Dienstag, 11. August 2020

 
Donnerstag, 16. Juli 2020

TORGAU

In der Fremde stets zuhause

Selbstgebrannter Schnaps beim Schwesternmahl-Fest der silbergehörnten Miao. Foto: Geralf Pochop

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Jahrelang bereiste Geralf Pochop die Welt und dokumentierte verschiedene Rituale und Feste. Nun wurde das Ergebnis auf einer Projekt-Internetseite veröffentlicht.

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Dutzende Personen hingen vor wenigen Wochen an Geralf Pochops Lippen, als dieser vor dem Brückenkopf von seiner Vergangenheit als Punk in der DDR erzählte.  Doch nicht nur von seinem Kampf mit der Obrigkeit hat der heute 56-jährige einige spannende Geschichten zu erzählen. Parallel zu seiner Tätigkeit als Autor arbeitet Pochop auch an einer Website, die sich mit Festen und Ritualen in aller Welt auseinandersetzt. In den letzten 30 Jahren war er in den unterschiedlichsten Kulturkreisen unterwegs und lernte dort nicht nur die Menschen kennen, sondern dokumentierte auch deren Lebensweisen. Sein Material wird nun aufbereitet und online gestellt. Schon jetzt lassen sich zahlreiche interessante Bilder betrachten, mehr sollen noch folgen.

Büffelhorn-Miao in den Bergen Guizhous.

 

Die Freiheit genutzt

Begonnen hat Geralf Pochops Leidenschaft für Reisen, wie bei vielen DDR-Bürgern auch, mit der politischen Wende. Doch während meist Österreich, Italien oder Frankreich die Reiseziele der Wahl waren, zog es Geralf Pochop in die weite Ferne. „Sobald ich reisen durfte, machte ich das auch“, blickt er heute zurück. Viele Jahre war er so auf dem asiatischen Kontinent unterwegs, abseits der touristischen Pfade. Sein Fokus lag dabei stets auf den Menschen und ihrem Leben. So wohnte er zum Beispiel einem Osterfest katholischer Tibeter im chinesischen Dimaluotal bei, lernte in Ubud in Indonesien das balinesische Neujahr mit dem Namen „Tag der Stille“ kennen und nahm am Maskentanz  auf dem Karsha Klosterfest im indischen Zanskar teil. Unglaubliche Erfahrungen, die sowohl Geralf Pochop als auch seine Frau, mit der er die meisten seiner Reisen durchführte, nicht missen möchten.

Familienfoto beim Schwesternmahl-Fest der silbergehörnten Miao.

 

Reise in den Dschungel

Eines der wohl spannendsten, aber auch gefährlichsten, Erlebnisse machten Geralf Pochop und Frau Ute in Indonesien. Genauer auf der Insel Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo. „Wir wollten dort das Volk der Dayak besuchen. Diese leben auf dieser Insel im Dschungel und werden deshalb oft von den Indonesiern nur als Waldmenschen bezeichnet.“ Von einer Freundin bekamen die beiden den ungefähren Weg auf einer Karte aufgezeichnet und machten sich dann auf die beschwerliche Reise. „Dort gibt es kaum Straßen, alle Hauptverkehrsrouten laufen über die Flüsse. Also haben wir uns einen Platz auf einem Boot  mit hunderten anderen Menschen ergattert. Wir waren tagelang unterwegs, eingequetscht auf diesem Boot, bis es dann irgendwann auf dem Fluss nicht mehr weiterging und wir an Land mussten.“

Als sie das überfüllte Boot verließen, waren die Strapazen jedoch noch lange nicht vorbei. „Wir gerieten dann in eine Kontrolle des Militärs, die uns zuerst fragten, wo wir hinwollen und dann, als wir unser Reiseziel verrieten, direkt unsere Pässe abnahmen. Das war richtig gruslig, da waren wahnsinnig viele Soldaten unterwegs.“ Pochop und seine Frau durften die Reise fortsetzen, allerdings ohne ihre Reisepässe. Nachdem sie sich dann einige weitere Tage durch den Dschungel schlugen, erreichten sie endlich das Dorf und wurden dort für die beschwerliche Reise belohnt.

Beim Klosterfest in Ladakh.

 

Zu Gast bei den Waldmenschen

„Es war wirklich toll. Wir wurden herzlich vom Häuptling empfangen und bekamen tolle Einblicke in die Kultur der Dayak. So durften wir unter anderem ein schamanisches Medizinritual miterleben. Eine beeindruckende Erfahrung.“ Besonders lange waren die beiden Reisenden jedoch nicht zu Gast bei den „Waldmenschen“, denn nach ein paar Tagen mussten sie wieder zurück, um bei dem Militärstützpunkt ihre Pässe zurückzuholen. „Wir wollten eigentlich von dort aus noch tiefer in den Dschungel eindringen, was dann allerdings aufgrund der Militärpräsenz nicht ging. Also mussten wir unter strenger Bewachung wieder zurück auf das Boot und den gleichen Weg zurücknehmen, auf dem wir gekommen waren.“

Warum dort so viele Soldaten unterwegs waren, eröffnete sich Geralf Pochop erst später, als er wieder in Deutschland angekommen war. „Zu der Zeit, im Jahr 2000, kam es in diesem Gebiet wohl immer wieder zu Aufständen der Dayak gegen Holzfäller, die den Dschungel rodeten und damit den Lebensraum dieses indigenen Volkes vernichteten. Wahrscheinlich dachten die Militärs, wir kämen von irgendeiner Menschenrechtsorganisation oder dergleichen. Zum Glück haben wir es da wieder heil nach Hause geschafft.“

Geralf Pochop im Jahr 2000 zu Gast im Dayak-Dorf.

 

Das Reisefieber brennt noch

Geschichten wie diese hat Geralf Pochop Dutzende zu erzählen.  Und um diese Einblicke in die spannenden fremden Kulturen nicht nur für sich zu behalten, sondern mit der Welt zu teilen, hat Pochop den Entschluss gefasst, eine Auswahl an Bildern und entsprechenden Geschichten zu bündeln und im Internet zu veröffentlichen. „Da aufgrund von Corona fast alle meine Lesungen ausgefallen sind, hatte ich Zeit, das Projekt in die Tat umzusetzen. Ich möchte damit zur Völkerverständigung beitragen und den Menschen die Angst vor fremden Kulturen nehmen.“ Unterstützt wird er dabei unter anderem von der „Partnerschaft für Demokratie in Nordsachsen“.

Auch heute noch brennt das Reisefieber in Geralf Pochop, selbst wenn die Ausflüge in die weite Welt mittlerweile seltener geworden sind. Ganz aufgegeben haben Geralf und Frau Ute, die mittlerweile auch stolze Eltern sind, das Reisen noch nicht. So waren sie zuletzt 2018 für sechs Wochen in der abgelegenen chinesischen Bergregion Guizhou bei den Völkern der Yi und Miao unterwegs.Eigentlich sollte dieses Jahr eine Reise in die gleiche Gegend folgen, doch  „da kam uns aber Corona dazwischen“. Ad acta hat die Familie das Vorhaben jedoch noch nicht gelegt – sobald es wieder möglich ist, wird wieder gereist. „Nur die Ziele, die suchen wir uns jetzt mit unseren Kindern sehr viel gründlicher aus.“

Auch heute hat Geralf Pochop das Reisefieber noch nicht verlassen, auch wenn die Trips in ferne Länder etwas weniger geworden sind.

 

 

 

 

 

 


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