Dienstag, 20. Oktober 2020

 
Mittwoch, 23. September 2020

TORGAU

"Vergiss dieses Jahr und arbeite am neuen, als wäre nichts gewesen"

Thomas Richter geht mit dem IN FLAMMEN im kommenden Jahr erneut an den Start.

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Das 15. IN FLAMMEN-Open Air im Torgauer Entenfang fiel in diesem Jahr Corona zum Opfer. Trotzdem packt Veranstalter Thomas Richter aus Torgau für 2021 schon wieder den Rucksack. Seit dem 1. September läuft der Vorverkauf für die in Metal-Kreisen als höllische Gartenparty gefeierte Veranstaltung.

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TZ: Herr Richter, die Veranstaltungsbranche erholt sich nur langsam von dem Lockdown. Wie haben Sie die zurückliegenden Wochen erlebt?

 

Thomas Richter: Es waren tatsächlich schwierige Monate. Vor, während und auch nach dem Lockdown. Sehr lange Zeit hegte ich die Hoffnung, das IN FLAMMEN 2020 mit allen feiern zu können. Die Wochen vergingen und die Nachrichten wurden nicht besser. Irgendwann ging es aber nicht mehr anders. Das einzig Vernünftige war die Absage. Da gab es zu viele Dinge, die hätten schiefgehen können. An dieser Stelle ist mir auch der faire Umgang mit meinen Besuchern sehr wichtig. Der Schutz ging ganz klar vor. Aber es gab auch Gutes. Die Entschleunigung war für die Seele mal echt gut.

 

Der Vorverkauf fürs Jubiläumsfestival ist angelaufen. Haben die Fans eher vorsichtig reagiert oder wurden Sie von den Anfragen schlichtweg erdrückt?

 

Ich sagte mir: „Vergiss dieses Jahr und arbeite am neuen, als wäre nichts gewesen.“ Somit begannen wie gewohnt Vorverkauf und Vorbereitungen für unsere Gartenparty 2021. Die Chance haben bereits einige genutzt. Sogar eine Bestellerin aus Schweden ist dabei. Da staune ich immer wieder. Ebenso wird es wieder Besucher aus Chile geben.

 

Wie schafft man es als Einzelperson, mit einem durch die Absage bedingten dicken Minus für das 2021er Event die Kohle auf den Tisch zu legen?

 

Naja, Hobbys kosten nun einmal Geld. Trotzdem ist es schon schwierig. Das muss man ehrlich zugeben. Mit einem Schlag gab es null Einnahmen. Weder bei mir, noch bei anderen Veranstaltern und dies quer durch die gesamte Branche. Ausgaben beispielsweise für Werbung, Flüge, Vorab-Gagen oder auch Material gab es dennoch. Kosten, welche an keiner Stelle ersetzt werden. Wie immer hoffe ich auf die Unterstützung aller. Mir ist dabei aber wichtig, dass alle im kommenden Jahr wiederkommen.

 

Spürten Sie bei den angefragten Bands eine Solidarität Ihnen gegenüber?

 

Da es ein globales Problem ist, war es relativ unproblematisch. Verständnis herrschte auf allen Seiten. Durch verschiedene Dinge wie beispielsweise Tourplan-Änderungen wird es 2021 ein paar wenige Änderungen am Billing geben. Im Gesamten gehen aber alle anderen Bands mit Freude im kommenden Jahr in Torgau an den Start.

 

Haben Fans auf die Rückerstattung ihres Tickets verzichtet?

 

Es gab ein paar Rückerstattungen. So etwas könnte in Masse aber einem das Genick brechen. Aktuell hält sich dies im Rahmen, was mir zeigt, dass in der Szene ein großer Zusammenhalt existiert. Eine dieser unsagbare großen Gesten ist, dass sich Leute ihr Ticket von 2020 einfach an die Wand nageln und sich ein neues zur Unterstützung kaufen.

 

Hat Corona mit Blick aufs kommende Jahr an den Gagen der Bands gekratzt?

 

Dies ist ein schwieriges Thema. Künstler müssen ja ab einer gewissen Größe davon leben können. Aber auch Besucher hat es zu großen Teilen getroffen. Als Veranstalter steht man vor einigen Risiken und Verlusten. Ich selbst stecke aktuell in Kurzarbeit – wenn auch mit guten Konditionen. Doch zurück zu den Bands. Verhandlungen um Gagen sind Kampf und Krampf. Ich selbst war da als Musiker immer Idealist. Doch an diesem Punkt treffen Welten aufeinander. Mir waren Gagen sowas von egal. Musik ist ja mein Hobby. Das sehen andere natürlich ganz anders. Grundsätzlich zählt bei mir aber immer der Handschlag. Ausgemacht ist ausgemacht. Somit werden alle ihre für 2020 ausgemachten Gagen auch 2021 erhalten.

 

Könnte das Problem auftreten, dass im kommenden Jahr Bands deutlich weniger bei Auftritten bekommen, weil sich die Auftritte aus 2020 auch noch ins kommende Jahr schieben und somit ein Überangebot da sein könnte?

 

Was eine Band bekommt, ist immer Verhandlungssache und steht in keinem Katalog dick gedruckt.

Irgendwo muss man sich finden und dann passt es auch für beide Seiten. Ich denke, dass es für viele Bands in 2021 sehr schwer, vielleicht sogar noch schwieriger als sonst sein wird, irgendwo auf ein Festival zu kommen. Die meisten Festivals übernehmen das 2020er Billing ins nächste Jahr. Das wird es Bands, die 2021 planen, auf Tour zu gehen oder Shows zu spielen, um eventuell auch noch ein neues Album zu promoten, sehr schwer machen. Das dadurch aber  generell die Gagen sinken könnten, glaube ich nicht.

 

Sind alle Bands für das IN FLAMMEN 2021 bereits gebucht?

 

Es waren selbst für 2020 noch nicht alle gebucht. Somit bleibt es auch im kommenden Jahr spannend. Ich lasse mir für den Bookingprozess ganz bewusst sehr viel Zeit. Es muss am Ende für mich einfach alles stimmig und gut sein. Ich kann aber schon verraten, dass PARADISE LOST, MOD, SAMAEL, MACABRE und beispielsweise auch ARCHGOAT dabei sein werden.

 

Wacken als unumstrittene Branchengröße hat in diesem Jahr mit einer virtuellen Bühne und der Übertragung der Auftritte im Netz experimentiert. Könnte das zumindest in der Krise die Zukunft sein?

 

NEIN! Um Himmels willen! Festivals gehören auf eine Wiese, mit Bands, Besuchern und allem was dazugehört. Das Gemeinschaftliche, das Treffen von alten und neuen Bekannten ist so wichtig und nicht ersetzbar. Jahr für Jahr den Leuten zu zeigen, dass es auch ohne den typischen, eingesperrten Festivalrummel gehen kann, liegt mir nach wie vor am Herzen. Metal steht für Freiheit und genau dies verkörpert das IN FLAMMEN-Open Air.

    

Gespräch: Christian Wendt

 

Das IN FLAMMEN breitet sich im kommenden Jahr vom 8. bis 10. Juli im Torgauer Entenfang aus. Für das Open Air bewerben sich nach Angabe von Thomas Richter jährlich etwa 1000 Bands. Letztlich schaffen es 39 auf die Bühne. Mehr will Richter nicht. 39 klinge eben noch nicht nach Mainstream, betont er mit einem Augenzwinkern immer wieder.


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