Mittwoch, 11. Dezember 2019

 
Freitag, 22. November 2019

TORGAU

"Geschenkt? Lächerlich"

Zimmermann, Croy und Stange (v.l.n.r.).Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Im Torgauer Kreisi sprach Gert Zimmermann mit den beiden Fußball-Größen Jürgen Croy und Bernd Stange nicht nur über das 74er WM-Gruppenspiel der DDR gegen die BRD.

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„So, liebe Torgauer. Das Spiel ist angesetzt. Da müssen wir jetzt durch.“ Was bei Kultreporter Gert „Zimmi“ Zimmermann am Donnerstagabend im Torgauer Kreisi angesichts von nur etwa 50 Zuhörern wie ein gähnender Arbeitsauftrag klang, entpuppte sich als äußerst muntere Reise durch die Höhen und Tiefen des (DDR-)Fußballs. Denn neben „Zimmi“ hatten diesmal die Zwickauer Torwart-Legende Jürgen Croy und der ehemalige DDR-Nationaltrainer Bernd Stange Platz genommen, der auch gleich mit „Zimmis“ Verweis auf den Titel Weltenbummler nur wenig anfangen konnte. „Na ja, sechs oder sieben Länder waren es schon. Aber Weltenbummler? So groß bin ich nicht“, sagte Stange, der als Spieler einst bei Chemie Gnaschwitz im Amateurbereich Fuß fasste, zuletzt die syrische Nationalmannschaft trainierte und bei seiner Einschätzung, dass ein lauffauler Lukas Podolski nicht zur Spielweise des FC Arsenal passe, von Trainerfreund Arsène Wenger im Nachgang  einen anerkennenden Schulterklopfer erhielt.

Wollte Stange schon kein Weltenbummler sein, traf jene Bezeichnung schon gar nicht auf den dreimaligen DDR-Fußballer des Jahres Jürgen Croy zu, der auch in schweren Zeiten immer zu seiner BSG Motor/Sachsenring Zwickau hielt und sich heute mit Golfen, Ski- und Radfahren fithält. Obgleich immer in Zwickau beheimatet sei er nie rastlos gewesen, betonte der Olympiasieger von 1976. Dabei hätte er Dynamo Dresden doch so gut zu Gesicht gestanden, fand übrigens nicht nur Stange... Doch Croy war dummerweise nicht aus Zwickau rauszubekommen. Warum auch? „Ich war in einer tollen Mannschaft, hatte ein tolles Umfeld. Da geht man nicht weg“, begründete er seine Entscheidung, die in politischen Kreisen hohe Wellen schlug. Trotz großen Drucks blieb er standhaft, selbst dann noch, als ihm die Funktionäre mit 18 Monaten Militärdienst im Niemandsland drohten. Doch dank eines Fußball verrückten Betriebsdirektors im damaligen Trabantwerk – dieser habe sogar das Wort Streik in den Mund genommen – und dem Kompromiss, wenigstens in die Partei einzutreten, war der Druck aus dem Kessel. Na ja, und einen Auswahlspieler irgendwo versauern zu lassen, konnte sich der DDR-Fußball dann auch nicht leisten.

Auf die „Zimmi“-Frage, ob denn aus dem DDR-Fußball viel mehr rauszuholen gewesen sei, hatten Croy und Stange die gleiche Antwort parat: Nachdem die politische Führung den Fokus immer stärker auf den Medaillenspiegel gelegt habe, seien neben dem Fußball auch Mannschaftssportarten wie Feldhockey oder auch Basketball in der Gunst gesunken. Und trotzdem sei der tief in der Gesellschaft verwurzelte Fußball nicht tot zu kriegen gewesen. „Wir haben aus unseren beschränkten Mitteln noch relativ viel gemacht“, blickte Stange stolz zurück.

Im Gegensatz dazu laufe der Profi-Fußball heutzutage große Gefahr, seine Bedeutung selbst aus der Hand zu geben. Ins Astronomische steigende Spielergehälter und ein Rückgang der Zuschauerzahlen seien Alarmzeichen einer Fehlentwicklung. „Das muss man sich mal vorstellen: Sven Ulreich und Jann-Fiete Arp, die beiden Spieler mit der geringsten Gehaltsstufe bei Bayern München, bekommen noch immer 5 Millionen Euro pro Jahr. Dafür muss eine Oma lange stricken“, kritisierte Stange.

Auch Croy hält nichts von Multimillionären am Ball: „Die sind nicht mit dem Herzen dabei. Damit verliert der Sport sehr viel“, sagte der Zwickauer, dem es reiche, hin und wieder live bei einem DFB-Länderspiel dabei zu sein und samstags Spielausschnitte der Bundesliga in der ARD-Sportschau zu sehen. Pay-TV für Croy? Keine Chance.

Und wer bis zu jenem Abend immer noch einem Overath oder einem Vogts Glauben schenkte, die BRD habe das WM-Gruppenspiel 1974 gegen die DDR freiwillig aus der Hand gegeben, der bekam von Stange und Croy die Antwort: „Lächerlich!“


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