Samstag, 6. Juni 2020

 
Mittwoch, 22. April 2020

TORGAU

Weg vom Brett: Online-Schach geht immer

Schach ist auch bei Kinder beliebt, wie dieses Foto von den Kreis-, Kinder- und Jugendspielen zeigt. Foto: TZ/Archiv

Von unserem Redakteur Christian Kluge

Schach. Auf den verschiedenen Plattformen im Internet boomt das Spiel der Könige besonders zu Corona-Zeiten. Jung und Alt lassen sich dabei mitreißen.

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Jeden Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, knipst Heinz Neukirchen – seines Zeichens Schatzmeister bei den Schachfreunden Torgau – pünktlich um 21 Uhr seinen Computer an. „Dann spiele ich eine Stunde online bei chess24 Schach“, erzählt Neukirchen, ansonsten mit seinen 83 Jahren ältester aktiver Spieler seines Vereins. 

Denn während viele andere Sportler bei ihren Aktivitäten durch die Corona-Beschränkungen teilweise bis zum totalen Stillstand ausgebremst worden sind, gilt das für die Denksportler nicht. Die treffen sich nun zuhauf im Internet, spielen gegen bekannte oder unbekannte Gegner und können ihren Sport weiter ausüben. „Den Punktspielbetrieb in der Bezirksklasse Leipzig konnten wir natürlich nicht fortsetzen“, sagt Neukirchen. 

Dort steht Torgau bei noch zwei offenen Spieltagen mit fünf Mannschaftspunkten auf Rang fünf unter den neun Teams. Spitzenreiter ist die erste Vertretung vom TSV Kitzscher mit 13 Mannschaftspunkten. Die Torgauer Heimpartie gegen den SK Großlehna II am 29. März fiel aufgrund der Coronakrise aus. Für das Auswärtsspiel am 26. April bei der SG BiBaBo Leipzig II dürfte das auch gelten.

Spielbetrieb ruht

Denn schon am 6. April teilte der Schachverband Sachsen (SVS) auf seiner Homepage folgendes mit: „Aufgrund der weiterhin vorliegenden Gefährdungslage sind der Vorstand und der Landesspielausschuss der Überzeugung, dass Veranstaltungen des SVS bis mindestens Ende Mai nicht sicher stattfinden können. Dies bedeutet insbesondere, dass der Spielbetrieb weiterhin ruht und die Sachsenmeisterschaft der Frauen ebenfalls nicht Mitte Mai stattfindet. Aufgrund der zurzeit herrschenden Unsicherheit ist auch nicht absehbar, ob und unter welchen Umständen die bisherigen Veranstaltungen nachgeholt werden oder die kommende Spielsaison stattfinden kann. Ebenfalls können derzeit noch keine Festlegungen zu Auf- und Abstiegsregelungen getroffen werden, da die Verfahrensweise aus den oberen Spielklassen noch unbekannt ist. Hierzu werden wir Bekanntmachungen mit entsprechenden Meldefristen an alle Vereine versenden, sobald dies für uns vertretbar erscheint.“ Außerdem gibt es deshalb auch noch keinen SVS-Terminplan für 2020/21.

Was tut nun der interessierte Schachfreund angesichts dieser Aussage? Richtig: Er geht ins Internet und sucht dort Gleichgesinnte. Davon gibt es reichlich. Allein 35 Millionen Mitglieder hat Marktführer chess.com – und täglich werden es viele tausend mehr. Anmelden ist total einfach, kostet nichts und nach drei Minuten kann man loslegen mit dem ersten Spiel. Auch gegen den Computer, wenn das gewünscht ist.

„Bei chess24 wird mir immer ein passender Gegner zugeordnet“, sagt Heinz Neukirchen, „je nach der jeweiligen Einstufung.“ Gewinnt der Torgauer Senior, wird der nächste Gegner schwerer, verliert er, gibt es Punktabzug und die nächste Partie vielleicht ein bisschen leichter. Und da man beim Online-Schach nicht reden muss, kommen Spieler aus der ganzen Welt auf diesen Plattformen zusammen.

„Andere aus unserem Verein sind auch online unterwegs“, weiß der Schatzmeister, der mit seinen 83 Jahren immer noch geistig topfit ist. Fünfmal trat Neukirchen in der Saison 2019/20 vorwiegend an Brett sechs an und holte drei Remisen für die Torgauer heraus. „Aber wenn ich abends mit dem Online-Spiel aufhöre, dann bin ich immer total aufgeregt.“ An Brett eins agiert bei den Torgauern übrigens Reinhard Nosek, der in der Vergangenheit auch schon mal Sachsenmeister war und Vorsitzender der Schachfreunde Torgau ist.

14 Vereinsmitglieder

„Aktuell haben wir leider nur 14 Vereinsmitglieder“, berichtet Heinz Neukirchen. Es gibt zwar in den Torgauer Schulen Schach-Arbeitsgemeinschaften, aber „es ist kompliziert, junge Leute für unseren Sport zu gewinnen“. Ein Grund bei den Jugendlichen könnte sein, dass die Punktspiele in der Bezirksklasse am Sonntagmorgen ab neun Uhr ausgetragen werden. Also vielleicht drei Stunden nach der Rückkehr aus der Disco. Das passt dann nicht ganz so gut rein in den Wochenend-Tagesablauf.

Leise Hoffnung

Bei den Kreis-, Kinder- und Jugendspielen im Schach finden sich aber schon mal über 30 kleine Denksportler ein. Termin in diesem Jahr ist dafür am 6. Juni – und die Austragung entsprechend fraglich. Eingerührt ist aber alles schon längst, denn bis Anfang Dezember 2019 mussten die Veranstalter schon ihre Anmeldung beim Kreissportbund Nordsachsen einreichen für die geplanten 17 Sporttage zwischen dem 5. und 21. Juni.

Zurück zum Sportbetrieb bei den Torgauer Schachsportlern: „Unsere Saison beginnt normalerweise immer im September“, sagt Neukirchen. „Und Ende Dezember steigt dann unser Blitzschachturnier.“ Das ist übrigens offen auch für Spieler, die keinem Verein angehören. Bis zum Start der neuen Schach-Punktspielsaison in fünf Monaten dürfte sich der Sportbetrieb in Deutschland wohl wieder normalisiert haben. Hofft nicht nur die TZ-Sportredaktion.


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