Samstag, 6. Juni 2020

 
Donnerstag, 14. Mai 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Uwe Narkunat: "So ist kein Kino möglich"

„Wir stricken an einem Konzept für die Zukunft nach Corona, das der Kulturbastion und ihrem Program entspricht.“Foto: SWB

Von unserem Redakteur

Torgau. Im Interview erklärt Uwe Narkunat, Geschäftsführer der Torgauer Kulturbastion, warum das Kino noch geschlossen bleibt und das Jugendzentrum wieder öffnet...

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Torgau. Im Interview erklärt Uwe Narkunat, Geschäftsführer der Torgauer Kulturbastion, warum das Kino noch geschlossen bleibt und das Jugendzentrum wieder öffnet.

 

SWB: Wie kommen Sie persönlich durch die Corona-Krise?
Uwe Narkunat:
Eigentlich ganz gut. Wir können froh sein, in Deutschland nicht so schwer betroffen zu sein wie Italien, Spanien oder die USA. Die eingeleiteten Maßnahmen waren vom Grundsatz her richtig.Wir mussten unser gesamtes Programm neu aufstellen. Zudem können wir die Technik instand setzen und bereits länger geplante Wartungs- sowie Renovierungsarbeiten durchführen. Zu tun gibt es genug. Dinge, die während des normalen Veranstaltungsbetriebes liegengeblieben sind, können erledigt werden.

 


Was hat der Lockdown für die Torgauer Kulturbastion bewirkt?
Wir haben bereits am 13. März unseren kompletten Veranstaltungsbetrieb eingestellt, sodass bis heute alle Konzerte und Filmvorführungen ausfielen. Schon damals konnten wir die Auflagen nicht in der Kürze umsetzen. Kultur zudem in einen nicht systemrelevanten Bereich, also als unwichtig zu definieren, war mir neu. Kultur hat viele gesellschaftliche Prozesse eingeleitet und beflügelt. Musik verbindet, verheißt Internationalität und Weltoffenheit. Darüber mache ich mir Gedanken. Auch darüber, dass viele Künstler zurzeit keine Einnahmen haben.


Ab Freitag dürfen auch Kinos mit entsprechendem Hygienekonzept wieder öffnen. Was müssten Sie tun?
Der Eingangsbereich muss umgebaut und Desinfektionsstellen eingerichtet werden. Alles muss und soll kontaktlos passieren. Dafür müssen entsprechende Barrieren gebaut und Wege definiert werden.  Und ob wir unsere bewährte Gastronomie betreiben dürften, wissen wir nicht.


Was wäre überhaupt möglich?
In unserem Kino mit seinen 89 Plätzen dürfte aufgrund der Abstandsregel nur jeder dritte Platz besetzt werden. Wie sich jeder ausrechnen kann, könnten wir nur ein Drittel der Kapazität auslasten.


Kommt diese Art der Lockerung vielleicht doch zu früh?
Vorher müssen, neben den bekannten Auflagen, viele andere Dinge geklärt werden. Theoretisch ist vieles gut und schön, praktisch schlichtweg kaum umzusetzen. Ich habe momentan teilweise den Eindruck gewonnen, dass ein Wettbewerb im Überbieten unter den Bundesländern, was die Lockerungen betrifft stattfindet. Jeder macht es ander. Es gibt keine klare und einheitliche  Strategie. Ich denke, dass die jetzigen Lockerungen aufgrund der verstärkten Demonstrationen der letzten Tage auch eine Ventilwirkung haben sollen. Bleibt zu hoffen, dass der teilweise berechtigte Protest nicht von Extremisten und Verschwörungstheoretikern vereinnahmt wird.  


Was befürchten Sie generell für die Kulturbranche?
Wenn sich die Behörden einmal in die Situation von Kulturbetrieben und Kulturschaffenden hineinversetzen würden, würden sie feststellen, dass eine Kinovorstellung, oder eine Kulturveranstaltung prinzipiell unter diesen Umständen mit eventueller Maskenpflicht für die Besucher kein Erlebnis ist. Dazu kommt, dass die Filmverleiher die Starttermine für die Filmneuerscheinungen bis in den Juli verschoben haben. Dass Kinobetreiber ihre Säle nicht auslasten dürfen, ist das eine. Andererseits müssten dennoch die Besucherströme mit einem Personalmehraufwand kanalisiert werden. Außerdem ist die Versorgung im Kino nicht gewährleistet. Unter diesen Umständen ist kein Kino möglich.


Sie wecken also keine falschen Hoffnungen?
Nein, wir suchen nach einer Lösung. Die werden wir aber nicht von Heute auf Morgen finden. Ein Kinobetreiber äußerte einen bemerkenswerten Satz: „Weil wir Kino lieben, machen wir unter diesen Umständen kein Kino.“ Dem kann ich mich nur anschließen: Jede Vorstellung, jeder Film hat sein eigenes Flair.


Also bleibt die Kulturbastion weiter geschlossen?
Nein, wir werden demnächst unser Jugendzentrum wieder öffnen. Ein entsprechendes Konzept haben wir beim Ordnungsamt eingereicht und bestätigt bekommen, sodass wir Workshops für Gruppen bis zu fünf Teilnehmer*innen anbieten können.


Wann rechnen Sie damit, wieder Konzerte und Open Airs veranstalten zu können?
Wir hoffen darauf, den Betrieb ab August wieder aufzunehmen. Die für Juni und Juli geplanten Open Airs wurden auf das Jahr 2021 verschoben. Der Ticketverkauf ist momentan komplett eingebrochen. Werbung ist ebenfalls schwierig, da wir nicht wissen, was wirklich geht und was nicht. Persönlich bin ich froh, dass Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen wieder öffnen dürfen.


Bleiben die bereits abgeschlossenen Verträge mit Künstlern und Bands weiter bestehen?
Auf alle Fälle, ja. 90 Prozent der Veranstaltungen werden nachgeholt. Wir haben uns lange Zeit um Größen wie Andreas Rebers und Subway to Sally bemüht: Es wäre echt schade, wenn sie nicht in Torgau auftreten würden. Vieles lässt sich einvernehmlich regeln.
 

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