Samstag, 6. Juni 2020

 
Mittwoch, 22. April 2020

TORGAU

Trapschützin ist noch immer auf Kurs

Kathrin Murche beim Training. Foto: privat

Von unserem Redakteur Norbert Töpfer

Sportschießen. Trotz fehlender Wettkämpfe ist Kathrin Murche hochmotiviert und gibt in den Trainingseinheiten richtig Power.

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 Sollte es ganz dumm laufen, wird Trapschützin Kathrin Murche aus Mockritz im Landkreis Nordsachsen in diesem Jahr keinen Wettkampf bestreiten. Die Fünfte der Junioren-Weltmeisterschaft von 2018, die in diesem Jahr nach Ablauf der Startberechtigung in dieser Altersklasse sofort in die Frauennationalmannschaft berufen wurde, ist aber trotzdem hochmotiviert. 
Denn im Gegensatz zu vielen Aktiven anderer Sportarten kann sie als Mitglied der SGi Frankfurt/Oder auf den Anlagen dieses Klubs viermal in der Woche ohne Einschränkungen trainieren. Und zwar jeweils mit einer Teamkollegin. Zudem erhielt sie zuletzt auch die Erlaubnis zum Üben auf der Anlage des SSC Neiden. Das ist ihr Heimatverein, auf dem sie das Trapschießen – also das Treffen von fliegenden Tontauben - einst erlernte.  


Alle Höhepunkte abgesagt


Über Ostern indes reiste sie zu ihren Eltern nach Mockritz. „Dort werde ich auf der Anlage des SSC Neiden trainieren.“ Dafür, dass die 20-Jährige das darf, sorgte ihr Vater Andreas Murche, Trainer des SSC Neiden. „Ich habe die Erlaubnis, dass die Nationalmannschaftsmitglieder Paul Pigorsch, Marco Kross und Kathrin als Teil ihres Trainings auf unserem Schießstand üben dürfen, vom Staatsinnenministerium bekommen.“ Das ist die gute Nachricht. 
Die schlechte News: Zum jetzigen Zeitpunkt sind sämtliche Höhepunkte der drei Nationalmannschaftsschützen der Region Torgau abgesagt worden. Dazu zählen die Weltcups in Neu Dehli (Indien) und Baku (Aserbaidschan), die Europameisterschaft und auch die Deutsche Meisterschaft. Die nationalen Titelkämpfe wären zwar erst im September über die Bühne gegangen. Aber die Ausscheide dafür, beginnend auf Kreisebene, später Landesebene, können vorher aufgrund der Corona-Pandemie nicht ausgetragen werden. 
Das ist bitter für die Athleten, aber derzeit nicht zu ändern. Kathrin Murche versucht, das Beste daraus zu machen. Die junge Schützin darf auf der Schießanlage in Frankfurt/Oder von montags bis einschließlich donnerstags jeweils sechs Stunden trainieren. Jetzt kommt für sie auch noch die entsprechende Erlaubnis in ihrer Heimat hinzu. Diese Chance wird sie unter Aufsicht von Andreas Murche nutzen, weil stets ein Trainer oder Aktiver zur Sicherheit mit vor Ort sein muss. 
Übrigens, die junge Frau darf Frankfurt/Oder trotz der Corona-Beschränkungen verlassen, weil Mockritz ihr Hauptwohnsitz ist und die Stadt ihres Klubs praktisch als ihr Arbeitsort als Bundeswehrangehörige gilt. 
„Ich will gar nicht daran denken, dass in diesem Jahr möglicherweise keine Wettkämpfe stattfinden.  Aber hochmotiviert, bestmögliche Leistungen zu erreichen, bin ich trotzdem. Schließlich habe ich beim SGi Frankfurt/Oder super Bedingungen, um mich weiterzuentwickeln. Vormittags schieße ich mit der Flinte. Am Nachmittag absolviere ich zu Hause ein Krafttraining. Schließlich wiegt die Waffe vier Kilogramm.“ 
Das heißt, sie muss im Wettkampf zunächst 125 Mal schießen und für den Fall, dass sie das Finale erreicht, weitere 50 Schüsse absolvieren. Was einen respektablen Kraftakt bedeutet – besonders für die Frauen.  
Kathrin Murche hat zum Glück die zurückliegende Schulter-Operation gut verkraftet. Immerhin musste sie nach dem Eingriff im Oktober drei Monate pausieren. Ans Schießen war da nicht zu denken. 
Das Training läuft inzwischen planmäßig, auch wenn die Mockritzerin sich mal eine kleine Pause gönnt. Aber sie ist wieder voll auf sportlichem Kurs. Beim Schießen beeinträchtigt sie die operierte Schulter nicht mehr. „Aber manchmal habe ich noch Probleme bei der Bewegung“, sagt die Nordsächsin. Derzeit absolviert sie in Frankfurt einige sogenannte Kontrollwettkämpfe, in deren Rahmen echte Wettkämpfe in ihren Abläufen nachgeahmt werden.   
Besonders motivierend für die junge Schützin war die sofortige Berufung ins Nationalteam der Frauen, nachdem sie vorher bei den Juniorinnen aktiv war. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Athletin gleich von den deutschen Junioren in die erste Garnitur der Frauen aufrückt. Dennoch bleibt Kathrin Murche auf dem Teppich. 


Die deutsche Nummer drei


Das zeigt auch ihre schnelle Antwort auf die Frage, wie sie sich derzeit unter Deutschlands besten Trapschützinnen einordnet. „Ich glaube, dass ich nach Kathrin Quoos und Sarah Bindrich die Nummer drei bin.“ Die 22-jährige Bindrich vom SV Hubertus Schönebeck - Tochter von Ex-Weltmeister Karsten Bindrich (47) - ist die Deutsche Vizemeisterin bei den Junioren. Quoos ist bereits 33 Jahre alt, startet für die PSG zu Wittstock und ist bereits in der Weltspitze zu Hause. Sie qualifizierte sich 2005 als Juniorin für die Weltmeisterschaften und krönte neun Jahre später ihre internationale Karriere mit dem Weltmeistertitel 2014. 
Zurück zu Kathrin Murche. Sie hat aufgrund der wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Wettkämpfe mehr Zeit für ihren Freund, mit dem sie in Frankfurt/Oder zusammen lebt. „Wir unternehmen viel. Aber er muss sich auch aufs Abitur konzentrieren. 
Voll trainieren kann er als Gewichtheber im Gegensatz zu mir derzeit nicht.“ Am Ostersonnabend übte die Trapschützin unter Aufsicht ihres Vaters also in Neiden. Aber Tipps nimmt sie vom Papa nicht so gern entgegen, obwohl der immerhin Weltcupstarter Marco Kross trainiert. Für Ratschläge ist ihr Frankfurter Klubtrainer Werner Bichtemann da, der derzeit den kranken Karsten Beth vertritt. 


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