Samstag, 21. September 2019

 
Dienstag, 20. August 2019

OSTELBIEN

19 000 Lkw-Ladungen für Köllitsch

Ein Korridor von 40 Metern Breite durchzieht seit kurzem Wiesen und ÄckerFoto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Arzberg. Gleich zwei Großbaustellen in Köllitsch sorgen derzeit für reichlich Wirbel auf den Straßen. Gewaltige Erdmassen sind in die kleine ostelbische Ortschaft zu transportieren. Es gibt die erste Deichrückverlegung im Altkreis Torgau. 

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Schon das Zuschauen ist eindrucksvoll. Lkw für Lkw rollt heran. Kaum hat der eine seine Ladung abgekippt, steht der nächste Brummi bereit. Das klappt wie am Schnürchen. Ein Pendelverkehr im Minutentakt. Die Fahrer grüßen sich lässig, die Absprache erfolgt per Funkgerät. Ein Aufgebot an Bauleuten mit Baggern, Raupen, und Walzen übernimmt sofort die Verarbeitung. 

Gleich zwei Großbaustellen in Köllitsch sorgen derzeit für reichlich Wirbel auf den Straßen. Gewaltige Erdmassen sind in die kleine ostelbische Ortschaft zu transportieren. Eine logistische Herausforderung. 

Zwei Millionenprojekte, die einen ganzen Landstrich künftig hochwassersicher machen. Interessant ist vor allem das Vorhaben nördlich der Ortslage, da es sich um die erste Deichrückverlegung in der Torgauer Region handelt. 2,2 Kilometer Altdeich sollen „abgelöst“ werden durch einen Neubau – zwei Kilometer lang. Eine Begradigung sozusagen. „Der alte Deich ragt wie eine Nase in Richtung Elbe. Wir wollen hier vor allem bessere Strömungsverhältnisse schaffen“, erklärt Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung Rötha, das Ziel. 

Flächenverlust 

Mit rund 43 Hektar wird die neu geschaffene Überflutungsfläche dagegen eher klein. Zumindest auf die Elbe bezogen. Den einheimischen Landwirten tut der Flächenverlust aber sehr weh. Denn die Böden in der Elbaue sind ertragreich. Die künftige Trasse führt quer über Felder und Wiesen. Land, das die Bauern ungern abgeben. „Es war nicht einfach, Austauschflächen zu finden“, meint Bobbe. Zumal das neue Bauwerk eine ganz andere Dimension hat, was Höhe und vor allem Breite betrifft. Man verwandele eine Dorfstraße in eine Autobahn, bringt der LTV-Chef einen scherzhaften Vergleich. Allein durch den flacheren Böschungswinkel und  durch den Verteidigungsweg werde viel mehr Platz benötigt. Außerdem  wird der Damm fünf Meter hoch. Also ergeben sich etwa 40 Meter Aufstandsfläche. Heißt: Ein 40 Meter breiter Korridor führt derzeit dicht an Köllitsch vorbei. Sieht eher aus, als entstünde ein Flugplatz und nicht etwa eine Anlage für den Hochwasserschutz. 

145 000 Kubikmeter Erdmassen sind heranzuschaffen, um den neuen Deich entstehen zu lassen. Das sind 15 000 Lkw-Ladungen, hat das Ingenieurbüro errechnet. „Wir brauchen 65 000 Kubikmeter Material für den Stützkörper, 30 000 Kubikmeter für den Dränkörper, 30 000 Kubikmeter an Dichtungsmaterial und 20 000 Kubikmeter Kulturboden“, macht Axel Bobbe die Rechnung auf. Vor Ort lagern zudem noch 25 000 Kubikmeter Mutterboden, der zuvor abgeschoben wurde. Die Firma Eurovia hat zahlreiche Subunternehmen aus der Region mit ins Boot geholt. Alles, was an verfügbaren Lkw-Kapazitäten vorhanden ist, sei im Einsatz. Mit 20 bis 30 Tiefladern läuft seit rund drei Wochen der Pendelverkehr. Die Elbekies GmbH Mühlberg sowie ein Unternehmen aus Puschwitz sorgen für das Bereitstellen der unterschiedlichen Erdmassen. Bis zum Herbst könnte ein Großteil der Transporte abgeschlossen sein, um den ersten Abschnitt zu realisieren. Die Transporte für den zweiten Abschnitt werden dagegen bis weit ins nächste Jahr hinein andauern, schätzt Axel Bobbe. 7000 Quadratmeter Ökopflaster sind für den Deichverteidigungsweg schon bestellt. Alles in allem investiert der Freistaat rund 7,5 Millionen Euro in dieses Projekt. In Absprache mit dem Naturschutz bleiben übrigens 200 Meter Altdeich stehen, auf denen wertvolle Kräuter und Gräser wachsen. Auch ein vier Kilometer langer Krötenzaun wurde angewiesen. Das Material des restlichen Altdeiches, der später abgetragen wird, steht für künftige Deichbau-Projekte zur Verfügung und kommt vorübergehend zur Elbekies GmbH Mühlberg. 

Beim zweiten Großprojekt südlich von Köllitsch handelt es sich um eine „normale“ Deichinstandsetzung auf 1,7 Kilometer Länge. Dazu wird auf der Landseite Mutterboden abgetragen. „Der Auflastfilter, der beim Hochwasser 2006 geschüttet wurde, muss weg“, erklärt der Betriebsleiter. Der neue Deich wird etwas höher und die Deichkrone mit drei Metern viel breiter als bisher. Auch dazu muss jede Menge Erdreich herangefahren werden. „Wir benötigen 4000 Kubikmeter Material für den Stützkörper, 7000 Kubikmeter für den Deichkörper, 16 000 Kubikmeter Dränmaterial an der Luftseite als Filter und 12 000 Kubikmeter Material für den Oberboden“, zählt Bobbe auf. 

Lob vom Bürgermeister 

39 000 Kubikmeter sind also heranzufahren. Das sind extra noch mal 4000 Lkw-Ladungen. Auch dafür ist die Elbekies GmbH der Anlaufpunkt. 30 000 Kubikmeter Material vor Ort können wiederverwendet werden. Gesamtkosten hier: 4,5 Millionen Euro. Den Zuschlag hatte eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus der Eurovia und einer Spezialtiefbaufirma erhalten. Arzbergs Bürgermeister Holger Reinboth lobte bereits in der Vorwoche die immensen Investitionen des Freistaates in den Hochwasserschutz. Schon jetzt könnten sich die Arzberger bei Flut sehr sicher fühlen. 


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