Dienstag, 17. September 2019

 
Montag, 29. Juli 2019

DOMMITZSCH

"Ich will einfach wachrütteln"

Falko Küttner mit der Machete in der zugewachsenen WeinskeFoto: Repro TZ

von unserem Redakteur Nico Wendt

Elsnig. Der Elsniger Anglerchef Falko Küttner spricht im TZ-Internet über ein Facebook-Video zur Weinske, das seit Sonntag für großes Aufsehen sorgt. Darin übt er scharfe Behördenkritik. 

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Elsnig. „Die Angelgewässer sind in erbärmlichem Zustand!“ Auf einer Extra-Umweltseite schlugen Vereine der Region am 30. April 2019 in der TZ Alarm. Hauptsächlich ging es um die Weinske. Das Umweltamt nahm ausführlich Stellung. Jetzt sorgt Falko Küttner, Vorsitzender des 1. Anglervereins Elsnig, mit einem Facebook-Video zum gleichen Thema für großes Aufsehen. TZ sprach mit ihm: TZ: Herr Küttner, warum haben Sie das Weinske-Problem jetzt nochmal in einem Video öffentlich gemacht? 

F. Küttner: Als das Ganze in der TZ stand, haben mich zwar viele Leute privat angesprochen, aber öffentlich hat sich niemand geäußert – außer Leser Ellguth aus der Gemeinde Mockrehna. Das Thema war dann wieder verpufft. Ich fand es an der Zeit, einen neuen Anstoß zu geben, weil wir derzeit auch kurz vor den Wahlen stehen. Vielleicht greift es einer der Kandidaten auf. 

Aber warum gerade ein Video?

Es kam keine Hilfe mehr. Ich habe gemerkt: Allein mit Briefe schreiben kommt man nicht weiter.  Mit einem Video erreiche ich zusätzlich zu den Zeitungslesern noch ein ganz anderes Klientel. Und es scheint zu klappen. Ich möchte der Amtsleiterin Frau Brumm nach ihrer Stellungnahme zeigen, wie ihr „ordentlicher Fluss“ in Wirklichkeit aussieht. Ich habe viele Zitate eingearbeitet. Wobei Frau Brumm die einzige ist, die nach Drängen der TZ wirklich reagiert hat. Sie muss es jetzt ausbaden. Alle anderen haben unseren Offenen Brief ignoriert, ob Bürgermeister, Flussmeisterei oder Ministerpräsident Kretschmer. 

Welche Reaktionen gab es nun seit ihrer Facebook-Initiative?

Ich hätte nie gedacht, dass es solche Ausmaße annimmt. Das Video wird bei Facebook ständig geteilt und weiter verbreitet. Allein der Angelladen Schwarzheide verzeichnete bis heute früh 4046 Abrufe. Es geht ab wie eine Rakete. Ich hab das Video am Sonntag 13 Uhr eingestellt und seitdem läuft mein Telefon heiß. Ich habe gar keinen Überblick, wie viele Leute es schon gesehen haben. Ständig bekomme ich Rückmeldungen. 

Welche Hoffnung verbinden Sie damit?

Dass irgendjemand mal Rückgrat hat und sagt: wir beräumen, wir machen sauber! Wir sorgen dafür, dass die Weinske wieder ein Fluss wird, der den Namen verdient. Jeder Gärtner sammelt in seinem Fass Regenwasser für die trockene Zeit. So war es auch mit den Wehren in der Weinske, die das Wasser zurückgehalten haben. Mit den gefüllten Wasserpuffern wäre es möglich, vielen Tieren – so auch den Fischen – das Überleben zu sichern. 

Haben Sie die Aktion lange vorher geplant? War technischer Aufwand nötig?

Nein überhaupt nicht. Meine Frau stand hinter der Kamera. Wir haben an drei verschiedenen Stellen gedreht und ich wollte den Streifen so kurz wie möglich halten – was mit 6.22 Minuten gelungen ist. Wir haben zum Beispiel am ehemaligen Drebligarer Wehr gedreht. Der damalige Bürgermeister Ulrich Großmann wollte es unbedingt erhalten, um zum Beispiel eine Löschwasserentnahmestelle für Feldbrände zu ermöglichen. Da war kein Weg drin. Die Behörden beriefen sich auf die Europäische Wasserrahmenrichtlinie und auf den Hochwasserschutz. Wobei jeder weiß, dass Hochwasser hier kaum von „oberhalb“ droht, höchstens durch einen Rückstau der Elbe. 

Wem wollten Sie mit ihrem Video erreichen? Die Umweltbehörde hat doch schon Stellung genommen?

Ich wollte Leute erreichen, die die Gegebenheiten nicht kennen. Der Biber hat hier auf natürliche Art und Weise einen kleinen Stau produziert. Durch seinen Damm hält er das Wasser rund 2 Kilometer bis zur Elsniger Brücke zurück. Der darf das. Und er beweist damit, dass man selbst im Dürresommer Wasser haben kann. Der Biber rettet hier die Natur, was fünf Behörden nicht schaffen. Zu DDR-Zeiten wurde auch beräumt, gebaggert und Schlamm entfernt. Davor hat es der Reichsarbeitsdienst getan. Und es gab die Stauwehre. 

War Ihr Video eine spontane Idee?

Ich hatte mir das Ganze schon einige Zeit überlegt und durchdacht. Allerdings wollte ich den Streifen ursprünglich nur über Whats App an Freunde und an die Angelgruppe schicken. Ich bin selber gar nicht bei Facebook. Ein Bekannter hat es für mich hochgeladen. Nun sieht es eben gefühlt ganz Ostdeutschland. Ich will damit auch sagen: So wie es die Behörden handhaben, funktioniert es nicht. So kann es nicht weitergehen. Das Land wird tot verwaltet. Die Ämter behindern und verhindern nur, kleben an ihren Gesetzestexten, stempeln Papier ab, um ihre Daseinsberechtigung zu beweisen, anstatt mal draußen an den Brennpunkten die richtigen Entscheidungen zum Wohle von Tier, Mensch und Natur herbeizuführen. Ob Umweltamt, Untere Wasserbehörde oder Untere Naturschutzbehörde. 

Das sind harte Worte Herr Küttner“ Eine scharfe Behörden-Kritik, die Sie auch in ihrem Video verbreiten. Keine Angst vor einer Gegenreaktion?

Ich habe alle vorher im Offenen Brief angeschrieben. Niemand hat sich gemeldet, niemand mit uns gesprochen. Ich würde mir endlich mal sachdienliche Reaktionen wünschen. Und in der Stellungnahme von Frau Brumm wird eigentlich immer nur darauf eingegangen, warum und weshalb etwas nicht geht. Wenn alles trocken ist, können Tiere und Pflanzen nicht überleben. Das kann ja wohl nicht Ziel sein.


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