Samstag, 6. Juni 2020

 
Freitag, 22. Mai 2020

NORDSACHSEN

In Zeiten von Corona…#53

In Zeiten von Corona…Foto: Repro: TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

…müssen wir aufpassen, dass die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus nicht gefährlicher wird, als das Virus selbst. Er kürzlich hat der Chefarzt des Torgauer Kreiskrankenhauses im Interview mit der TZ davor gewarnt, wichtige Behandlungen aufzuschieben. In einem Interview hat mir die Torgauer Allgemeinmedizinierin Dr. Petra Hönigschmid nun die gleich Botschaft übermittelt und erklärt, warum es sicher ist, zum Arzt zu gehen.

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In Zeiten von Corona…

…müssen wir aufpassen, dass die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus nicht gefährlicher wird, als das Virus selbst. Er kürzlich hat der Chefarzt des Torgauer Kreiskrankenhauses im Interview mit der TZ davor gewarnt, wichtige Behandlungen aufzuschieben.

Nun hat mich Dr. Petra Hönigschmid vom Torgauer Ärztenetzwerk in einem Interview genau auf dieses Problem erneut aufmerksam gemacht. Ihre Botschaft lautet: Die Praxen von Allgemein- und Fachärzten haben sich auf die Situation eingestellt und unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen zurück im Normalbetrieb.  Natürlich verstehen die Ärzte die Sorgen ihrer Patienten – der Respekt vor dem Virus und einer möglichen zweiten Infektionswelle ist da.

Doch ein Blick auf die aktuellen Zahlen genügt dennoch, um den Arztbesuch begrenzt besorgt in Angriff zu nehmen: Seit einer Woche gibt es im Altkreis Torgau keinen Corona-Fall mehr; in ganz Nordsachsen sind es seit Tagen wieder einen Anstieg: von zwei auf drei Fälle.

Lesen Sie hier das komplette Gespräch mit Dr. Petra Hönigschmid:

TZ: Klappen die Torgauer Ärzte das Kapitel Corona einfach zu, und alles ist wie vorher?
 

Dr. Petra Hönigschmid: Natürlich nicht. Dank der großen Disziplin der Bevölkerung und der geringen Bevölkerungsdichte, aber auch mit etwas Glück sind wir in dieser 1. Phase in Nordsachsen mit einem blauen Auge davon gekommen.

Das Thema Corona wird uns aber noch über Monate begleiten. Ziel ist es, dennoch eine Normalität herzustellen. Denn die übrigen Erkrankungen gibt es weiter, und es ist wichtig, dass sie behandelt werden.

Was bedeutet Normalität konkret?

Die Praxen öffnen zu den gewohnten Zeiten, die ärztliche Tätigkeit  läuft im gewohnten Rhythmus. Bestellsysteme funktionieren wie immer, die zuletzt eingestellten regulären Hausbesuche werden schrittweise wieder aufgenommen.

Gibt es das Phänomen, dass notwendige Arztbesuche wegen Corna-Angst verschoben wurden?

Ja, gerade die älteren Menschen sind vor allem durch die Berichterstattung in den Medien stark verunsichert. Die Angst, zum Beatmungsfall zu werden, war und ist groß. Aus dem Bereich der Haus-und Fachärzte ist mir zugetragen worden, dass wichtige Kontrolltermine nicht wahrgenommen wurden, weil Patienten fürchten, sich beim Warten anzustecken. Dieses Zögern kann fatale Folgen für die Gesundheit haben.

Nehmen Sie den Menschen diese Angst: Was hat sich in den zurückliegenden Wochen geändert?

Die Praxen sind gut ausgestattet. Es gibt genügend Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken. Viele haben ihre Anmeldebereiche verglast und spezielle Infektonszimmer eingerichtet, wo Patienten mit Infekten behandelt werden. Die Wartebereiche sind den geltenden Vorgaben angepasst.

Alles ist bestens organisiert, die Wartezeiten sind gering und in den Praxen besteht keine Ansteckungsgefahr.

Man hat den Eindruck, dass sich die Sehnsucht nach Sicherheit oft auch im ständigen Tragen der Masken manifestiert.

Die normalen Masken, ob Einweg oder genäht, dienen dazu, den Mitmenschen zu schützen, nicht den Träger.

Wichtig ist, dass die Patienten die Masken richtig tragen: Die Nase muss bedeckt sein, die weiße Seite nach innen zeigen, die farbige nach außen. Und bitte die Masken nicht ständig tragen, sondern nur in Bereichen, wo es vorgegeben ist.
Es ist absolut falsch, sie im Freien zu tragen.

Frische Luft ist gerade wichtig. Wer Stoffmasken benutzt, sollte zudem daran denken, sie regelmäßig zu reinigen.

Werden Sie im Alltag mit Fragen zu diesem Thema konfrontiert?

Die Kollegen und ich legen sogar Wert darauf. Vertrauen ist in diesen Tagen enorm wichtig. Mein Bitte an die Patienten ist deshalb, dass sie sich bei Fragen an Menschen wenden, denen sie dieses Vertrauen entgegenbringen können.

Und das sind im Zweifelsfall ihr Arzt oder der Apotheker.

Welche Rolle spielt Corona aktuelle in der täglichen Arbeit?

Das Thema an sich spielt eine große Rolle, konkrete Covid-19-Erkrankungen gibt es derzeit keine. Die Infektionskrankheiten gehen aktuell insgesamt zurück.
Wir wissen aber einfach nicht, wie sich die Situation infolge der Lockerungen entwickelt.

Ich bin deshalb der Meinung, wir sollten nicht zu großzügig mit den wieder erlangten Freiheiten umgehen und den Respekt vor dem Virus nicht verlieren.

Grundsätzlich heißen Sie die Lockerungen gut?

Sie sind sinnvoll, denn sie erlauben Menschen, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Insbesondere für Menschen, die alleine leben ist das wichtig.  Außerdem tun sich in der Isolation neue Krankheitsbilder auf. Depressionen nehmen zu, die Agressionen werden größer.

Aber natürlich verlangt dieses Plus an Freiheit von den Menschen, dass sie verantwortungsbewusst handeln. Das bedeutet eben auch, dass bestimmte, jetzt erlernte Verhaltensregeln zur Normalität werden.

Unter welchem Blickwinkel verfolgen Sie die Diskussion um eine Corona-Impfpflicht?

Ich hoffe, dass der Impfstoff bald kommt, denn er ist die einzige Chance, die Pandemie komplett zu stoppen. Es sollte aber jeder selbst darüber entscheiden können, ob er geimpft werden will. Nur: Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser ist es für die, die nicht geimpft sind.


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