Dienstag, 20. Oktober 2020

 
Freitag, 18. September 2020

TORGAU

"Bäume stehen unter Stress"

Christian Huster: „Die Wälder heizen sich durch die Trockenheit auf, die Käfer vermehren sich ungebremst.“ Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur H. Landschreiber

Staupitz. Christian Huster, zuständig für den Privat- und Körperschaftswald beim Staatsbetrieb Sachsenforst und Revierleiter in Schildau erklärt, warum es dem Wald schlecht geht und warum es einen Waldbesitzertag geben wird.

 

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SWB: Dürre, Stürme, Waldbrände, der Borkenkäfer, Corona – liegt der Wald auf der Intensivstation oder dem Sterbebett, Herr Huster?
Christian Huster:
Irgendwo dazwischen. Die Stürme der vergangenen Jahre haben so genannte „Windlöcher“ in die Wälder gerissen. Vor allem an den Rändern. Die Bäume stehen extrem unter Stress durch die fehlenden Niederschläge. Man kann sich das so vorstellen: Bei uns Menschen fließt Blut in den Adern, bei den Bäumen Harz. Durch die Trockenheit ist es nicht flüssig, die Bäume verlieren ihre Abwehrkräfte. Mittlerweile sind auch Laubbäume wie Buchen oder Traubeneichen betroffen. Dabei sollten gerade Laubbäume den Wald hierzulande retten. Aber viele Arten brauchen es kühl und feucht. Durch die anhaltende Trockenheit leidet generell das Wachstum der Bäume.


Was bewirken die „Windlöcher“, von denen Sie sprachen?
Geschlossene Wälder lassen die Sonne und den Wind quasi draußen. Durch diese Lücken – also die Windlöcher – in der Einheit Wald entsteht ein Eigenklima, was die Borkenkäfer-Population explosionsartig ansteigen lasst. Die Wälder heizen sich auf, die Käfer vermehren sich ungebremst.
 

Was bedeutet das genau?
Gab es vor gar nicht allzu langer Zeit zwei Käfer-Generationen pro Jahr, sind es heute schon dreieinhalb. Zum besseren Verständnis sei gesagt, dass die geschlüpften Jungkäfer den bzw. die nächsten Bäume befallen. Der Baum, in welchem sie sich entwickelten, ist nach dem Ausflug nicht mehr brutfähig, da er abstirbt und zu trocken ist, fällt die Rinde ab. Aus einem Käferweibchen können im Idealfall 100 000 Nachkommen entstehen.
 

Wie stellt sich der Ist-Zustand in Ihrem Schildauer Revier dar?
Die 1200 Privat-Waldbesitzer beklagen auf ihren 5500 Hektar Waldfläche 300 000 Festmeter Schadholz.
 

Wie hoch lassen sich die Schäden beziffern?
Der Schaden des Waldsterbens liegt im Revier Schildau ungefähr bei zwölf Millionen Euro bei der Holzentwertung und über drei Millionen Euro für die Wiederaufforstung. Zuwachsverluste sind hier noch gar nicht berücksichtigt. Legt man die weitere Wertschöpfungskette und den damit verbundenen Ausfall von Arbeitsplätzen und Unternehmensgewinnen zugrunde, vervielfacht sich der Wert, auch auf entgangene Steuereinnahmen.
 

Was raten Sie Waldbesitzern, bzw. welche Hilfe kann  Ihre Behörde anbieten?
Es gibt es eine neue Förderrichtlinie, die wir am 26. September auf dem Waldbesitzertag im Volks-haus Schildau vorstellen möchten.  
 

Was beinhaltet diese Richtlinie?
In erster Linie die Stärkung der Widerstandsfähigkeit und den ökologischen Wert der Wälder sowie den Schutz der Naturgüter im Wald. Zudem die Überwindung struktureller Bewirtschaftungshemmnisse im Privatwald und die Verbesserung der Absatzbedingungen, die Waldflächenmehrung durch Erstaufforstung sowie die Förderung von Waldschutzmaßnahmen zur Bewältigung von Extremwetterfolgen. Das heißt auch: Eigenleistungen der Waldbesitzer sollen gefördert werden.
 

Sie sprachen ihn  an, den Waldbesitzertag am 26. September im Volkshaus Schildau: An wen richtet sich das Angebot, was erwartet die Besucher?
Es ist eine vollumfängliche Informationsveranstaltung für alle Privat-Waldbesitzer. Vor Ort werden viele kompetente Ansprechpartner und Spezialisten vom Staatsbetrieb Sachsenforst sein. Am Nachmittag ist eine Exkursion geplant. Sie soll zeigen, wie der Wald der Zukunft aussehen soll.
 

Und wie sieht dieser aus?
Reine Wirtschaftswälder wird es nicht mehr geben. Das Schadholz bringt kein Geld, muss aber mit hohem Aufwand geborgen werden. Für viele Waldbesitzer ist es ein Minusgeschäft, weil laufende Kosten – wie beispielsweise das Instandhalten der Wege – dennoch zu begleichen sind. Dazu kommt, dass die Kosten für Pflanzmaterial um das vier- bis fünffache gestiegen sind. Deutschlandweit sind 300 000 Hektar von Schadholz betroffen.
 

Welche Rolle spielt der Wald, außer ein Wirtschaftsfaktor zu sein?
Man muss sich einmal vorstellen, dass der Wald 127 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr bindet. Dazu kommt die hohe Sozial- und Schutzfunktion des Waldes als Ort der Erholung. In Deutschland können wir froh über das Wald-Betretungsrecht sein. Das ist in Europa nicht überall selbstverständlich.
 

Aktuell lockt die Pilzzeit in die Wälder, was gilt es zu beachten?
Buchen und Birken zeigen durch die lange Trockenheit Zerfallserscheinungen, dass heißt, man sollte den Blick auch mal nach oben richten, um nicht von Totholz verletzt zu werden. Nach wie vor gilt, sich verantwortungsbewusst im Wald zu bewegen.

Alle Welt redet vom Klimawandel …
Diesbezüglich bin ich gespannt, wie der Klimawandel weiter voranschreitet. Wir wissen es nicht so richtig. Fakt ist: Probleme gibt es nicht nur vor der Haustür, auch Amazonien und Sibirien brennen. Die „grüne Lunge“ der Erde ist massiv bedroht. Durch die fehlenden Niederschläge während der Vegetationszeit wird die Verdunstung höher. Dazu besteht ein akutes Grundwasserdefizit. Aktuell liegt stellenweise eine 25 Zentimeter hohe Schicht mit Laub und Nadeln vor den Bäumen. Wir haben mit 15 Litern Wasser auf einem Quadratmeter vergeblich versucht, diese Schicht zu durchdringen. Was ich sagen möchte: Es müsste langanhaltend regnen, um die Wurzeln der Bäume, die sich 1,80 Meter Tiefe befinden, zu erreichen. Eine Buche benötigt 300 Liter Wasser täglich.

¦    Waldbesitzertag am Samstag, dem 26. September, ab 9.30 Uhr im Volkshaus Schildau.


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