ihres Fahrrads haben oder es eindeutig beschreiben können. Wenn dann das Rad wegkommt, dann ist es für uns enorm schwer, es wiederzufinden und dem Besitzer zuzuordnen.“ Jeder sei für sein Eigentum selbst verantwortlich und ist deshalb angehalten, ein Foto zu machen, die Papiere des Fahrrads zu behalten und vor allem natürlich auch ein sicheres Schloss am Fahrrad anzubringen. „Außerdem ist es ratsam, ein kleines, unauffälliges Merkmal am Fahrrad anzubringen, mit dem man es eindeutig identifizieren kann.“

Fahrräder für den Drogenkauf

In Torgau geht ein großer Teil der Fahrraddiebstähle auf die so genannte Beschaffungskriminalität zurück. Zwar gebe es hier laut Polizeichef Labitzke keine offene Drogenszene wie in manchen Großstädten, trotzdem hätte ein Großteil der Fahrraddiebstähle die Finanzierung des Drogenkonsums als Hintergrund. Ein anderer, etwas kleinerer Teil der Täter bestreite sogar seinen Lebensunterhalt mit dem Diebstahl und Weiterverkauf von Fahrrädern. Wählerisch seien die Diebe dabei nicht, von alten Klapperkisten bis hin zu richtig teuren E-Bikes werde alles geklaut. Ob das ganze jedoch nur Einzeltäter oder gar ein gut organisierter Ring von Fahrradschiebern sei, dazu liegen der Polizei derzeit keine Erkenntnisse vor.

Stefan-Felix Winkler

Rad AG will Fahrradboxen

Nicht nur den Bürgern und der Polizei ist das Problem des Fahrraddiebstahls in Torgau bekannt, auch der Rad AG ist diese Art der Kriminalität ein ganz besonderer Dorn im Auge. Und eine Idee, wie man dem ganzen Herr werden könne, hat sie auch bereits. Schon während des letzten Verkehrsstammtisches im März brachte Stefan-Felix Winkler, der Sprecher der Rad AG, die Fahrradboxen zur Sprache. Diese stehen aktuell sowohl an der Kulturbastion als auch in der Leipziger Straße seien dort aber völlig deplatziert. „Man sollte diese Boxen, ungefähr 15 bis 20 Stück an der Zahl, einfach zum Bahnhof schaffen und hätte ein gutes Mittel, um zumindest dort dem Diebstahl vorzubeugen.“ Diese Meinung vertrat er vor einem halben Jahr beim Stammtisch und daran hat sich auch bislang nichts geändert. Denn die Boxen stehen nach wie vor an ihren ursprünglichen Plätzen. „Es stößt bei mir auf absolutes Unverständnis, dass in dieser Sache noch nichts passiert ist. Es wäre so einfach und doch so wirkungsvoll.“

Diese Problematik möchte er am kommenden Mittwoch dann auch nochmal ansprechen, wenn er sich ab 15 Uhr vom Marktplatz aus mit Vertretern der Torgauer Stadtverwaltung, des Torgauer Stadtrates, der Torgauer Polizei und Torgauer Bürgern auf die Rad-Infotour durch das Stadtgebiet begibt.
Wie es nun mit den Fahrraddiebstählen in Torgau, Alexander Schurs Antrag und den Vorschlägen der Rad AG weitergeht, steht aktuell noch in den Sternen. Ein Statement der Stadtverwaltung steht aktuell noch aus, wird aber hoffentlich im Laufe der kommenden Woche noch nachgereicht. Allein davon hängt es dann ab, ob man diesem Problem einen, zumindest kleinen, Riegel vorschieben kann oder nicht. Bis dahin kann man jedem Fahrradbesitzer nur raten: kaufen Sie sich ein dickes Bügelschloss und notieren Sie sich ihre Rahmennummer. Damit ist schon viel gewonnen.

Zehn Fahrradboxen stehen an der Kulturbastion. Völlig deplatziert, findet Stefan-Felix Winkler.
Foto: TZ/Stützel

 


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